Ziviler Einsatz für militärische Einheiten

6. Februar 2011, 17:45
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Als Bedrohung gelten Hochwasser, Seuchen, Terror und die Cyber-Kriminalität

Linz - Bei Katastrophen ist die Rolle des österreichischen Bundesheeres unbestritten - im Falle eines Krieges oder Bürgerkrieges in der Nachbarschaft glaubt allerdings ein Viertel der Österreicherinnen und Österreicher, dass das Heer keine weiteren Vorbereitungen braucht. Denn kriegerische Ereignisse in der österreichischen Nachbarschaft halten die Österreicher erstens für wenig wahrscheinlich - und zweitens glauben sie mehrheitlich, dass unser Land im Falle eines Falles recht gut geschützt wäre.

Den schlechtesten Schutz erwarten sich die Österreicher im Falle von Atomkatastrophen in Nachbarländern: 25 Prozent meinen, dass unser Land da gar keine Vorkehrungen getroffen hätte, weitere 38 Prozent nehmen allenfalls mangelhafte Vorkehrungen wahr. Könnte oder sollte das Bundesheer da mehr tun? 34 Prozent befürworten das - 14 Prozent sagen allerdings, dass das Heer gegen diese Gefahr eher abrüsten sollte.
Am meisten zusätzlichen Einsatz erwarten sich die Österreicher gegen Terroranschläge auf Versorgungseinrichtungen und auf Städte - knapp gefolgt von der Eindämmung von Hochwässern und von Flüchtlingswellen. Bevor das Market-Institut fragte, wo man das Bundesheer einsetzen sollte, fragte es zu denselben Themen, ob Österreich da gut vorbereitet wäre.

Hochwasserschutz

Hochwässer gelten als die am besten abgesicherte Gefahr - 24 Prozent sehen unser Land gut für solche Ereignisse vorbereitet, 62 Prozent sehen eine immerhin gute Vorbereitung. Hochwasser-Ereignisse zählen auch zu den am häufigsten genannten Einsatzgebieten, in denen sich das Bundesheer laut Umfrage stärker engagieren sollte. Befürworter eines Berufsheers sind tendenziell noch stärker für einen Ausbau der Heereskapazitäten beim Hochwasserschutz als die Anhänger des derzeitigen Wehrpflichtigensystems.

Jeder dritte Wahlberechtigte erwartet sich mehr Engagement des Militärs im Bereich der Computersicherheit (Stichwort: Cyber-War), besonders SPÖ-Anhänger wollen da mehr militärischen Schutz. Die österreichischen Computernetze sind nach Einschätzung der Befragten insgesamt nur ungenügend gegen Angriffe geschützt: 20 Prozent nehmen überhaupt keine staatlichen Vorkehrungen wahr, 41 Prozent sehen die staatlichen Vorkehrungen als mangelhaft an - nur 33 Prozent halten sie für gut, sechs Prozent für sehr gut. Eine besonders starke Rolle des Heeres im möglichen Cyber-War sehen übrigens die Sozialdemokraten.

Friedenssicherung

Und wie sieht es mit militärischen Kernaufgaben aus? 38 Prozent wollen eine stärkere Rolle des Bundesheeres bei möglichen Angriffen auf EU-Außengrenzen, 34 Prozent wollen mehr Engagement bei der Luftraumsicherung (sprich: Eurofighter-Einsatz), und jeder vierte Befragte wünscht sich einen stärkeren Einsatz des Bundesheeres bei der Friedenssicherung außerhalb der EU. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 7.2.2011)

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