Pleite in China macht Kovats neuen Druck

6. Februar 2011, 17:49
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Ein chinesisches Joint-Venture geht Pleite, sein Masseverwalter klagt die früher daran beteiligte ATB, die zum angeschlagenen A-Tec-Konzern gehört

Wien - Die (noch) von Mirko Kovats kontrollierte A-Tec ist mit neuen Schwierigkeiten konfrontiert. Der Masseverwalter einer früheren chinesischen Beteiligung klagt eine Tochtergesellschaft den zum Konzern gehörenden Elektromotorenhersteller ATB auf umgerechnet 15 Millionen Euro. Sollte die Forderung anerkannt werden, könnte das die ohnehin gezeichnete Gesellschaft in zusätzliche Nöte bringen, meinen Insider.

Kapitaleinschüsse eingefordert

Eingehandelt hat sich die Gruppe die Probleme mit der Sub-Provinz Dalian im Nordosten der Volksrepublik, nachdem ATB aus dem dortigen Gemeinschaftsunternehmen ausgeschieden war und 2008 die Liquidation beantragt hatte. Ein Jahr später schlitterte das Unternehmen namens BCW Electric Motor in die Pleite. Der Masseverwalter will nun von ATB zugesagte Kapitaleinschüsse einfordern. Laut Klagsschrift, die dem STANDARD vorliegt, hat die Stadtregierung ihre Verpflichtungen erfüllt, ATB blieb sie großteils schuldig. In der Eingabe wird betont, dass das chinesische Insolvenzrecht die Einforderung zugesagter Kapitalmaßnahmen vorsieht. Einer entsprechenden Aufforderung vom 19. November 2010 sei die Gruppe aber nicht nachgekommen. Zudem soll es um Ansprüche der Arbeiter und der Lieferanten gehen.

A-Tec bestreitet die Forderungen dem Grunde und der Höhe nach. Überdies macht sie aufrechenbare Ansprüche an BCW geltend. "Aufgrund der mit dem chinesischen Recht verbundenen Unsicherheit" wurde dennoch eine Rückstellung im Volumen von 8,5 Mio. Euro gebildet. Eingebracht wurde die Klage übrigens gegen die ATB-Mehrheitsbeteiligung Lindeteves-Jacoberg in Singapur, über die das China-Engagement lief. Für die börsenotierte Gesellschaft in Singapur soll es eine Garantie der ATB in Spielberg geben. Firmenchef Christian Schmidt spricht von einer alten Causa mit allerdings frischen Klage. Inhaltlich will er die Berechtigung der Forderung nicht kommentieren, spricht sich aber für eine außergerichtliche Einigung mit den Chinesen aus.

Tochter-Schulden-Swap

Mit Lindeteves war im Sommer 2010 eine ungewöhnliche Konstruktion über die Bühne gegangen: ATB kaufte der Zwei-Drittel-Beteiligung drei Tochtergesellschaften ab, die Singapur-Beteiligung erhielt im Gegenzug Kreditforderungen von 115 Mio. Euro. Damit sei Lindeteves-Jacoberg "fast vollständig entschuldet" worden, hieß es damals.

Der 4000 Leute beschäftigende Teilkonzern der A-Tec schrieb im ersten Halbjahr 2010 trotz Konjunkturaufschwungs in der Industrie einen im Vorjahresvergleich um ein Drittel reduzierten Verlust von 4,2 Mio. Euro, auch nach neun Monaten war das Ergebnis negativ. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.2.2011)

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    Anruf aus China: Der Masseverwalter eines Pleite gegangenen früheren Jointventure will Geld von Kovats A-Tec-Konzern.

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