WWF knickt gegenüber Vietnams Regierung und Fischerei-Industrie ein

7. Februar 2011, 13:36
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Internationale Umweltorganisation streicht Pangasius von Roter Liste und führt neue Kategorie ein

Stockholm - Der World Wide Fund for Nature (WWF) hat nach nur zwei Monaten den Pangasius-Fisch wieder von seiner "Roten Liste" gestrichen. Laut einem Bericht von Radio Schweden (SR) vom Montag dürfte die internationale Umweltorganisation offenbar unter dem Druck des vietnamesischen Regimes in Hanoi sowie von Seiten der internationalen Fischfangindustrie eingeknickt sein. Der relativ billige Speisefisch ist eines der wichtigsten Exportprodukte Vietnams.

Der WWF hatte den in Europa häufig auf der Speisekarte von Restaurants anzutreffenden Fisch im Oktober auf seine Rote Liste gesetzt, weil die Zuchtbedingungen nach Ansicht der Organisation nicht den internationalen Regeln entsprachen. Daraufhin sollen laut SR vietnamesische Regierungsbeamte dem WWF zu verstehen gegeben haben, die Organisation de facto verbieten zu lassen, falls die Negativ-Listung nicht rückgängig gemacht würde. Im Dezember verschwand der Pangasius wieder von der Roten Liste des WWF.

In einer Aussendung des WWF hieß es, dass es der Umweltschutzorganisation gelungen war, in Gesprächen mit Regierungsvertretern Vietnams sowie Vertretern der Industrie Zugeständnisse bei der Ökologisierung der Produktion zu erreichen. Daher sei der Fisch wieder von der Roten Liste gommen worden.

Neue Kategorie

Da sich die Zuchtbedingungen nicht geändert hätten, habe der WWF - um sich der Form halber aus der Affäre zu ziehen - für den Pangasius extra die neue Kategorie "moving towards certification" (bewegt sich in Richtung Zertifizierung) eingeführt. WWF-Verhandler Mark Powell sprach gegenüber SR von einem "notwendigen Kompromiss". Durch die neue Kategorie biete der WWF Ländern wie Vietnam nun die Chance ihre Zucht innerhalb einer vorher festgelegten Zeit auf eine nachhaltige Produktion umzustellen.

Die neue Bewertung verpflichtet Vietnam laut WWF drei Viertel seiner gesamten Pangasius-Produktion auf das strenge, vom WWF mitentwickelte ASC-Zertifikat, umzustellen. Bis 2015 muss Vietnam schon 50 Prozent der Produktion umgestellt haben. Der WWF hat bis zur Zertifizierung des vietnamesischen Pangasius diesen aus der roten Kategorie seines Fischführers entfernt.

Grund für die nachträglich zurückgenommene WWF-Warnung waren die in der vietnamesischen Fischzuchtindustrie angewandten Methoden. Bei der Pangasiuszucht werden unter anderem mit Antibiotika verseuchte Abwässer ungeklärt in den Mekong-Fluss geleitet. Diese fördern nach Ansicht von Experten das Entstehen resistenter Bakterien und stellen somit eine Gefährdung für Lebewesen in Fluss und Ozean - und letztlich für den Menschen - dar. (red/APA)

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