Schweden lieben "ihre" Prinzessin

4. Februar 2011, 17:09
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Warum Victoria adoriert und Monarchie abgelehnt wird

Stockholm - Das Verhältnis der Schweden zu ihren Monarchen ist seit langem nicht frei von Widersprüchen. Beim Thema Königshaus drücken die so egalitär und demokratisch gesonnenen Bürger gern ein Auge zu.

Das erfuhr anlässlich der Hochzeit von Kronprinzessin Victoria auch die Kirche: Sie hatte Victorias Wunsch bemängelt, nicht, wie im Musterland der Gleichstellung üblich, mit ihrem Zukünftigen zum Altar zu schreiten, sondern sich vom Vater führen zu lassen. 70 Prozent rieten der Prinzessin, ihren Willen durchzusetzen.

Nach diversen royalen Skandalen, zuletzt veröffentlicht in einem Buch über die sexuellen Ausschweifungen von König Carl Gustaf, macht sich schwedische Liebe zum Königshaus vorrangig an der Kronprinzessin fest. "Victoria ist enorm populär, sie ist nett und freundlich", sagt Mona Broshammar, Generalsekretärin der Republikanischen Vereinigung in Schweden. "Die Debatte über eine künftige Staatsform sollte aber nicht von der Nettigkeit einer Person ausgehen." Die Monarchie sei altmodisch und undemokratisch, kritisieren die Republikaner.

Das Gros der Schweden stimmt ihnen zu: 48 Prozent halten laut einer Umfrage Demokratie und Monarchie für unvereinbar, knapp 28 Prozent wollen sie ausdrücklich abschaffen.

Die Republikaner vermissen eine seriöse Diskussion über demokratische Alternativen, das stelle die Schweden vor ein Dilemma, sagt Broshammar: "Man weiß, was man jetzt hat - aber nicht, was man stattdessen bekommt." (ren/DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.2.2011)

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