Der dürre Gaul der Königin

7. Februar 2011, 17:04
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Sie hat Elvis flachgelegt, Jack White hat ihr neues Album produziert, nun kommt sie nach Österreich: Wanda Jackson, der heisere Frosch des Rockabilly

Wien - So eine Oma wünscht sich jeder Schlurf zwischen Fort Stockton, Texas, und Werchojansk. Wanda Jackson hat nicht nur den jungen Elvis vernascht, sie gilt als die Autorität im Rockabilly - wenn dieser über den Cowboy-Stiefeln einen Faltenrock trägt. Queen of Rockabilly wird die heute 73-Jährige gerufen - wobei diese Zuschreibung ungenau ist, weil sie eine andere Jackson ignoriert, Cordell Jackson.

Diese im Herbst 2004 verstorbene Rock-'n'-Roll-Pionierin aus Memphis, Tennessee, war mit Wanda zwar nicht verwandt, beteiligte sich aber ebenso früh an der Weltrevolution. Weil sie bei Sam Phillips' Sun Records, von wo aus Elvis' Karriere ihren Anfang nahm, nicht zum Zug kam, gründete sie das trotzige benannte Label Moon Records und veröffentlichte ebenfalls schon in den 1950ern umstürzlerische Musik.

Aber zurück zu Wanda Jackson. Sie begann als Teenager zu singen und bestritt schon bald eine eigene Radioshow. Die Stimme der aus Oklahoma stammenden Kaulquappe transportierte jene Renitenz, von der die Jugend in den 1950ern befallen wurde. Bald sang sie wie ein heißerer Frosch Songs wie You Can't Have My Love oder Hot Dog! That Made Him Mad sowie das in Japan die Hitparade stürmende Fujiyama Mama.

Wanda Jackson war nie wirklich weg, doch nun ist sie wiedergekommen - mit neuem Album, das Anlass ist, Österreich mit einer kleinen Tour heimzusuchen. Das Album The Party Ain't Over hat Jack White von den White Stripes produziert, die erst letzte Woche ihre Auflösung bekannt gegeben haben.

Dass ausgerechnet ein Minimalist wie White, der für die eigene Kunst nur eine Gitarre und ein Schlagzeug benötigte, Jacksons Album gnadenlos überproduziert und an allen falschen Stellen aufbläht, verwundert. Schließlich ist Rockabilly eine sparsame Kunst, ein dürrer Gaul aus Country und Rock. Auch die Songauswahl erstaunt: Rum And Coca-Cola, bekannt gemacht von den Andrew Sisters, wird in Jacksons Version ebenso wenig besser wie Bob Dylans Thunder On The Mountain oder You Know I'm No Good von Amy Winehouse. Und den Pleitegeier-Walzer Busted wird nach Andre Williams auch niemand mehr glaubwürdiger interpretiert haben als ebendieser.

Schon einmal hat White mit Loretta Lynn eine seiner Heldinnen produziert, schon einmal war das Ergebnis enttäuschend.

"Funnel of Love"

Jackson ihrerseits wurde schon öfter von jungen Fans hofiert. Etwa von den Rock-'n'-Roll-Wiedergängern The Cramps um Lux Interior und Poison Ivy. Von Rock-'n'-Roll-Mythen, B-Movies und der Trash-Kultur fasziniert, missionierten die Cramps in den 1980er-Jahren mit Jacksons Kunst. Vor allem Funnel Of Love hatte es ihnen angetan.

2003 veröffentlichte Jackson das Album Heart Trouble, auf dem sie einige Verehrer einlud, mit ihr zu spielen. Darunter Elvis Costello, Dave Alvin und The Cramps. Die Ergebnisse waren schräger, dreckiger, wirkten also authentischer als Whites Bemühungen auf The Party Ain't Over.

Live dürfte sich das trotzdem locker ausgehen. Die wilde Wanda predigt seit über 50 Jahren die Freuden der Sünde. Da darf man davon ausgehen, dass sie Mittel und Wege kennt, um ihre Botschaft nicht von zu vielen Noten oder artfremden Instrumenten verstellen zu lassen. Sie hat schließlich noch beim King gelernt. (Karl Fluch, DER STANDARD - Printausgabe, 8. Februar 2011)

Wanda Jackson live: 15. 2., Greifenburg, Kultursaal; 16. 2., Kik, Ried im Innkreis; 17. 2., Theater Akzent, 1040 Wien; 18. 2. Posthof Linz. Beginn jeweils 20.00

  • Wanda Jackson, die wilde Frau des Rockabilly, kommt mit neuem Album nach
 Österreich. Wer sie berührt, berührt jemanden, der Elvis berührt hat.
    foto: warner

    Wanda Jackson, die wilde Frau des Rockabilly, kommt mit neuem Album nach Österreich. Wer sie berührt, berührt jemanden, der Elvis berührt hat.

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