Kämpfe an Grenze zu Thailand halten an

6. Februar 2011, 18:08
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Trotz Waffenruhe im Streit um Tempel - Mindestens fünf Menschen getötet - Medien schreiben von Dutzenden Toten

Phnom Penh - In der Grenzregion zwischen Thailand und Kambodscha haben sich Soldaten beider Länder das Wochenende über schwere Gefechte geliefert. Trotz einer am Samstag vereinbarten Waffenruhe gingen die Kämpfe am Sonntag weiter, wie die Armeen beider Ländern bestätigten. Bei den Auseinandersetzungen mit bislang mindestens fünf Toten seit Freitag geht es um den Tempel Preah Vihear, den sowohl Kambodscha als auch Thailand für sich beanspruchen.

"Wir kämpfen jetzt, sie haben angefangen, auf uns zu schießen", sagte ein kambodschanischer Kommandant am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Dagegen sagte ein Sprecher der thailändischen Armee, Kambodscha sei für die neue Gewalt verantwortlich. Die Gegenseite habe geschossen. Berichte über Tote oder Verletzte bei den neuen Kämpfen gebe es nicht.

Die Grenzgefechte hatten am Freitag begonnen, insgesamt wurden seitdem mindestens fünf Menschen getötet. Am Samstag hatten sich beide Seiten zunächst auf eine Waffenruhe geeinigt. Es waren die schwersten Gefechte seit mehr als zwei Jahren. 

Die Medien in Thailand und Kambodscha veranschlagten die Opferzahlen auf der jeweils anderen Seite deutlich höher. In thailändischen Zeitungen war von 64 getöteten Soldaten aus Kambodscha die Rede, die kambodschanischen Medien sprachen von 30 getöteten thailändischen Soldaten. Auf beiden Seiten der Grenze wurden teils ganze Dörfer evakuiert. Allein auf thailändischer Seite flüchteten etwa 8000 Bewohner. Am Sonntag seien die ersten aber zurückgekehrt, erklärte der Gouverneur der Grenzprovinz Sri Sa Ket, Somsak Suwansujarit.

Der Tempel Preah Vihear sorgt seit Jahrzehnten für Spannungen zwischen Phnom Penh und Bangkok. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag entschied 1962, dass die Ruinen von Preah Vihear zu Kambodscha gehören. Der Haupteingang des Tempels liegt aber auf thailändischem Gebiet. Im Juli 2008 verschärfte sich die Lage, nachdem die UNESCO zum Ärger thailändischer Nationalisten den Tempel als kambodschanisches Gebäude auf die Weltkulturerbe-Liste aufnahm.

 

Das kambodschanische Außenministerium wandte sich am Samstag schriftlich an den UN-Sicherheitsrat, um dessen "Aufmerksamkeit auf die explosive Lage an der Grenze zu lenken". Die USA und Frankreich riefen beide Seiten zur Zurückhaltung auf. (APA)

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    Kambodschanische Soldaten im Tempel von Preah Vihear.

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