Neuer und Dortmund halten Dortmund

4. Februar 2011, 22:28
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BVB blieb im Heimderby gegen chancenlose Schalker torlos - Der Meister in spe scheiterte an der eigenen Unfähigkeit und Manuel Neuer

Windiges Regenwetter, 9 Grad Celsius und der ausverkaufte Signal Iduna-Park boten dem 137. Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 ein ideales Umfeld für ein episches Spektakel. Die Ausgangslage hätte für diese Begegnung in der 21. deutschen Bundesligarunde nicht ungleicher sein können. Der BVB ging als Meister in spe in die Partie, Schalke konnte zwar den Horrorsaisonstart hinter sich lassen, ist aber immer noch näher am Abstiegsplatz als einem Europapokalstart - zudem gab es unter der Woche heftige Fankritik an Felix Magath.

80.720 Zuseher sahen die Borussen von Beginn weg in ihrem 4-2-3-1 wirbeln. Schon in der dritten Minute ließ Schalke (4-4-2) Götze völlig allein vor Torhüter Neuer. Es erwies sich als ebenso erfolgreiche Überraschungstaktik wie zwei Minuten später bei Blaszczkowski und nochmal so viel später bei einem Seitfallzieher von Hummels. Alle drei scheiterten. Nach zehn Minuten hätte der BVB 3:0 führen können - vielleicht sogar müssen.

Das Selbstvertrauen sprudelte förmlich aus den Gelben, während die Knappen keine fünf Pässe in Folge zustande brachten. Das war kein Spiel zwischen zwei Mannschaften derselben Spielklasse. Dortmund hatte in der Anfangsviertelstunde 67 Prozent Ballbesitz, kam im Zwei-Minutentakt vor das Tor, einzig der Ball wollte nicht dort unterkommen.

Der einsame Würdige

Einzig Manuel Neuer zeigte sich auf Gästeseite würdig, ein Bundesligatrikot zu tragen. Der Schalker Keeper verhinderte in der 20. Minute gegen Blaszczykowski den nächsten Treffer. Der Dortmunder war kurz zuvor Opfer eines ersten Frustfouls von Schmitz geworden, der ihn in die Bande gecheckt hatte. Die verdiente Gelbe sah der Bösewicht erst 25 Minuten später bei einem zweiten Vergehen mit ähnlicher Motivation.

Die erste Schalker „Chance" ergab sich nach 23 Minuten eher zufällig, als eine Flanke von Kluge zwar Freund und Feind verpassten aber eben auch das Tor nur knapp. Quasi im Gegenzug verfehlte Barrios eine Flanke des starken Blaszczykowski um Haaresbreite. In der 28. Minute vergab Innenverteitiger Hummels seine zweite Torchance - die Schalker Verteidigung verweigerte seiner Existenz bei einer Freistoßflanke einfach die Anerkennung.

In der 31. Minute sah man Hoffnung in Felix Magaths Gesicht. Seine Mannschaft hatte den ersten Eckball zu verzeichnen. Doch die Ausführung sollte nur ein Zeugnis der blauen Harmlosigkeit werden. Zumindest schien dank der Dortmunder Gnädigkeit nun klar, dass der Bundesliga-Rekordsieg von 7:0 (1966) nicht erreicht werden würde. Barrios schenkte in der 35. Schalke die nächste Verlängerung der Lebenslinie. Stümperhaft vergab er die Topvorlage, die ihm der überragende Götze gegeben hatte. 80.720 Zuseher im Stadion wussten nicht wie, doch Schalke rettete sich in die Pause.

Ausgeglichenerer Neustart

Die Königsblauen kamen aggressiver aus der Kabine. Mit dem Wind im Rücken und angepeitscht von der lautstarken Fanminderheit schienen sie dem Spiel besser gewachsen. Ein schrecklicher Metzelder-Fehler in der Vorwärtsbewegung machte die „Mühen" in der 51. aber beinahe zunichte, doch Barrios verfehlte das Tor ein weiteres Mal. Eben der setzte nach einem perfekt gespielten Dortmunder Angriff über rechts den Ball vier Minuten später an die Stange. Im Gegenzug knallte Farfan einen Sitzer aus kurzer Distanz über das Tor - die erste nennenswerte Möglichkeit der Schalker nach nicht ganz einer Stunde.

Das Lachen im Gesicht von Dortmund-Trainer Klopp nahm etwas unsicherere Züge an. Auch Bender konnte den Coach nicht erlösen, als er es nach einem Konter per Halbvolley vom Sechzehner versuchte (65.). Nur Sekunden später hatte Großkreutz Glück, dass Schiedsrichter Weiner seinen Ellbogeneinsatz gegen Uchida nur als gelbwürdig interpretierte. Dortmund drohte den Faden zu verlieren, Unruhe machte sich im Stadion bemerkbar. Klopp brachte Lewandowski für Großkreutz um hinter Barrios zu spielen.

Ein Ende wie der Anfang

Auftritt Weidenfellner. Raul, der viele Defensivaufgaben erledigte, spielte in einem hellen Moment in der 77. einen Freistoß schnell in den Strafraum ab, Jurado (kurz darauf gegen Junmin ausgewechselt) tauchte allein vorm gelben Schlussmann auf, doch der verhinderte per Fußparade den Dortmunder Albtraum. Im Gegenzug rettete auch Neuer mit perfekter Antizipation 30 Meter vor dem Tor gegen den allein anlaufenden Lewandowski.

In der 85. Minute spitzte sich das Spiel auf eine Traumaktion des arsenalesken Dortmunds zu. Superheber von Lewandowski in den Strafraum, der perfekt gestartete Götze ließ Neuer hinter sich, schoss an den beiden auf die Linie geeilten Schalkern vorbei und traf ... die Stange. 180 Sekunden später verzichtete Barrios auf einen weiteren Treffer.

Es blieb beim 0:0 und damit dem 24. Bundesliga-Unentschieden im Revierderby (bei je 27 Siegen). Dortmunds fahrlässige Chancenverwertung und Manuel Neuer kosteten Dortmund zwei Punkte und geben der Konkurrenz die Chance ein paar Brösel aufzuholen. Leverkusen wäre mit einem Sieg in Nürnberg immerhin eine nur noch einstellige Punktzahl (9) zurück. (tsc, derStandard.at, 4.2.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die sich wiederholende Szene des Spiels

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