Konkursrichter gewährt Frist

7. Februar 2011, 12:28
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Sollte die Kapitalerhöhung nicht im Laufe des Montags erfolgen, droht am Dienstag die Insolvenzeröffnung

Innsbruck - Die mit Spannung erwartete Einvernahme von Kneissl-Geschäftsführer Andreas Gebauer durch den Konkursrichter am Innsbrucker Landesgericht hat am Montag mit der Gewährung einer letzten Frist geendet. Wenn die von Scheich Mohamed Al Jaber angekündigte Kapitalerhöhung nicht bis heute, Montagabend, eintrifft, dürfte am Dienstag das Insolvenzverfahren über die Holding eröffnet werden. Gebauers Optimismus war weiterhin unerschütterlich. "Ich bin davon überzeugt, dass der Scheich seine Zusagen halten wird", sagte er nach der Einvernahme.

Die Einvernahme vor Richter Hannes Seiser begann pünktlich um 9.30 Uhr. So etwas sei immer unangenehm, meinte ein sichtlich angespannter Gebauer, auch wenn dieser Termin letztendlich nicht notwendig sei. Die von Mehrheitseigentümer Mohamed Al Jaber seit längerem angekündigten 1,2 Mio. Euro hätten bereits seit längerem fließen sollen. Gebauer hatte schon Mitte Jänner verkündet, dass Al Jaber das notwendige Dokument zur Kapitalerhöhung unterzeichnet habe.

Beschlossen wurde die Kapitalaufstockung der Kneissl Holding auf einer Gesellschafterversammlung am 23. November vergangenen Jahres. Der ehemalige Miteigentümer Fritz Unterberger brachte Konkursantrag gegen die Holding ein. Der Unternehmer wartet auf über 900.000 Euro, der bisher noch unbeglichene Teil des Kaufpreises. Durch die Kapitalaufstockung würde Al Jaber künftig 99 Prozent der Geschäftsanteile an der Kneissl Holding halten.

Weitere Außenstände

Unterberger ist allerdings nicht der einzige, der auf Geld von Kneissl hofft. Unter anderen versucht das Wiener Modelabel Susan Strasser, über Drittschuldnerpfändung Außenstände in Höhe von 158.000 Euro einzutreiben.

Kneissl Tirol macht nur noch rund ein Drittel seines Umsatzes (2009: 9 Mio. Euro) mit Skiern. Das ehemalige Traditionsunternehmen produziert jährlich nur noch 15.000 Paar, davon 10.000 als Auftragsarbeit für die Konkurrenten Elan und Fischer Ski. Kneissl sieht sich mittlerweile als Lifestyle-Unternehmen. Die Produktpalette reicht von Lederjacken über Fahrräder bis zu Tennis-Rackets. Am Standort in Kufstein, wo jedes Jahr 5.000 Skier vom Band laufen, beschäftigt das Unternehmen 28 Mitarbeiter. 

Drei Hersteller beherrschen den Markt

Die Skihersteller haben turbulente Zeiten hinter sich. Während in den 1990er Jahren weltweit noch an die acht Millionen Paar Ski verkauft wurden, ist der Weltmarkt im Krisenjahr 2009 auf gut drei Millionen Paar eingebrochen. Seitdem hat eine leichte Erholung eingesetzt, derzeit ist der Markt etwa 3,6 Millionen Paar schwer. In Österreich haben die Skiproduzenten zuletzt rund 380.000 Paar verkauft. Größter Player mit einem Marktanteil von etwa einem Viertel ist mit Abstand Weltmarktführer Atomic, gefolgt von Head und Fischer (jeweils rund 15 Prozent).

Weitere beliebte Marken in Österreich sind Salomon, Blizzard, Rossignol (Frankreich) und Völkl (Schweiz), die Nummer drei am Weltmarkt. Das trudelnde Tiroler Traditionsunternehmen Kneissl stellt nur mehr 15.000 Paar Ski im Jahr her.

Die Wintersportausrüstung wird schon lange nicht mehr nur in Österreich produziert. Atomic etwa betreibt neben seinem Werk am Firmensitz Altenmarkt (Salzburg) auch eines in Bulgarien, Fischer produziert in Ried im Innkreis und der Ukraine und die börsenotierte Head, Nummer zwei am Weltmarkt, in Kennelbach (Vorarlberg), Schwechat und Tschechien. Salomon-Ski sind dagegen alle made in Altenmarkt - sowohl Atomic als auch Salomon gehören zur finnischen Amer-Gruppe. Blizzard, 2007 vom italienischen Sportausrüster Tecnica geschluckt, produziert in Mittersill (Salzburg) und Italien. Kneissl unterhält ein Werk in Kufstein, drei Modelle lassen die Tiroler vom slowenischen Konkurrenten Elan produzieren.

Die Traditionsskifirmen Atomic, Head, Fischer, Blizzard und Co. leben vor allem vom Absatz im Ausland, die Exportquote der Branche beträgt über 80 Prozent. Die Austro-Marken beherrschen rund die Hälfte des Weltmarkts. (APA)

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    Noch ist die Finanzspritze von Scheich Al Jaber weiter ausständig.

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