Langzeitfolgen der Eurobonds

4. Februar 2011, 18:13
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Würden Investoren für Eurobonds niedrigere Zinsen verlangen, als für den Durchschnitt nationaler Anleihen?

Als Ausweg aus der Eurokrise wurden in jüngster Zeit die Schaffung verschiedener Formen von gemeinsamen europäischen Anleihen vorgeschlagen. Die Anhänger dieser Eurobonds betonen vor allem, dass für Staaten die Kosten der Geldaufnahme geringer werden könnten. Aber das scheint Wunschdenken zu sein.

Um zu sehen, warum, müssen die Langzeitfolgen, die Eurobonds mit sich bringen, bedacht werden. Würden Investoren für Eurobonds niedrigere Zinsen verlangen, als für den Durchschnitt nationaler Anleihen?

Die Befürworter argumentieren, dass europäische Anleihen einen größeren und deswegen liquideren Markt schaffen würden. Aber dieser Vorteil hätte nur begrenzte Auswirkungen von ein paar Zehntel Basispunkten, höchstens. Die Zinsrate für ähnliche hochwertige Staatsanleihen - aus Deutschland oder Österreich etwa - unterscheiden sich auch nur um diesen Betrag.

Ein anderer angeblicher Vorteil soll die Streuung von Risiken sein. Durch die Ausgabe gemeinsamer Anleihen würden die Refinanzierungskosten sinken, weil das Ausfallsrisiko im Vergleich zu den nationalen Anleihen geringer wäre.

Aber dieses Argument kann gegenwärtig nicht standhalten. Die Risikoaufschläge in der Eurozone sind derzeit weit gestreut. Sie tendieren gegen null in den Kernstaaten und sind hoch in der Peripherie. Daher wären die Vorteile für die gesamte Eurozone wohl vernachlässigbar. Was die Schuldenstaaten durch niedrigere Zinskosten gewinnen, würde durch die Verluste, die bei den Gläubigerstaaten entstehen, wettgemacht.

Aber Griechenland, Irland, Portugal und Spanien stehen vor sehr realen Problemen. Jetzt, wo der Konsum- und Bauboom in diesen Ländern abrupt endete, scheint für sie eine lange Periode schwachen Wachstums unvermeidlich. An den Kapitalmärkten müssen sie höhere Zinsen zahlen, was ihre Schulden nach oben treibt, während ihre Fähigkeit, sie zu bedienen, abnimmt. Niedrigere Zinssätze wären also essenziell für diese Länder.

Aber es ist sogar unwahrscheinlich, dass Eurobonds dieses Ziel erreichen würden. So verschieden die Vorschläge für Eurobonds auch sein mögen, weisen sie doch zwei Gemeinsamkeiten auf: Eurozonen-Länder sollen Anleihen begeben können, die von allen Staaten gemeinsam garantiert werden. Zweitens hätten die Käufer von Eurobonds ein Recht auf bevorzugte Befriedigung ihrer Ansprüche.

Dieser zweite Punkt ist entscheidend. In der Praxis hieße das, dass Griechenland, wenn es eines Tages - nachdem Eurobonds begeben wurden - eine Umschuldung vornehmen muss, die Käufer europäischer Anleihen voll befriedigen würde, während private Gläubiger die vollen Verluste tragen. Private Anleihen würden also an Wert verlieren und Staaten müssten für Zugang zum privaten Kreditmarkt mehr bezahlen.

Nur wenn Staaten bereit wären, ihre gesamte Geldaufnahme über Eurobonds abzuwickeln, könnten sie also einen kleinen Kostenvorteil für ihren Schuldendienst lukrieren. (© Project Syndicate. Übersetzung: A. Szigetvari; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.2.2011)

DANIEL GROS ist Direktor des Centre for European Policy Studies.

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