HTC HD7: Unterhaltungskönig im Großformat?

22. April 2011, 12:04
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Windows Phone 7-Gerät mit 4,3 Zoll-Display soll Multimedia-Begeisterte locken - eine WebStandard-Rezension

Der taiwanische Hersteller HTC wirbt für das HD7 mit "mobiler Unterhaltung". Überzeugen soll das Windows Phone 7-Smartphone durch seinen Multimediaqualitäten, doch viel investieren wollte HTC dafür offenbar nicht. Denn abgesehen vom 4,3 Zoll großen Display standen die Taiwaner auf der Sparbremse, so scheint es zumindest.

Verarbeitung und Ergonomie

Das HTC HD7 verfügt über einen 4,3 Zoll (10,9 Zentimeter) großes AMOLED-Display und misst 122 x 68 x 11,2 Millimeter. Der Rahmen rund um das HD7 besteht aus Aluminium, das Display ist von schwarzem, glänzenden Plastik umrundet. Unterhalb des Displays befinden sich die, für Windows Phone 7 von Microsoft vorgegebenen, Softtouch-Keys "Zurück", "Menü" und "Suche". Oberhalb des Displays befindet sich ein kleiner, silberfarbener Schriftzug vom Hersteller. Am oberen und unteren Rand der Frontseite wurden die Lautsprecher eingelassen, geschützt von einem feinen Metallgitter. Im Test erwiesen sich die integrierten Boxen als echte Staubmagneten, nur mit viel Geduld und Feinarbeit ließen sich die Staubpartikel - ohne dabei das Gerät zu beschädigen - entfernen. Hosentaschen-tauglich sieht anders aus.
Auf der rechten Seite des Rahmens befinden sich silberne Plastiktasten für Lautstärkeregelung und Kamera. An der Oberseite befindet sich eine entsprechende Taste zum Ein- und Ausschalten, diese sitzt allerdings etwas zu tief im Rahmen und hat damit einen gewöhnungsbedürftigen Druckpunkt, was angesichts der Größe bei Menschen mit kleineren Händen eine zweite Hand zur Bedienung erfordert.
Die Rückseite ist in dunklem Grau gehalten, an der Unterseite befindet sich der Windows Phone-Schriftzug, unterhalb des Akkudeckels ziert eine schmale Aluminiumleiste mit der Bezeichnung HD7 die Rückseite. Der Akkudeckel ist, wirkt etwas klapprig und lässt, die unten eingeschobene SIM-Karte etwas durchschimmern. Am oberen Ende der Rückseite befindet sich die 5-Megapixel-Kameralinse, zwei übereinander angeordnete LED-Leuchten und ein ausklappbarer Ständer aus Aluminium (Kickstand genannt) - dieser wirkt zwar wenig robust, hält das Gerät aber stabil in Schräglage.
Die Rückseite des HD7 ist leicht geriffelt, wodurch das Gerät trotz seine Größe im Alltag gut in der Hand liegt. Das Gewicht von 162 Gramm, inklusive Akku, geht in Ordnung. Trotz seine Größe fühlt sich der HTC-Bolide in durchschnittlich großen Hosen- und Jackentaschen angenehm ein.

HD7 in neuem Gewand

Das WVGA-AMOLED-Display löst mit den, ebenfalls von Microsoft vorgeschriebenen, 480 x 800 Pixeln auf. An der Farbdarstellung gibt es nichts zu bemängeln, allerdings schlägt Samsungs Omnia 7 - mit Super-AMOLED-Technologie - das HD7 in Sachen Helligkeit um Längen. Gerade bei direkter Sonneneinstrahlung bzw. dem Betrachten von tendenziell dunklen Foto- oder Videoaufnahmen macht sich dieser Unterschied bemerkbar. Das gleiche Display kam auch schon bei HTCs Modell HD2 zum Einsatz und so hält sich auch bei der restlichen Hardware weitgehend.

Der Prozessor, Qualcomms Snapdragon QSD8250, kam ebenfalls im HD2 zum Einsatz. Der Chipsatz taktet mit einem Gigahertz und beherbergt die Mobilfunkeinheit sowie den GPS-Empfänger. Anders als das HD2, welches aufgrund von Windows Mobile 6.5 HD-Video-Decodierung in 720p nicht unterstützte, beherrscht der QSD8250-Chipsatz diese im HD7. Die CPU hört auf die Bezeichnung Scorpion, bei der GPU handelt es sich um eine Adreno 200.
Das Gerät unterstützt neben GSM/EDGE auch HSDPA (bis 7,2 Mbit/s Download) den WLAN-n-Standard, kabelloses Musik-Streaming ist über ein A2DP-kompatibles Bluetooth-Headset möglich.

