"Eine echte Anschubfinan­zierung für Wasserkraft"

6. Februar 2011, 18:38
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Mit Geld vom Land will die Energie AG Projekte früher umsetzen, erklärt ihr Chef Leo Windtner

Von der Wirtschaftskrise blieb kaum Sparbewusstsein übrig. Mit Geld vom Land will die Energie AG Projekte früher umsetzen, erklärt ihr Chef Leo Windtner im Gespräch mit Günther Strobl.

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STANDARD: Ihre Konkurrenten Verbund und EVN konnten im Vorjahr ihre Finanzkraft mittels Kapitalerhöhung kräftig stärken. Neidisch?

Windtner: Wir sind zuversichtlich, auch frisches Geld zu bekommen Mit 200 Mio. Euro wäre unser indirekter Wettbewerbsnachteil ausgeglichen. Voraussichtlich im April wird es dazu ein Gespräch mit Landeshauptmann Josef Pühringer geben, um zu klären, wie das Land als Mehrheitsaktionär die Kapitalaufbringung Maastricht-konform gestalten kann.

STANDARD: Haben Sie eine Idee?

Windtner: Die Republik hat bei der Verbund-Kapitalerhöhung einen Weg aufgezeigt: über eine Anleihe. Man wird sich das auch bei uns ansehen.

STANDARD: Wofür benötigen Sie das Geld?

Windtner: Das wäre eine echte Anschubfinanzierung für Wasserkraft und andere Projekte. Einzelne Kraftwerke könnten um rund drei Jahre früher gebaut werden. Und wir könnten von noch günstigen Baupreisen profitieren. Außerdem würden wir neue Kapazitäten zur Verfügung haben, wenn die Strompreiskurve in Europa, wie zu erwarten ist, 2015 ansteigt.

STANDARD: Um welche Projekte geht es dabei?

Windtner: Vor allem um das Pumpspeicherkraftwerk Ebensee im Bezirk Gmunden sowie das Gas- und Dampfkraftwerk Riedersbach im Bezirk Braunau.

STANDARD: Soll die Kapitalerhöhung vor dem Sommer erfolgen?

Windtner: Jedenfalls im heurigen Jahr, abhängig von der Situation auf den Kapitalmärkten.

STANDARD: Werden die anderen Aktionäre mitziehen?

Windtner: Ich glaube, die werden sich stark daran orientieren, was das Land Oberösterreich macht. Wir haben Signale beispielsweise von der Tiwag, dass die mitziehen würden.

STANDARD: Und der Zeitplan für den Bau der Kraftwerke?

Windtner: Bei Ebensee versuchen wir, bis Frühjahr 2012 sämtliche Unterlagen für die Einreichung fertig zu haben. Dann hoffen wir auf einen zeiteffizienten Genehmigungsverlauf, zumal es gerade in der Region Ebensee eine große Akzeptanz für das Kraftwerksprojekt gibt. Zudem sind die Voraussetzungen dort sehr gut, weil bereits eine 110. 000-Volt-Leitung zum Stromtransport steht. Riedersbach ist etwas aufwändiger.

STANDARD: Was haben Sie mit Ihrer Sperrminorität an der Salzburg AG vor?

Windtner: Damit liegen uns auch die Wirtschaftsprüfer in den Ohren, zumal seitens unserer Bankaktionäre die Werthaltigkeit von Beteiligungen sehr kritisch betrachtet wird. Es gibt Gespräche mit der Salzburg AG, um das Thema konsensual zu erledigen.

STANDARD: Ausstieg?

Windtner: Auf mittlere Sicht ist auch das eine Option, die aber auf Eigentümerebene abzuklären ist.

STANDARD: Könnte daraus gemeinsam mit der Tiwag etwas Größeres entstehen, etwa eine Neuauflage der bereits einmal gescheiterten Energie West?

Windtner: Im Moment zeichnet sich nichts ab, aber ich würde es auf längere Sicht auch nicht ausschließen. Die derzeitige Windstille, was Kooperationen betrifft, wird nicht ewig anhalten.

STANDARD: Ist der Stromverkauf wieder am Stand vor der Krise?

Windtner: Bei 95 Prozent unserer Industriekunden liegen wir wieder auf Vorkrisenniveau, zum Teil sogar leicht darüber. Bei Privatkunden ist es nicht ganz so weit.

STANDARD:  Es wird Strom gespart?

Windtner: Das Bewusstsein dafür ist gewachsen. Wir haben das auch forciert und vor zwei Jahren eine halbe Million Energiesparlampen ausgegeben. Heuer stellen wir unseren Kunden Standby-Killer zur Verfügung. Damit verkaufen wir unterm Strich zwar weniger Strom, stärken aber die Bindung zu unseren Kunden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.2.2011)

LEO WINDTNER (60) ist Generaldirektor der Energie AG in Oberösterreich, seit 2009 Präsident des Österreichischen Fußballbundes. Verheiratet, Vater dreier Töchter.

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    200 Millionen Euro wären eine runde Sache: Der Chef der Energie AG, Leo Windtner, nebenbei Präsident des Österreichischen Fußballbundes, will eine Kapitalspritze vom Land.

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