Deutscher Innenminister: Internet alle zwei Sekunden angegriffen

5. Februar 2011, 09:47
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Nicht ausgeschlossen, dass Land durch Angriff aus dem Internet lahmgelegt werden könnte

Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere hat vor massiven Cyber-Angriffen im Internet gewarnt. Ungefähr alle zwei bis drei Sekunden gebe es einen Angriff auf das deutsche Internet, von "Privaten, von Staaten, vom wem auch immer", sagte de Maiziere der Zeitung "Die Welt" vom Samstag. Das deutsche Regierungsnetz werde etwa vier bis fünf Mal täglich angegriffen. "Dabei gehen wir, ohne es sicher beweisen zu können, von der Beteiligung von Nachrichtendiensten anderer Länder aus", sagte der Minister. Er will am Samstag erstmals ausführlich über das Thema "Cyber-War" auf der Sicherheitskonferenz in München sprechen.

Deutschland lahmlegen

De Maiziere schloss nicht aus, dass ganz Deutschland durch einen Angriff aus dem Internet lahmgelegt werden könnte. Dies war 2007 in Estland der Fall, wo Banken, Ministerien und Sicherheitsbehörden tagelang nicht arbeitsfähig waren. Auf die Frage "Kann das auch in Deutschland passieren?", antwortete der Minister: "Völlig ausschließen lässt sich so etwas nie. Das Internet ist inzwischen eine kritische Infrastruktur geworden. Das heißt, es muss wie Strom und Wasser immer verfügbar sein."

Cyber-Abwehrzentrum geplant

Der deutsche Innenminister plant dem Zeitungsbericht zufolge zum Schutz vor solchen Angriffen ein Nationales Cyber-Abwehrzentrum. Dort sollen unter der Federführung des deutschen Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) der Verfassungsschutz, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie weitere Behörden tätig werden. "Dazu kommen Vertreter von Schlüsselbereichen, in denen das Internet funktionieren muss, damit wir arbeiten, wirtschaften und leben können: beispielsweise die Zuständigen für die Sicherheit des Zahlungsverkehrs. Auch eine Schnittstelle zur Wirtschaft sollte es geben, um sich über Cyber-Angriffe auszutauschen", sagte de Maiziere der "Welt".

Nachholbedarf

De Maiziere unterstrich, dass die Wirtschaft noch Nachholbedarf beim Schutz vor Cyber-Attacken habe. "Was die Wirtschaft angeht, ist die Lage sehr unterschiedlich: Einige Unternehmen schützen sich vorbildlich, andere hingegen sind höchst leichtfertig", sagte der Minister. Eine umfassende Cyber-Sicherheitsstrategie, zu der das Abwehrzentrum gehören soll, stimmt de Maiziere derzeit demnach mit den anderen Regierungsressorts ab. In der "Welt" kündigte er an, dass er die Strategie demnächst dem Kabinett vorlegen werde. (APA/AFP)

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