Heeresreform: Machen wir's den Dänen nach

6. Februar 2011, 18:14

Darabos hätte sich für das dänische Modell entscheiden sollen: das kombiniert Wehrpflicht und Berufsarmee

Auch die Parlamentsdebatte zur Wehrpflicht hat nichts am Eindruck geändert, den man von den Regierungsparteien schon seit der Schuldebatte hat. Die SPÖ propagiert an der ÖVP vorbei grundlegende Reformen, um in der Öffentlichkeit zu punkten. Der Koalitionspartner wiederum sagt nicht nur deshalb Nein. Die Volkspartei tritt als Bewahrer von Traditionen und alten Strukturen auf - offenbar, um im Vorfeld der Wahlen 2013 und im Verein mit der Ausländerpolitik Maria Fekters die rechte Flanke der FPÖ -Wähler abzudecken.

In der Heeresfrage hätte Verteidigungsminister Norbert Darabos im Nationalrat punkten können. Denn die Wehrpflicht ist tatsächlich in ihrer strikten Form ein Auslaufmodell. Darabos hat es verabsäumt zu erklären, warum er noch vor wenigen Monaten den verpflichtenden Dienst als „in Stein gemeißelt" sah - um bald danach auf Zuruf Michael Häupls und der Krone seine Position zu ändern.

ÖVP-Obmann Josef Pröll wiederum erklärte die sieben Modelle des Ministers tagelang für „gescheitert", obwohl das mangels praktischer Umsetzung gar nicht möglich ist. Gescheitert ist zuletzt nur der Versuch seines Finanzministeriums, den Verkauf von mehr als zwei Kisten Bier individuell registrieren zu lassen. Märkte und Geschäfte haben sich geweigert, diesen Eingriff zu exekutieren.

Außenminister Spindelegger, ein ansonsten plausibler Argumentierer, begründete die Wehrpflicht in einem der ORF-Morgenjournale mit dem Schutz der Wiener Hochquellen-Wasserleitung vor Terrorangriffen. Grundwehrdiener als Futter für Attentäter: Geht's noch? Genau das wäre ein Argument für ein Berufsheer.
Es kommt noch krauser. Niederösterreichs Landeschef verlangte in den Salzburger Nachrichten gar eine Verkürzung des geltenden Dienstes von sechs auf vier oder fünf Monate - trotz wachsender Anforderungen und steigender Technisierung des Militärs.

Ja, es gibt ein EU-Land, das gleichzeitig zur Nato gehört und einen Basisdienst von vier Monaten hat: Dänemark. Nur, die vier Monate dienen bloß einer Basisausbildung. Das Training für Kampfeinsätze dauert bis zu 12 Monate.
Dänemark hat ein Freiwilligen- und Berufsheer geschaffen, die Wehrpflicht aber nicht abgeschafft. Melden sich zu wenig Freiwillige, können Wehrpflichtige via Losentscheid einberufen werden.

Warum sich Norbert Darabos für das schwedische und nicht für das auf der internationalen Enquete am 15. Dezember ebenfalls vorgestellte dänische Modell entschieden hat, entzieht sich (abgesehen von rechtlichen Fragen wegen des Losentscheids) vernünftigen und durchsetzbaren Überlegungen. Jene 2500 Freiwilligen, die man jährlich laut Darabos braucht, sind keine Utopie.

Also dänisch statt schwedisch? Wäre das jene „reformierte Wehrpflicht", wie sie von Josef Pröll am Samstag ventiliert wurde? Immerhin legte sich sein Außenminister zuletzt im Standard auf überhaupt nichts mehr fest.
Das ist ein Zeichen der Hoffnung. Denn der Verdacht liegt nahe, dass wie bei der Schulreform Vorurteile und Ideologien aus der Mottenkiste die taktischen Gedanken dominieren. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.2.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 86
1 2 3
österix
00
Sperl = der bessere Darabos?

Nein, danke. Das Original reicht. So wie's uns reicht.

René Monet
 
00
Am besten wir kombinieren dieses dänische modell

mit einem lottogewinn: Wer im lotto einen fünfer, fünfer mit zusatzzahl oder einen sechser hat, gewinnt die kohle UND darf zum grundwehrdienst antreten! :)

Reich sein muss sich lohnen!
29
Was soll das denn nun wieder? Dieses Modell haben wir doch!

GRUNDwehrdienst.
Hier erhält man eine militärische Grundausbildung die eine möglichst hohe Anzahl von Staatsbürgern absolvieren sollte.
Für den Fall, dass doch einmal jemand auf die Idee kommen sollte Österreich anzugreifen, damit zumindest ein paar wissen wo die Munition rein und wo sie raus kommt.

Wir bilden doch keine GWDer zu Piloten aus. Wir schicken sie auch nicht zu Auslandseinsätzen. Hierfür haben wir die Berufssoldaten.

Die ganze Diskussion driftet immer mehr ins lächerliche.
Die Wehrpflicht muss weg, um jeden Preis egal mit welchen Kollateralschäden.
Weil das haben ja die meisten so gemacht und wenn etwas alle machen dann muss es auch gut sein.

So und jetzt macht mich rot, denn die Wehrpflicht muss weg, ohne Diskussion.

Das restliche Fördermittel
00
Losentscheid?

