"...sonst schick ich euch den Darabos"

6. Februar 2011, 12:13
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Über Ägyptenreisende und einen Ex-Finanzminister, der sich "zu gut" für dieses Land wähnt

In einer Sache wirken sich die Ereignisse in Ägypten auf Österreich aus. Die Diskussion in den Blogs, auf Twitter oder Facebook verlagerte sich, Innenpoltik war in der vergangenen Woche (die so innenpolitisch ereignislos ja nicht war) nur ein untergeordnetes Thema.

Dennoch, was die letzten Wochen galt, gilt auch diese Woche. Man redet über einen ehemaligen Finanzminister. Hannes Androsch ist trotz medialer Präsenz rund um sein Bildungsvolksbegehren nicht gemeint. Ein wirkliche Diskussion darüber kam bislang nicht auf. "Das Gute am -Volksbegehren: Das Bildungsthema bleibt in der Medienlandschaft präsent", schreibt @maldungi.

Zu gut für dieses Land

Vor allem der Auftritt des ehemaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser in der ORF-Diskussionssendung "Im Zentrum" echauffierte. Grasser verlas einen Fan-Brief. Kurzfassung: KHG ist zu gut, zu intelligent, zu schön für dieses Land. "Warum hab ich das damals verpasst?:D" fragt sich @TwiMika. Die "Gebrüder Moped" (@gebmoped) nahmen den Auftritt, vertonten und schnitten ihn zurecht. Das Ergebnis macht im Internet als "Mein Brief (Hip Hop Edition)" die Runde:

 

 

Grasser ruft nun den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof an. Mittlerweile hat sich auf Facebook der "Karl-Heinz Grasser Solidaritäts- und Verteidigungsfonds" formiert. Dort heißt es: "Wir sammeln für die Unterstützung der Verteidigung (...) bei allen möglichen Instanzen, sowie dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte." Immerhin, so ein Gang zum EGMR ist lang.

WKR-Ball/Nachwehen

Für Diskussionen sorgte auch der Ball des Wiener Korporationsrings (WKR-Ball), die dazugehörigen Gegendemonstrationen und das massive Polizeiaufkommen. Einer der Diskussionpunkte war die Organisation und Kommunikation zwischen den Demonstrationsteilnehmern. So schreibt Iga-Maria Zakrezweska auf dem Polit-Blog "zurpolitik.com" in ihrem Bericht: "Plötzlicher Informationsstopp führt zu Verwirrung, Verwirrung zu Verunsicherung, Verunsicherung zu Wartezeiten – und Wartezeiten dazu, dass sich Einzelne und schließlich ganze Gruppen abspalten und nach Hause gehen."

Darabos vorm Hohen Haus

Das bestimmende Thema der innenpolitische Auseinandersetzung war jedoch das Bundesheer. Auch der dazugehörige Minister bekam sein Fett ab. Die Wortwahl aus der ÖVP in Richtung Darabos wurde härter, die Oppositionsparteien forderten den Rücktritt. Der grüne Nationalratsabgeordnete Peter Pilz berichtete sowohl am Donnerstag als auch am Freitag stetig auf seinem Facebook-Profil: "Jetzt antwortet Darabos. Links neben ihm sitzen fünf Glieder der SPÖ. Zwanzig Meter weiter rechts ganz außen sitzt als einziger Vertreter der ÖVP Staatssekretär Lopatka. Größer kann die Distanz zwischen zwei Regierungsparteien nicht sein."

"Republik Schweden“

Für Kritik sorgte im Zuge der Nationalratsdebatte Norbert Darabos' Äußerung über das neutrale  Schweden. Er machte das Land schlicht zur "Republik Schweden". "Na da kennt sich ja wer super aus", lästerte @rupprECHT. Wenn das der schwedische König wüsste, dass im fernen Österreich ein Minister ihn des Amtes beraubt. Hoffentlich reichen 55.000 Soldaten für diese Fehde. Ob dieser Faux-pas am Rande diplomatische Schwierigkeiten nach sich zog, ist nicht bekannt. Darum kann sich dann das Außenministerium kümmern, welches übrigens unter @minoritenplatz8 seit neuestem auch auf twitter zu finden ist.

"...sonst schick ich euch den Darabos"

Dort ist man derzeit mit Ägypten beschäftigt: "Rückholaktion verbleibender österreichischer Touristen aus #Aegypten (ca. 500) soll bis voraussichtlich Sonntag abgeschlossen werden können", hieß es am Freitag. Gleichzeitig traten diese Woche noch immer Urlauber ihre Ferien nach Ägypten an. Paradox irgendwie. Auch im derStandard.at-Forum wurde darüber diskutiert:  "ja hab ich mir auch überlegt... da braucht man eigentlich nur den hinflug buchen.. das muss doch billiger sein...der staat holt einen eh wieder zurück", so random25. "Wie kann man da jetzt noch in den Urlaub fliegen? Dieses Land steht vor dem Abgrund", schreibt Crusader.

Ein Fake-Account, der unter dem Namen von Bundeskanzler Werner Faymann twittert, schreibt: "Ägypten: Jetzt hörts auf und dialogierts friedlich, sonst schick ich euch den Darabos." Eine andere Sendung erreichte Ägypten 2002, so @HansArsenovic: "Die Panzer in Kairo sind M60 A3Ö woher das Ö? Richtig! 2002 standen sie noch in Zwölfaxing und wurden um 31 Mio. € an Ägypten verkauft :-(" Wieder einmal was zu gut für dieses Land. (Sebastian Pumberger, derStandard.at, 6.2.2011)

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