Herzensbildung

6. Februar 2011, 22:51
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Es gibt noch eine Menge zu lernen, auch und besonders von den kleinen Fischen

In den Zuflüssen des heiligen Ganges lebt ein kleiner Fisch mit einer erstaunlichen Gabe: Wenn der Zebrabärbling am Herzen verletzt wird (zum Beispiel durch einen Infarkt), dann kann sein Organismus umgehend eine Art Auto-Repair-Funktion aktivieren. Der Fisch lässt die kaputten Teile seines Herzens einfach nachwachsen.

Diese Art der Herzensbildung eröffnet ganz neue Perspektiven. Die British Heart Foundation hat jetzt 50 Millionen Pfund für die Erforschung dieses und anderer Phänomene bereitgestellt, die die Herzmedizin von Grund auf revolutionieren könnten: "Wenn wir so einen biologischen Weg finden, beschädigte Herzmuskel zu reparieren, könnten wir uns abertausende Herztransplantationen sparen", erklärt Peter Weissberg, der medizinische Direktor der Stiftung. Das klingt fantastisch.

Aber auch sonst eröffnen sich spannende, geradezu utopische Perspektiven. Schließlich kommt es viel zu oft vor, dass ein Herz schwere Verletzungen erleidet, die nicht physischen Ursprungs sind - die aber mindestens so weh tun, Narben zurücklassen, zu Abstumpfung führen.

Wenn es gelänge, auch bei solchen Verletzungen eine automatische Heilung in Gang zu setzen, die Welt würde wohl auf eine ganz fantastische Art anders aussehen.

Wir merken: Es gibt noch eine Menge zu lernen, auch und besonders von den kleinen Fischen. (Severin Corti/DER STANDARD, Printausgabe, 7.2.2011)

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