Den Recheneinheiten stehen 576 Megabyte RAM zur Seite, der ROM-Speicher beläuft sich auf 512 MB. Microsoft gibt weiters vor, dass sich der interne Flashspeicher auf maximal acht Gigabyte belaufen darf, rund sieben davon sind neben dem Betriebssystem und vorinstallierten Programmen noch übrig. Zwar befindet sich unterhalb des SIM-Karten-Einschubs auch einer für MicroSD-Karten, allerdings ist dieser aus gutem Grund versteckt. Microsoft und Hersteller raten generell davon ab eigene Speicherkarte zu verwenden, da dies unter Windows Phone 7 nicht vorgesehen ist.

Der Akku ist mit 1230 mAh ausreichend und liefert Kraft für einen vollen Arbeitstag, was nicht zuletzt auf die AMOLED-Technologie zurückzuführen ist. Geladen wir die Batterie via Micro-USB-Stecker über das mitgelieferte Netzteil oder direkt über den Computer. Mit in die Verpackung legt HTC außerdem ein schwarzes Headset mit 3,5-mm-Klinke und Fernbedienung zum Anrufe entgegennehmen, Musikabspielen/-Pausieren sowie Vor- und Zurückschalten.

Keine Foto- und Videoqualitäten

Obwohl sich das HD7 als Alleinunterhalter versteht fällt die Kamera bei Foto- und Videoaufnahmen gleichermaßen durch. Abgesehen vom iPhone 4 ist das beim Aufnehmen von 720p-Videos bei Smartphones nicht unüblich. Zwar gibt es an der Bildqualität nichts auszusetzen, doch ist die Linse schlichtweg zu langsam um etwa fahrende Autos oder sich schneller bewegende Objekte ohne Verzerrung einzufangen. Videos können mit maximal 25 Bildern pro Sekunde gedreht werden, an der Tonaufnahme gibt es nichts auszusetzen.

Wirklich enttäuschend ist die 5-Megapixel-Kamera des HD7, da hilft auch die - bei HTC von Haus aus vorinstallierte - Anwendung zur Fotoverbesserung nur wenig. Gerade höher auflösende Fotoaufnahmen sind pixelig, unscharf und kontrastarm. Die verbaute Kamera reicht für Schnappschüsse, nicht mehr. Immerhin lässt sie sich unter Windows Phone 7 über die Kamerataste rasch und unkompliziert aufrufen. Einen guten Dienst verrichten dafür die zwei verbauten LED-Leuchten, welche dem HD7 als Blitz oder Taschenlampe dienen.

Die schwache Kamera ist bei HTC keineswegs unüblich, auch im früheren Modellen wie zum Beispiel dem Desire musste der taiwanische Hersteller bereits Kritik dafür einstecken. Hier sollte man einen Blick zu Konkurrenten wie Nokia, mit dem N8 oder Apple werfen.

Internet Explorer

Das eigentliche Herzstück eines modernen Smartphones ist der Internetbrowser, eine Tatsache die Nokia in den vergangenen Monaten angesichts des katastrophalen Symbian-Browser verborgen blieb. Microsoft macht hier mit seinem mobilen Internet Explorer einiges besser. Unter Einstellungen können Nutzer festlegen ob Webseiten standardmäßig in der Voll- oder Mobilversion aufgerufen werden. Angesichts des 4,3-Zoll-Displays lassen sich die meisten Seiten auch in der Vollversion problemlos betrachten, da bereitet auch die - im Vergleich zum Retina-Display im iPhone 4 - geringer Auflösung keine Probleme.

Hat man mehrere Seiten geöffnet werden diese in zwei Reihen untereinander auf einer Übersichtseite angezeigt, was sich als effiziente und überschaubare Lösung erweist. Weniger positiv fällt das Testurteil für die Ladezeiten bei Seitenaufrufen aus. Der an Googles Chrome angelehnte Android-Browser und Safari unter iOS erledigen das vollständige Laden einer Seite in etwa der Hälfte der Zeit. Wurde eine Seite vollständig geladen wird diese korrekt dargestellt, allerdings müssen Nutzer - anders als unter Android oder Symbian - auf Flash verzichten, eine entsprechende Unterstützung möchte Microsoft in naher Zukunft nachreichen.

Windows Phone 7 und HTC

Die Oberfläche von Windows Phone 7 sieht auch auf dem HD7 so aus wie auf Modellen anderer Hersteller. Anstatt kleiner App-Symbole finden sich auf dem Homescreen große, meist einfarbige Kacheln mit den favorisierten Anwendungen. Mit einem Wisch nach Links gelangt man zur kompletten, alphabetisch angeordneten Liste an installierten Anwendungen. Die Anordnung dabei ist, wie in früheren Berichten bereits kritisiert, gewöhnungsbedürftig. Denn hat man mehr als 50-60 Anwendungen installiert wird die Ansicht unübersichtlich, hier könnte Microsoft über die Einführung von Ordnern nachdenken. 

