"Hindenburg": Viel heiße Luft

4. Februar 2011, 17:49
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Als Produkt der Krise geht die Hindenburg Sonntag in die Luft und Montag in Flammen auf - Stoff, aus dem kalkulierte Erfolge im globalen TV gemacht sind

Man nehme: ein historisch bekanntes Ereignis, möglichst katastrophalen Ausmaßes; eine romantische, lang durch widrige Umstände verhinderte Liebe im Stil von Dutzenden Telenovelas. Nicht fehlen dürfen des weiteren Verfolgungsjagden (Action!), Verschwörungen (Bombe!), namhafte Besetzung (Heiner Lauterbach!) und ein gigantisches Setting: Der Stoff, aus dem kalkulierte Erfolge im globalen Fernsehmarkt gemacht sind.

Möglichst alle Zielgruppen wollen RTL und ORF Sonntag und Montag mit exakt diesen Ingredienzien im Zweiteiler Die Hindenburg (20.15) begeistern. Mit zehn Millionen Euro reiht sich das Spektakel in die teuersten TV-Produktionen Europas ein. Möglich ist das, weil die Sender während der Finanzkrise näher zusammenrückten und auf internationale Koproduktionen setzten. Die Ergebnisse dieser Strategie sind sichtbar: Neben Deutschland und Österreich trug Kanada zum Gelingen der bombastischen Luftschifffahrt bei.

"Eurosauce"

Die Lust aufs Kooperieren bleibt auch nach dem Ende der Finanzkrise bestehen, prophezeit ORF-Serienchefin Andrea Bogad-Radatz: "Internationale Koproduktionen wird es weiterhin verstärkt geben, weil die Partner aufgrund guter und erfolgreicher Zusammenarbeit daran Gefallen gefunden haben." Im November reicht der ORF Renaissanceintrigen in Borgias nach. Zwölf Folgen kosteten 25 Millionen Euro. Frankreich, Deutschland, Italien und Österreich sind an Bord. Auch im Herbst kommt Moby Dick von Herbert Kloibers Tele München. 2012 warten Ken Folletts Tore der Welt und Pompeji. Als Gegenleistung für das (meist überschaubare) finanzielle Engagement des ORF kommen heimische Akteure und Drehorte unter.

"Eurosauce" drohe so, fürchten Kritiker. Ein Vorwurf der bei Bogad-Radatz nicht greift: "Die Hindenburg wirkt von der Erzählweise sogar sehr europäisch."

In US-amerikanischen Dimensionen gerechnet, mutet die Eurogigantomanie dennoch mickrig an: Zehn Stunden von Spielbergs Schlachtenserie The Pacific kosteten HBO 150 Millionen Euro. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 5./6.2.2011)

  • Das Publikum bekommt im Zweiteiler "Hindenburg" eine historisch nicht belegte "Bombenstory".
    foto: orf

    Das Publikum bekommt im Zweiteiler "Hindenburg" eine historisch nicht belegte "Bombenstory".

  • Jennifer van Zandt (Lauren Lee Smith vermisst Fritz Rittenberg, der sie auf der Reise mit der Hindenburg begleiten sollte.
    foto: orf/rtl

    Jennifer van Zandt (Lauren Lee Smith vermisst Fritz Rittenberg, der sie auf der Reise mit der Hindenburg begleiten sollte.

  • Kapitän Pruss (Jürgen Schornagel)
    foto: orf/rtl

    Kapitän Pruss (Jürgen Schornagel)

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