Börse Kairo weiter geschlossen

7. Februar 2011, 10:59
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Talfahrt des ägyptischen Pfunds hält an - Suzuki nimmt Produktion wieder auf - Türkei will von Unruhen in Ägypten profitieren

Frankfurt - Die Unruhen in Ägypten haben der Landeswährung am Montag weiter zugesetzt. Der US-Dollar kletterte auf ein neues Rekordhoch von 5,9427 ägyptischen Pfund. Unternehmen und Privatpersonen transferierten verstärkt Geld ins Ausland oder tauschten es in Devisen um, sagten Börsianer. Ein Ansturm auf die Banken sei bislang aber nicht zu verzeichnen. Am Sonntag war die Währung des nordafrikanischen Landes schon stark unter Druck geraten, nachdem der Handel in den Tagen zuvor wegen der Proteste gegen die Regierung von Präsident Hosni Mubarak ausgesetzt worden war.

Entgegen ursprünglichen Plänen blieb die Börse von Kairo am Montag noch geschlossen. Wie ein Vertreter der Börse sagte, dürfte auch am Dienstag noch kein Handel am Kairoer Aktienmarkt stattfinden.

Mit Spannung warten Anleger auf die 15 Milliarden Pfund (knapp zwei Milliarden Euro) schwere Emission ägyptischer Staatsanleihen. Die zunächst für die vergangene Woche geplante Platzierung war wegen der Unruhen abgesagt worden.

Suzuki fertigt wieder

Nach Abflauen der schweren Unruhen nehmen auch ausländische Unternehmen langsam ihre Produktion wieder auf. Der japanische Autohersteller Suzuki teilte am Montag mit, nach einer Woche Pause werde wieder gearbeitet. Das Unternehmen stellt demnach mit einem Partner rund 7.500 Autos im Jahr in Ägypten her.

Konkurrent Nissan lässt sein Werk in Gizeh südlich der Hauptstadt Kairo dagegen weiter geschlossen. Nissan produziert in Ägypten im Jahr rund 10.000 Lieferwagen und Autos mit Vierradantrieb. Die Bänder stehen laut Unternehmen seit einer Woche still. Marktführer Toyota plant ein neues Werk in Ägypten und will dort ab 2012 rund 3.000 Autos jährlich produzieren.

Wegen relativ niedriger Löhne und seiner Nähe zum europäischen Markt lassen viele ausländische Unternehmen in Ägypten fertigen, darunter etwa auch deutsche Konzerne wie Daimler, BASF und Siemens.

Türkei erhofft positive Effekte

Von den Unruhen in Ägypten hofft jetzt aber auch die türkische Wirtschaft zu profitieren. Vertreter der Tourismus- und der Textilbranche äußerten nach Medienberichten vom Montag die Erwartung, dass die politische Instabilität in Nordafrika ihren Sektoren zusätzliche Buchungen und Aufträge bringen könnte. Der Fremdenverkehr und die Textilbranche gehören zu den wichtigsten Sektoren der türkischen Wirtschaft.

Cumhur Güven Tasbasi vom türkischen Tourismusministerium sagte laut der Zeitung "Vatan", die Türkei sei keineswegs erfreut über die Unruhen in Ägypten. Aber es sei nun einmal eine Tatsache, dass politische Turbulenzen viele Urlauber abschrecken könnten. Zumindest einige potenzielle Ägypten-Urlauber würden nun lieber in die Türkei kommen, um ihre Ferien zu verbringen.

Der Vorsitzende des Verbandes Istanbuler Textilexporteure, Hikmet Tanriverdi, sagte laut Medienberichten, Fertigungen in Tunesien und Ägypten könnten aufgrund der Unruhen in die Türkei verlagert werden. Auch wenn die Baumwollpreise aufgrund der Unruhen steigen sollten, werde die Türkei in der Lage sein, die Nachfrage nach vernünftigen Preisen zu befriedigen. (red/Reuters/APA)

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    Die Börse Kairo wird auch am Dienstag noch nicht wieder aufsperren.

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