Aber zugegeben, HTC macht nicht alles so wie die Konkurrenz: Am Homescreen befindet sich von Haus aus der HTC Hub, dieser zeigt nach dem Start die aktuelle Wetterlage, Uhrzeit und Datum sowie am Marktplatz verfügbare Anwendungen an. Während HTCs Hub unter Android seine Daseinsberichtigung haben möchte ist er unter Windows Phone 7 weitgehend sinnlos - vom chicen Scheibenwischer bei Regenwetter einmal abgesehen. Denn Wetter, Datum und Uhrzeit werden nur innerhalb der Anwendung live angezeigt, nicht aber direkt in der Kachel auf dem Startbildschirm. Weitere vom Hersteller beigelegte Anwendungen: Verbindungs-Setup, Umwandler (zum Umrechnen von Einheiten) und die oben bereits erwähnte Fotoverbesserung.

Business-tauglich

Der standardmäßige Kalender lässt sich über das große Display hervorragend handhaben und auch die Email-Anwendung lässt kaum Wünsche offen. Im Test arbeiteten wir mit einem Hotmail- und einem Gmail-Account, darin erstellte Ordner bzw. Labels erkannte WP7 ohne Probleme, die Einrichtung der Accounts dauerte nur wenige Minuten. Nutzer von Microsoft Exchange sollten vor dem Kauf eines WP7-Geräts sicherstellen, dass ihr Exchange-Server über ein, von Microsoft genehmigtes, Zertifikat verfügt. Denn bereits seit der Einführung der jüngsten Desktop-Version von Outlook arbeitet Microsoft nicht mehr mit selbstgebastelten Exchange-Zertifikaten zusammen.

Business-Qualitäten beweist Windows Phone 7 auch mit der integrierten Office-Suite für Word-, Excel- und PowerPoint-Dateien. Der Dienst OneNote erlaubt das einfache Erstellen von Notizen, allerdings wären dafür Copy & Paste wünschenswert - diese sollen mit einem Update im März nachgereicht werden.

Kontakte können ausschließlich via Internet synchronisiert werden, etwas über Exchange, Hotmail, Gmail oder Facebook.

Kein Navi-Ersatz

Bis heute enttäuscht Bing Maps, das Navigationssystem unter Windows Phone 7. Zwar können Routenpläne für Spaziergänge wie Autofahrten bei vorhandener Internetverbindung erstellt werden, doch fehlt es an einem System zur Live-Navigation. Auch muss bei der Region (unter Einstellungen) nach wie vor Deutschland gewählt werden um Zugriff auf die Routenplanung zu haben.

Drittanbieter bieten noch keine Alternativlösung, weder Navigon noch TomTom haben es bislang auf WP7 geschafft. Microsoft hat hier enormen Aufholbedarf, das Google Maps unter Android sowie Ovi Maps unter Symbian hier um Längen voraus sind. Immerhin hat das HD7 aber kein Problem bei der Orientierung, ist das GPS-Signal zu schwach wird zur Orientierung auf Funknetze zurückgegriffen.

Zune

Seine Qualitäten spielt das HD7 bei der Wiedergabe von Videos aus. Dank des Kickstands lässt sich das Gerät als Fernseher nutzen, entsprechende Videos vorausgesetzt. Die Vorführung von Videos für mehr als zwei Personen eignet sich allerdings nur bedingt, was weniger an der ausreichenden Größe des Displays liegt als vielmehr an dem mangelnden Volumen der verbauten Lautsprecher. Diese sind schlichtweg zu leise, weshalb man Videos - auch bei nur leisen Umgebungsgeräuschen - idealerweise mit eingesteckten Kopfhörern oder zusätzlichen Boxen abspielen sollte.

Videos, Musik und Bilder lassen sich über die - ausschließlich für Windows-Systeme verfügbare - Zune-Software synchronisieren. Bilder können alternativ auch versendet oder auf Skydrive, was Teil eines Hotmail-Accounts ist, hochgeladen werden. IDas Herunterladen von Musik oder Videos ist ausschließlich über die PC-Version von Zune möglich, Anwendungen lassen sich auch direkt über das Smartphone herunterladen und installieren. Die am Zune-Marktplatz gebotene Musik ist weitgehend DRM-frei, Videos hingen sind kopiergeschützt und lassen sich alternativ zum Kauf auch für 24 Stunden mieten.

Für die Synchronisierung mit Mac OS X gibt es den sogenannten Windows Phone 7 Connector, welcher in Apples Mac App Store verfügbar ist. Für Linux-Nutzer gibt es bislang keine Lösung. 

