Krankheiten großteils vermeidbar

4. Februar 2011, 18:18
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Hauptsächlich "umweltreaktive" Probleme - Stationen in Wien werden ausgebaut

Wien - Nur ein Drittel aller jungen Patienten, die auf einer Wiener Kinder- und Jugendpsychiatrieabteilung behandelt werden, leidet an "klassischen" psychiatrischen Erkrankungen wie Schizophrenie oder einer Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADS). Zwei Drittel kommen mit sogenannten umweltreaktiven Erkrankungen zu den Ärzten, großteils von ihren schwierigen Elternhäusern geprägt. Daher müsse man deutlich mehr in Prävention investieren und vor allem mehr mit den Schulärzten zusammenarbeiten, sagt Ralf Gössler, Abteilungsvorstand der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Neurologischen Zentrum Rosenhügel. 5000 Patientenkontakte gibt es dort pro Jahr, dazu kommt etwa die gleiche Zahl am AKH. Der Ausbau solch spezialisierter Abteilungen - ein lange vernachlässigtes Thema - wird mit dem Krankenhaus Nord fortgesetzt, dann soll es in Wien etwa 100 entsprechende Betten geben.

Nur in Ausnahmefällen, sagt Gössler, müsse man derzeit Kinder und Jugendliche kurzfristig auf andere psychiatrische Stationen überweisen. Der Wiener Jugendanwalt Anton Schmid hält es dennoch für "beschämend für unseren Sozialstaat, dass suizidgefährdete Jugendliche auf einer Erwachsenenstation betreut werden müssen". Er reagiert damit auf einen Bericht der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, in dem es heißt: "Um diese Biografien müssen wir uns kümmern und möglichst frühzeitig und gezielt Hilfe anbieten." Ein "soziales Frühwarn- und Hilfesystem für Familien in Risikokonstellationen" könne die Kriminalitätsrate, aber auch den Nachhilfebedarf deutlich reduzieren.

Im niedergelassenen Bereich gibt es derzeit keinen einzigen Kassenarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wien. Ärztekammer und Wiener Gebietskrankenkasse haben im vergangenen Herbst ein Prozedere festgelegt, um das zu ändern; schon 2011 soll eine Kostenrückerstattung möglich sein. 2012 könnte es dann erste Kassenstellen geben. (Andrea Heigl, DER STANDARD Printausgabe, 05.02.2011)

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