Leider nicht angetroffen

4. Februar 2011, 18:22
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Die Lüge "Wir haben Sie leider nicht zu Hause angetroffen" wird in Wien schätzometrisch ein paar Dutzend Mal täglich eingesetzt

Einer Wirtschaftsmeldung zufolge wird die österreichische Post mit dem Beginn der Liberalisierung auf den zu erwartenden verstärkten Wettbewerb reagieren: "Künftig sollen die Postzusteller acht statt wie bisher sechs Stunden unterwegs sein, auch bei minus 20 Grad, hieß es aus gut informierten Kreisen. Die Sortierung der Postsendungen solle dann durch neue Arbeitskräfte erfolgen." (APA). Auf gewerkschaftliche Maßnahmen bereitet man sich in diesem Zusammenhang vor, heißt es dazu weiter.

Die Frage, die als Kunde der Post zu stellen wäre, lautet: Werden die Zusteller dann künftig unter dem neuen Konkurrenzdruck gewisse Postsendungen tatsächlich an der Wohnungstür abgeben, statt einfach den gelben Zettel mit der Botschaft "Wir haben Sie leider nicht zu Hause angetroffen" in den Briefkasten zu schmeißen?

Die Erfahrung lehrt, dass die Zusteller auch dann, wenn garantiert jemand zu Hause ist, sich den Weg zur Haustür sparen und dafür den Postempfänger mit dem gelben Zettel zum nächsten Postamt schicken (wo man dann unter Umständen erfährt, dass das Poststück schon wieder zurück nach Übersee unterwegs ist). Die Lüge "Wir haben Sie leider nicht zu Hause angetroffen" wird in Wien schätzometrisch ein paar Dutzend Mal täglich eingesetzt.

Vielleicht sollte man hier ansetzen, statt mit der Zustellung bei minus 20 Grad (wann hat es die schon?) anzugeben. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.2.2011)

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