Anwendungen

Apples AppStore und Googles Android Market zählen bereits hunderttausende Apps in ihren Online-Shops, Nokia tummelt sich weit abgeschlagen mit etwa 20.000 Programmen dahinter. Für Windows Phone 7 soll es nach dem Marktstart im vergangenen Jahr bereits 5.000 Anwendungen geben, hieß es Anfang-2011. Das Angebot an gelungenen Anwendungen bleibt dabei allerdings, wie sich anhand der Navigationslösungen zeigt, überschaubar. Und auch die Multitasking-Lösung von Microsoft lässt Wünsche offen, funktioniert diese bislang doch ausschließlich in Verbindung mit Microsoft-eigenen Anwendungen.

Fazit

HTCs HD7 hat seine Vorzüge: Das große Display eignet sich in Kombination mit dem Kickstand perfekt zum Videoschauen unterwegs, vorausgesetzt man schließt an das Gerät externe Lautsprecher oder Ohrhörer an, denn die verbauten Boxen sind schlichtweg zu leise. Und Staubmagneten sind sie auch noch. Der Touchscreen arbeitet trotz seiner Größe präzise, das Display stellt Bilder farbgetreu dar, ein Super-AMOLED-Display hätte aber für mehr Helligkeit gesorgt.

Trotz seiner Größe liegt das HD7 gut in der Hand und auch an der Verarbeitung, gibt es abgesehen vom rückseitigen Spalt bei der Akkuabdeckung, nichts auszusetzen. Der Druckpunkt der Ein-/Aus-Taste ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber verzeihlich. Die Kamera ist ein Graus, da hilft die mitgelieferte Fotoverbesserung-Anwendung kaum. Brauchbare Videos lassen sich dafür in 720p machen.

Der HTC Hub macht in dieser Form keinen Sinn, eine Live-Ansicht für das Wetter innerhalb der Kachel am Homescreen wäre wünschenswert. Allgemein arbeitet Windows Phone 7 auf dem HD7 flüssig, wenn auch der Internet Explorer Mobile mit längeren Ladezeiten zu kämpfen hat. Copy & Paste fehlen unter WP7 nach wie vor, ebenso eine anständige Navigationslösung.

Wer unbedingt ein Windows Phone 7-Smartphone haben möchte kann beim HTC HD7 ohne Bedenken zugreifen, muss sich dafür mit Kinderkrankheiten abfinden. Außerdem sollte man sicherstellen, dass zuhause ein Windows-PC oder zumindest Mac OS X-System steht.

Das HTC HD7 ist in Österreich ohne SIM-Lock ab etwa 430 Euro erhältlich, in Verbindung mit Vertrag gibt es das WP7-Smartphone bei den österreichischen Mobilfunkern Drei und A1. Alternativen im gleichen Preissegment gibt es in Form von Samsungs Galaxy S oder HTCs Desire HD - beide mit Android 2.2. (Patrick Drexler, derStandard.at; 16.02.2011)

  • Das HTC HD7 lässt sich ausschließlich mit Windows- oder Mac OS X-Systemen komplett synchronisieren.
    foto: derstandard.at

    Das HTC HD7 lässt sich ausschließlich mit Windows- oder Mac OS X-Systemen komplett synchronisieren.

  • Musik und Videos können nur über die Zune-Software am PC erstanden werden - dafür sind Songs weitgehend DRM-frei.
    foto: derstandard.at

    Musik und Videos können nur über die Zune-Software am PC erstanden werden - dafür sind Songs weitgehend DRM-frei.

  • Die Tastatur unter WP7 innerhalb des Internet Explorer Mobile.
    foto: derstandard.at

    Die Tastatur unter WP7 innerhalb des Internet Explorer Mobile.

  • Der IE arbeitet langsamer als die Konkurrenz unter iOS oder Android.
    foto: derstandard.at

    Der IE arbeitet langsamer als die Konkurrenz unter iOS oder Android.

  • Der Kickstand wirkt klapprig, ist aber robust.
    foto: derstandard.at

    Der Kickstand wirkt klapprig, ist aber robust.

  • Die Rückseite des HD7 offenbart einen Blick auf die SIM-Karte durch einen kleinen Spalt zwischen Deckel und Gerät.
    foto: derstandard.at

    Die Rückseite des HD7 offenbart einen Blick auf die SIM-Karte durch einen kleinen Spalt zwischen Deckel und Gerät.

  • Das HD7 eignet sich aufgrund der schwachen Lautsprecher nur bedingt zum gemeinsamen Videoschauen.
    foto: derstandard.at

    Das HD7 eignet sich aufgrund der schwachen Lautsprecher nur bedingt zum gemeinsamen Videoschauen.

  • Das Zubehör von HTC: ein Netzteil mit USB-Kabel sowie ein Headset.
    foto: derstandard.at

    Das Zubehör von HTC: ein Netzteil mit USB-Kabel sowie ein Headset.

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