Dieses Los kaufe ich mir nicht! Oder wird es mir gar aufgezwungen? Dann ist das aber keien Los mehr, sondern massive Ungleichbehandlung und eklatante Willkür. So wie damals in den USA im Vietnamkrieg. Damals sind viele junge Amerikaner nach Kanada und weiter weg nach Schweden geflüchtet, um dem "Los" zu entgehen.

Erhard Steindl1
 
01
Gehts noch?

Das wäre wohl das ungerechteste Modell per Losentscheid zum Bundesheer zu müssen. Als gelernter Österreicher kann man ahnen, wie das dann läuft.
Siehe Standardarteikel "Feuerwehr", die können logistisch den Katastrofenschutz übernehmen.
Liebe Leute vom Standard, auch wenn euch die Krone noch so weh tut, bleibt ehrlich und gesteht euch ein, dass die Wehrpflicht nur mehr in 2 -3 Staaten in der EU besteht und somot längst ein Relikt ist und endlich abgeschafft gehört.

Poldi Fesch
10
genau, und

mehr als eine Milliarde Menschen iszt mit Staebchen, werft Messer u. Gabeln weg

GevatterTod
00
zu den 2 - 3 Staaten gehört

die von Österreich beneidete Schweiz.

inness robins
00
Verschweizerung

droht uns eine Verschweizerung? Schon Bruno Kreisky hatte davor gewarnt!

sterngucker
 
02
Hab ich den EU-Beitritt der Schweiz verschlafen?

Ich sollte doch mehr Zeitung lesen!

prado
01
der Darabos hat schon gewußt warum

weil der Losentscheid in Österreich niemals nach dem Zufallsprinzip verläuft !

grad ischach
06
Ein missionarischer Versuch:

Alle Soldaten müssten evangelisch werden - schon haben wir ein reformiertes Heer!

Das restliche Fördermittel
01
Nur nicht dem Schönborn verklickern!

"Nur die Evangelischen müssen zum Heer, damit wir ein reformiertes Heer haben." Daraufhin konverieren ja alle Wehrpflichtigen zum Katholizismus und die öst. Staatskirche jubelt!

randolf
01
Ja ja

So ich hab jetzt die sicherheitspolitische Überidee. Wir schnappen uns jetzt die paar Soldaten die wir noch haben und überfallen die Schweiz damit. Die rechnen sowieso nicht damit, dass wir überhaupt eine Armee haben, somit ist uns der Sieg schon sicher. Mit dem dadurch erworbenen Kriegsgerät (wir rekrutieren natürlich auch Zwangssoldaten in den überfallenen Ländern) überfallen wir jetzt ein Land nach dem anderen, bis wir (ich glaube) alle 177 Länder überfallen haben. Und dann können wir die Wehrpflicht getrost abschaffen(es gibt keine Feinde mehr). Mein Modell kann übrigens nicht viel teurer sein als das vom Nobi ;)

DemRepublikaner
11
Losentscheid

habe ich auch schon vorgeschlagen.
2/3 Männe - 1/3 Frauen, käme einer gerechten Lösung sehr nahe.

Pollypupspüppchen
01

50/50

DemRepublikaner
00
Gut,

aber dann müssen auch ca. 50% der Männer Kinder kriegen. Wird biologisch etwas umständlich.

Sportgott
00

Und im Gegenzug bekommen Frauen bei Sorgerechtsstreitigkeiten dann automatisch dieses, oh, das ist ja schon so, na ja, dann lass ma sie früher in Pension, auch schon, ah, hm, ok, ok, sie dürfen länger leben *g*

BK W. Shoyssel
00
kombiniert Wehrpflicht und Berufsarmee

und was glaubt Herr Sperl, was wir in Österreich jetzt haben?

parapente
00
Wehrpflich

und Berufsheer haben wir doch schon - oder?

sociovation
32
Wir könnten es aber auch diesen hier gleichtun

http://de.wikipedia.org/wiki/List... lit%C3%A4r

edurkheim
00

Genau so wie Mikronesien

Juvenal
00
"Verteidigung übernehmen die USA"

Haben wir uns darauf in unserer scheinheiligen Neutralität nicht die ganze Nachkriegszeit hindurch auch verlassen? Das Bundesheer für Paraden und zum Schneeschaufeln, und falls die Russen einmarschieren, rufen wir in Washington an?

DerAndere34
00

... Haben wir uns darauf in unserer scheinheiligen Neutralität nicht die ganze Nachkriegszeit hindurch auch verlassen? ...

Ja, haben wir ...
aber psst, darf man nicht laut sagen ...

tramezzino
00

apropos schneeschaufeln...

bevor man einen radlader kauft, lässt man lieber 500 rekruten schaufeln.

leftjustified
00

jaja.. haben sie sich den wiki-artikel überhaut durchgelesen? Das sind mit ausnahme von japan nur zwergstaaten unter 1 Million Einwohnern (viele sogar nur ein paar Tausend). Japan hat kein Heer, aber "Selbstverteidigungsstreitkräfte". Haiti hat kein Heer, aber dafür hat die Polizei Panzer und Sturmgewehre. Die übrigen Staaten werden von größtenteils den USA oder sonstigen Ländern geschützt. Also bitte lassens diese lächerlichen Argumente.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 86
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.