Lernen, lernen und nochmals lernen

6. Februar 2011, 18:06
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Ob das ÖFB-Team ohne Marc Janko und Martin Harnik verrückt genug ist, um Vizeweltmeister Niederlande zu ärgern, wird der Mittwoch weisen

Wien - Martin Harnik sagte das Länderspiel gegen die Niederlande natürlich nicht ab. So viel Einfluss hat er nach wie vor nicht. Der Legionär von Stuttgart kann aber am Mittwoch in Eindhoven nicht mittun, er hat sich beim 3:2-Sieg in Gladbach die Wade gezerrt. Es ist ein unbestätigtes Gerücht, dass die Niederländer ob dieser österreichischen Schwächung aufgeatmet haben. Teamchef Dietmar Constantini war aus anderen und doch ähnlichen Gründen sogar erfreut, denn beim Vizeweltmeister fallen Rafael van der Vaart und Nigel de Jong aus. "Jeder, der absagt, tut ihnen weh und uns gut, denn sie sind Weltklasse. "

Durch das Fehlen von de Jong sinkt so nebenbei das Risiko von Bein- und Rippenbrüchen in den Promillebereich. Bleibt immer noch Kapitän Mark van Bommel, der ist auch kein Waserl. David Alaba kennt ihn aus gemeinsamen Bayern-Zeiten, mittlerweile haben sich die Wege getrennt, Alaba wurde an Hoffenheim verliehen, van Bommel an den AC Milan verscherbelt. "Er ist privat ein netter Kerl, ein Teamplayer, er hat mich immer unterstützt. Auf dem Feld ist er ein anderer Mensch", sagt Alaba, der van Bommel eine SMS geschickt hat. "Wir tauschen danach Dressen." Der 18-Jährige ist in Hoffenheim Stammspieler, am Samstag wurde Kaiserslautern 3:2 geschlagen. "Mein Körper hat sich an die Belastungen gewöhnt." Über eine Rückkehr im Sommer ins fidele München denkt er nicht nach, die 2:3-Niederlage seines Stammklubs in Köln hat ihn aber schon betroffen gemacht. "Unglaublich nach einer 2:0-Führung. Frage nicht, da ist jetzt etwas los."

Im österreichischen Team ist noch nicht viel passiert, der Teufel schläft quasi, die Elite trudelte am Sonntag in Wien ein, sie lief im Prater locker aus. Großartige Trainingseinheiten sind nicht vorgesehen, das gilt auch für die Niederlande. Es herrscht Chancengleichheit in der Chancenungleichheit.

Janko muss absagen

Marc Janko hätte ein Extrawürstchen bekommen, er spielte am Sonntagnachmittag mit Twente Enschede in Utrecht (1:1). Und der Teufel wachte auf, denn Janko musste erstens zur Pause in der Kabine bleiben und zweitens für das Ländermatch absagen. Wegen Leistenbeschwerden. Trainer Michel Preud'homme hatte davor Constantini ersucht, Janko in den Niederlanden zu lassen, er könne ja in Eindhoven dazustoßen. Der Teamchef gab der Bitte statt. "Aber es ist jetzt leider hinfällig." Roman Kienast wurde nachnominiert. Constantini hinterlässt prinzipiell einen aufgeweckten Eindruck, er geht davon aus, "dass wir den Favoriten ärgern. Wir sind verrückt genug, gegen Topteams bestehen zu wollen." Was er dazu sagt, dass Österreich bereits 45. in der Fifa-Rangliste ist? "Ich verstehe die Reihung nicht. Man steigt nach einem 1:2 gegen Griechenland. Stellen wir den Betrieb ein, sind wir bald die Nummer 15."

Der Teamchef gestand ein, Probleme mit dem Telefonieren zu haben. Denn Andreas Ibertsberger hat vor ewigen Zeiten doch nicht den Rücktritt aus dem Team erklärt, der Hoffenheimer wollte nur zwei Partien lang aussetzen. "Ein Missverständnis, ich irrte, er kann wieder ein Thema werden."

Christian Fuchs, der zweite Kapitän ("Der erste ist Janko, da stelle ich keine Ansprüche"), der in Eindhoven der erste ist, möchte "lernen, lernen, lernen. Wir sind selbstbewusst, der Stellenwert des österreichischen Fußballers ist im Ausland gestiegen, die Leute daheim jammern auch nicht mehr so." Ziel sei, so der Mainzer, die EM-Qualifikation, wobei Deutschland und die Türkei die besseren Karten hätten. "Aber es wird Zeit, dass diese Generation Córdoba vergessen macht. Es ist nämlich fad. Gegen Belgien sind wir bereits Favorit." Das Team wird übrigens ein Leiberl mit allen Unterschriften an den verunglückten Abfahrer Hans Grugger schicken. Constantini: "Wer die gute Idee hatte, ist wurscht." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 07.02.2011)

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    Fuchs, Constantini und Alaba (von links) präsentieren die kleine Aufmerksamkeit für Hans Grugger.

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