Die Ga und der Pa und die Partnach

6. Februar 2011, 17:56
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Am Montag wird die Ski-WM feierlich eröffnet, sportlich beginnt sie am Dienstag mit dem Super-G der Damen. Eine Annäherung an das Wesen von Garmisch-Partenkirchen.

Das Bräustüberl ist ein guter Platz, um sich dem Wesen Garmisch-Partenkirchens anzunähern. Seit 350 Jahren gibt es das Wirtshaus, und seit einigen Jahrzehnten schmücken Toni und Luki, beide jenseits der 70, bisweilen den Stammtisch im sogenannten Bierstüberl, einem uralten, von Lüftl-Malereien verzierten Gewölbe. Sie sind Garmischer, aber Luki hat nicht wenige Jahre seines Lebens auch drüben verbracht in Partenkirchen, also östlich der Partnach, die die Grenze markiert zwischen den beiden früher eigenständigen Märkten, die 1935, ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen, auf Druck der Nationalsozialisten zusammengelegt worden waren.

Die beiden Oberbayern Toni und Luki, die mit ihren Hüten und Strickjacken aussehen, wie richtige Oberbayern auszusehen pflegen, und die einem die Ehre geben, mit ihnen am Stammtisch sitzen zu dürfen, freuen sich auf die Ski-WM, die zweite in Garmisch-Partenkirchen nach 1978. Sie sind sportbegeistert, und Luki war selbst aktiv, aber nicht als Skirennfahrer, sondern als Naturbahnrodler. Als solcher mischte er auch bei Welt- und Europameisterschaften mit.

Rund 26.000 Menschen bewohnen Garmisch-Partenkirchen, die Marktgemeinde im Werdenfelser Land am Fuße der Zugspitze, des höchsten Bergs Deutschlands, dem gerade einmal 38 Meter auf einen Dreitausender fehlen. Und die Rivalität zwischen den Ortsteilen, sagt Toni, solle man nicht so ernst nehmen. Obwohl es immer noch alles doppelt gibt und das auch in Zukunft so bleiben wird, den Trachten- oder den Schützenverein, die katholische Pfarre, den Skiclub und die anderen Sportvereine oder das Bauerntheater.

Anlässlich der alpinen Ski-WM, die heute, Montag, im Skisprung-Stadion feierlich eröffnet wird, wobei die Steirerin Elisabeth Görgl gemeinsam mit dem Komponisten Christian Geisler das WM-Lied You're the Hero singt, wird das Gemeinsame betont. Schließlich ist der Sport, der Tourismus, ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor im Ort. Obwohl auf drei Einwohner nur ein Gästebett kommt. Und natürlich gibt es zwei Maskottchen. Es sind die Schneebälle Ga und Pa. Das Mädchen Ga trägt die rote Haube des Skiclubs Garmisch, der Bub Pa die blaue Haube des Skiclubs Partenkirchen.

Allgegenwärtig im Ort sind Maria Riesch und Felix Neureuther, sie lachen von Plakaten und aus Schaufenstern. Die Garmischer Zollwachtmeisterin und der Partenkirchner Zollwachtmeister, die beide für den Skiclub Partenkirchen fahren, spitzen auf Heimsiege. Und sie unterstützen natürlich die Olympiabewerbung von München, Königssee und Garmisch-Partenkirchen für 2018.

Über Heimsiege würden sich Toni und Luki freuen. Der Olympiakandidatur stehen sie reserviert gegenüber. Der Sport interessiere sie ja, aber sie befürchten, dass man dann viel zubetoniert im Tal und viel Natur für immer verschwinden wird, sie befürchten den Ausverkauf. Die diesbezügliche Stimmung im Ort sei unterschiedlich. "Die einen sehen es so, die anderen so." Wobei diese Grenze nicht entlang der Partnach verläuft. 59 Bauern haben kürzlich erklärt, dass sie ihre Wiesen ganz sicher nicht verpachten werden, auf dass darauf ein Olympisches Dorf entstehe. Wie auch immer, die Winterspiele 2018 werden heuer im Juli vergeben.

Da wird Sylvester, der Wirt, der sich wie Gerhard, der im Alpenraum wohl bekannte Lüftl-Maler, der auch im Bierstüberl restaurationstechnisch Hand anlegte, zum Stammtisch gesellt, längst in Pension sein. Sylvester, der ehemalige Eishockeyverteidiger beim SC Riessersee (Garmisch) und der deutschen Nationalmannschaft, Olympiateilnehmer 1964 in Innsbruck, wollte eigentlich schon vorher aufhören, doch die Ski-WM nimmt er noch mit, im April ist dann Schluss. Und fürs Braustüberl, dem die Brauerei übrigens schon in den 1970er-Jahren abhanden gekommen ist, werde sich hoffentlich ein neuer Wirt finden, der die Tradition weiterführt. (Benno Zelsacher aus Garmisch-Partenkirche, DER STANDARD Printausgabe 07.02.2011)

  • Das Schneeball-Mädchen Ga trägt die Haube des SC Garmisch, der 
Schneeball-Bub Pa, no na, die des SC Partenkirchen
    foto: epa/kneffel

    Das Schneeball-Mädchen Ga trägt die Haube des SC Garmisch, der Schneeball-Bub Pa, no na, die des SC Partenkirchen

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