Merkels "Mister Europa" macht Karriere

4. Februar 2011, 21:06
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Uwe Corsepius (50) wird Generalsekretär des EU-Rates

In den vergangenen Jahren gingen über seinen Schreibtisch alle EU-Pläne der deutschen Kanzlerin Angela Merkel - und das waren nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise nicht wenige. Der gebürtige Berliner Uwe Corsepius ist so etwas wie der "Mister Europa" Merkels.

Seit Anfang 2006 leitete er die Europaabteilung im deutschen Kanzleramt, Mitte des Jahres übernimmt er nun den Posten des Generalsekretärs des Rates der EU.

Merkels Vertrauensmann koordiniert also künftig alle EU-Themen, mit denen sich die Regierungschefs und Minister beschäftigen, er ist der höchste Beamte im Team des ständigen Ratspräsidenten Herman Van Rompuy. Dieser Punkt, nämlich die Sicherung von Einfluss im EU-Beamtenapparat, dürfte auch ein zentrales Motiv Merkels gewesen sein, warum sie den 50-jährigen Wirtschaftswissenschafter 2009 als Nachfolger des Franzosen Pierre de Boissieu ins Spiel brachte.

Als Partei-Apparatschik gilt Corsepius aber keinesfalls. Im Gegenteil: Zwar startete er seine Karriere in den 1990er-Jahren unter dem konservativen Bundeskanzler Helmut Kohl, nach einem Wechsel zum Internationalen Währungsfonds im Jahr 1992 wollte aber auch SPD-Kanzler Gerhard Schröder nicht auf die Expertise des schlaksigen Deutschen verzichten. Schröder machte ihn zu seinem EU-Wirtschaftsexperten.

Dass Corsepius nun den nächsten Schritt auf der Karriereleiter machen kann, hat wohl auch mit der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2007 zu tun. Damals stand es mit der Umsetzung einer europäischen Verfassung Spitz auf Knopf. Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden waren zuvor negativ ausgegangen.

Während der deutschen Präsidentschaft konnte dann doch noch der neue Lissabonner Vertrag gerettet werden - in Brüsseler Kreisen wird das unter anderem auch Corsepius zugeschrieben. Dem Mann, der von sich selbst einmal sagte, "kein Visionär" zu sein, wird neben Verhandlungsgeschick aber auch beschieden, eine schroffe, teils aufbrausende Art zu haben - auch gegenüber hochrangigen Politikern. Diese Eigenschaften äußerten sich bisher aber höchstens intern, nach außen trat Corsepius in der Vergangenheit kaum auf. Künftig wird sich das vielleicht etwas ändern: Immerhin unterstehen ihm im Justus-Lipsius-Gebäude in Brüssel rund 3000 Beamte aus 27 Ländern. (Günther Oswald/DER STANDARD, Printausgabe, 5.2.2011)

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