Dichtung und Wunderkinder

4. Februar 2011, 19:09
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Wir bewegen uns auf dünnem Eis. Das wird nirgendwo so deutlich wie in der Beschäftigung mit den Folgen der Finanzkrise.

"Geithner zu US-Wachstum: Es ist aber kein Boom" titelten wir Ende Jänner. Ein aufschlussreicher Titel für jene, die Geithner kennen. Sage aber niemand, man könne das voraussetzen, jeder wisse, dass Timothy Geithner Finanzminister der USA ist. Das ist nicht einmal in der Redaktion so klar. Tage später tauchte er im Blatt als Wirtschaftsminister auf. Dieses Amt, eigentlich firmiert es unter dem Namen Handelsminister, bekleidet aber Gary Locke.

In Sachen Währungssicherheit ließen wir auch die deutsche Kanzlerin zu Wort kommen. Dass sie in der von uns zitierten Erklärung etwas unbestimmt blieb, verpackten wir in den Satz: "Angela Merkel ging in ihrer Rede nicht direkt ein". Das ist wahr, die Last die sie schultert ist groß, aber sie knickt nicht ein, eher geht sie über ein Problem hinweg.

Klartext wurde in einem Gastbeitrag geredet: für die Eurozone seien Länder wie Griechenland die Achillesverse. In Versen schreiben wir nur ganz selten, Antonio Fian tut es heute auf dieser Seite, sein Beitrag ist in Hexametern gehalten.

Und, es konnte nicht ausbleiben, wenn wir uns mit Geldfragen auseinandersetzen, es wurde wieder gerechnet. Wir stellten die Idee eines Solidarbeitrages vor, den Akademiker zur Finanzierung der Universitäten leisten könnten: 20 Euro monatlich sollten die rund 450.000 Hochschulabsolventen springen lassen, das würde 108 Millionen Euro pro Jahr und Person ergeben. Da wären wir eine Sorge los, aber es geht sich nicht aus, pro Person verdienen die meisten Akademiker in ihrem ganzen Berufsleben nicht so viel.

Man darf auf Besserung hoffen, wir schrieben auch: "Jeder zehnte Hochschüler studiert mit Kind". Wenn der Nachwuchs also von klein auf mitstudiert, können wir die Bildungsmisere demnächst wohl als beendet betrachten.

Das müssten Wunderkinder sein? Den Weg zu solchen wiesen wir im Beitrag über die vielen Möglichkeiten, die ein Kreuzfahrtschiff bietet: "Kinder können Sie im Laden selbst fabrizieren." Das war kein guter Rat, das ist ein diesbezüglich ungünstiger Ort und gemeint waren überhaupt Kinder, die selbst backen. (Otto Ranftl/Leserbeauftragter/DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.2.2011)

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