Öko-Desaster in Zeitlupe

4. Februar 2011, 19:12
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Vogel-Ausrottung führte zu Spätfolgen für Biodiversität

Washington - Ob es nun Ratten waren oder Wiesel oder beide zusammen, lässt sich nicht mehr so genau sagen. Jedenfalls rotteten die von den Einwanderern nach Neuseeland mitgebrachten Tiere zwei Arten von Honigfressern aus. Das geschah um 1870 im Norden der Nordinsel. Nun, 140 Jahre später, zeigen sich die Folgen des Vogelsterbens für die Biodiversität.

Insbesondere ein rund zwei Meter hoher formschöner Strauch namens Rhabdothamnus solandri (eine Art aus der Gattung der Gesneriengewächse namens Rhabdothamnus solandri) leidet seither beträchtlich darunter, dass der Tui (eine nur auf Neuseeland heimische Art der Honigfresser) und der Maori-Glockenhonigfresser als Bestäuber verschwunden sind. Das zeigten Vergleiche der Strauchvorkommen auf der Nordinsel mit jenen auf kleinen Inseln vor der Küste, wo alle drei Vogelarten noch vorhanden sind.

So produzieren die Sträucher auf der Nordinsel 84 Prozent weniger Samen und 55 Prozent weniger Jungpflanzen als die gut bestäubten Sträucher auf den kleineren Inseln mit der intakten Vogelpopulation, berichten neuseeländische Biologen in der aktuellen Ausgabe von "Science" (online).

"Die Pflanze ist in Gefahr" , sagt David Kelly von der neuseeländischen Uni Canterbury und Ko-Autor der Studie: Seit 140 Jahren werde sie nicht mehr richtig bestäubt und deshalb werde sie langsam weniger und weniger. "Es ist ein Desaster in Zeitlupe."

Die neue Untersuchung ist einer der ersten handfesten Beweis für die enorm langfristigen Auswirkungen, die das Aussterben von Vögeln auf die Pflanzenwelt hat. Und gerade in Neuseeland sind weitere Kollateralschäden zu befürchten. Dort verschwanden in vergleichsweise kurzer Zeit 49 Prozent aller Vogelarten. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 5./6. 2. 2011)

  • Maori-Glockenhonigfresser bei der Bestäubung. Fehlen die Vögel, leiden 
die Pflanzen ...
    foto: abe borker

    Maori-Glockenhonigfresser bei der Bestäubung. Fehlen die Vögel, leiden die Pflanzen ...

  • ... Rhabdothamnus solandri muss die Folgen ausbaden.
    foto: dave kelly, university of canterbury

    ... Rhabdothamnus solandri muss die Folgen ausbaden.

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