Alfons Mensdorff-Pouilly, Telekom-Experte

7. Februar 2011, 14:22
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Die TA bezahlte dem Waffen­lobbyisten 1,1 Millionen für eine Analyse. Der künftige ÖIAG-Chef Beyrer soll auf Einladung der TA auf der Pirsch gewesen sein

Wien - Der Waffenlobbyist Mensdorff-Pouilly hat von der Telekom Austria ein Honorar von 1,1 Millionen Euro erhalten. Wie "profil" berichtet, sei Mensdorff-Pouilly zwischen März und November 2008 mit der "Beratung und Analyse im Zusammenhang mit der Akquisition von Unternehmen für den Festnetzbereich" beauftragt worden. Bis dato war der Lobbyist, gegen den wegen des Vorwurfs der Geldwäsche, Bestechung, falschen Zeugenaussage, des Betrugs und der Fälschung eines Beweismittels in Zusammenhang mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems ermittelt wird, allerdings nie als Telekom-Experte in der Öffentlichkeit in Erscheinung getreten.

Von der teilstaatlichen Telekom hieß es dazu: "Es hat im Jahr 2008 einen Beratungsauftrag für Alfons Mensdorff-Pouilly gegeben, dieser lag in der Höhe von 1,1 Millionen Euro. In einem Zwischenergebnis hat die interne Revision diese Daten bestätigt."

Mit Beyrer auf der Pirsch

Das Magazin berichtet weiters, dass der künftige ÖIAG-Chef Markus Beyrer im Jahr 2008 auf Einladung der Telekom auf einem Jagdausflug im schottischen Hochland war. Organisiert haben soll die Jagd Mensdorff-Pouilly. Die Flugkosten in der Höhe von 21.800 Euro zahlte demnach die Telekom.

Abgerechnet wurde dabei laut Magazin über den Lobbyisten Peter Hochegger, der zur Zeit auch eine zentrale Figur in der Causa Grasser ist. Beyrer war und ist Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV). 

TA stoppte Jagdveranstaltungen

Die Telekom hielt fest, dass sie "unterschiedliche Veranstaltungen für die Pflege von Kunden- und Opinion-Leader-Kontakten nutzt, dazu zählten auch Jagdveranstaltungen". Da Jagden allgemein öffentlich kritisiert wurden, wird seit einem Jahr davon Abstand genommen.

Der Chef der Regulierungsbehörde, Georg Serentschy, hat mittlerweile vehement dementiert, jemals von einem Beratungsauftrag der Telekom über Vermittlung von Peter Hochegger profitiert zu haben. Telekom-Sprecherin Elisabeth Mattes betont, dass bei der seit langem laufenden internen Revision noch keine entsprechende Honorarnote aufgetaucht ist. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass so ein Beleg noch auftaucht - oder das Beraterhonorar in anderen Rechnungen "verpackt" wurde.

Die Telekom legt Wert darauf, dass all die Vorwürfe aus der Periode vor der Amtszeit des jetzigen Vorstandsvorsitzenden Hannes Ametsreiter stammen. Bei den medialen Enthüllungen fällt immer wieder der Name von Rudolf Fischer, einst Festnetzvorstand der Telekom Austria. Er ist im August 2008 "aus persönlichen Gründen" aus der Telekom ausgeschieden, war aber noch ein Jahr lang beratend tätig. (APA/red)

Hinweis

"profil" veröffentlicht auf seiner Website zentrale Passage der "Ideenkonzepte", "PR-Positionierungen" und "Strategien", die Peter Hochegger in der Vergangenheit für eine Reihe von Personen mit Verbindungen in die TA entworfen hat.

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    "Es hat im Jahr 2008 einen Beratungsauftrag für Alfons Mensdorff-Pouilly gegeben", bestätigte die TA.

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