ElBaradei: "Ich bin ein Makler des Wechsels in Ägypten"

4. Februar 2011, 19:26
  • Anmerkung der Redaktion zu den widersprüchlichen Meldungen über eine mögliche Präsidentschaftskandidatur ElBaradeis:

    Das Interview mit Mohamed ElBaradei wurde Freitag nachmittag unter ziemlich widrigen Umständen und in großer Eile geführt. Als die erste Fassung dann über internationale Nachrichtenagenturen verbreitet wurde, fragte Al Jazeera noch einmal bei ihm nach, ob er wirklich nicht bei Präsidentschaftswahlen kandidieren würde, und ElBaradei sagte: "If the Egyptian people want me to continue the change process, I will not disappoint the Egyptian people." Und DER STANDARD wurde danach auch gebeten, das Interview in diesem Sinne zu korrigieren.

Friedensnobelpreisträger im STANDARD-Interview: "Würdiger Abgang für Mubarak"

Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei spricht sich in einem Telefonat aus Kairo mit Gudrun Harrer dafür aus, Hosni Mubarak einen würdigen Abgang zu sichern. Erst nach dessen Rücktritt wird die Frage gelöst werden, wer den Übergang managen soll.

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STANDARD: Auch wenn die Frage total unjournalistisch ist: Wie geht es Ihnen und Ihrer Frau?

ElBaradei: Es geht uns persönlich gut. Es geht alles sehr langsam, aber wir sehen, dass es ja doch in die richtige Richtung geht. Worauf wir warten, ist, dass Mubarak endlich dem ägyptischen Volk zuhört und versteht, was es ihm immer wieder laut und deutlich sagt: Du hast deine Legitimität verloren, du musst abtreten.

STANDARD: Wie sehen Sie, wie das Regime und seine Vertreter in den letzten Tagen agieren?

ElBaradei: Sie kämpfen noch immer um ihr Überleben. Sie versprechen eine Verfassungsänderung - wobei es natürlich nicht genug wäre, wenn dann ein paar ausgesuchte Leute zu Präsidentschaftswahlen antreten können. Dann versichern sie, dass Gamal Mubarak nicht kommt, dann dass sie eine Überwachung der Wahlen akzeptieren würden. Es geht stückweise.

STANDARD: Aber alles das würde eben nicht bedeuten, dass das Regime effektiv weg ist.

ElBaradei: Ja, und vor allem ist da der totale Mangel an Vertrauen bei der Gegenseite. Außerdem spricht das Regime auch noch nicht einmal eine ganze Reihe anderer sehr wichtiger Themen an: wie zum Beispiel eine Veränderung bei der Zulassung von Parteien. Oder dass der seit dreißig Jahren herrschende Ausnahmezustand aufgehoben werden muss. Aber vor allem muss eben Mubarak gehen.

STANDARD: Im Interview mit ABC hat es sich nicht so angehört, als ob Mubarak das auch nur ansatzweise einsehen würde.

ElBaradei: Wenn er bereit ist zu gehen, würden wir für einen würdigen Abgang Sorge tragen. Das lässt sich arrangieren. Er hat viele schlechte Dinge getan, aber er hat auch gute Dinge getan für dieses Land, so wie jeder Mensch Gutes und Schlechtes tut. Er sollte in Würde abtreten können.

STANDARD: Die US-Idee ist, dass er seinem Vizepräsidenten Omar Suleiman das Amt überträgt, werden das die Menschen akzeptieren?

ElBaradei: Viele junge Demonstranten sehen in ihm nur eine Verlängerung von Mubaraks Arm, es gibt große Opposition gegen ihn. Aber ich glaube, alle diese Fragen können gelöst werden, wenn Mubarak nur zurücktritt.

STANDARD: Nach einer Verfassungsänderung: Werden Sie zu Präsidentschaftswahlen antreten?

ElBaradei: Ich bin ein Makler des Wechsels in Ägypten. Wenn er käme, hätte ich meine Pflicht getan. Ich stehe über den Parteien, das gibt mir mehr Flexibilität, mich klar auszudrücken. Natürlich möchte ich auch in der Zukunft eingebunden sein. Wer bei den Wahlen antritt, ist im Moment wirklich nicht so wichtig. Aber wenn es die Leute so wollen, würde ich selbstverständlich zur Verfügung stehen.

STANDARD: Aber Sie werden im Namen der Opposition mit der anderen Seite verhandeln?

ElBaradei: Es wird nicht viel zu verhandeln geben, wenn das Regime begriffen haben wird, was ein echter Wandel und was Demokratie ist. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.2.2011)

Mohamed Elbaradei, Ägyptischer Jurist und ehemaliger Diplomat, 1997 -2009 Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien, als solcher Friedensnobelpreisträger 2005.

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na hoffentlich wird er nicht zum steigbuegelhalter der muslimbruderschaft.

noch 3 stunden bis zur ausgangssperre

angeblich soll die armee heute bei verstößen härter durchgreifen!

Aus welcher Ölquelle ist diese Nachricht gesprudelt? ;-)

der "anschlag" auf die pipeline ist angeblich ein unfall/techniches gebrechen sein

Eben: nicht jedes "Loch im Orient" ist gleich eine Attentatsfolge.

Außerdem befindet sich das Leck in der Pipeline für Jordanien und nicht für's "Heilige Land".

Was tun die "Wir-ham's-ja-gleich-g'wusst,- das-wird-a- Chaos"-Sager also jetzt?

ein zeichen gottes?

Saudi-Arabien: nächster Kandidat...

In Saudi Arabien gehts auch bald los. Dann gibt Krieg...

Nahost-Experte Scholl-Latour warnt vor Ausweitung der Unruhen in Nordafrika und Krieg in Saudi-Arabien. "Sollte es in Saudi-Arabien zum Aufstand der frommen Muslime gegen die in Saus und Braus lebenden Herrscher kommen, halte ich ein militärisches Eingreifen der USA für möglich."

http://www.mmnews.de/index.php... en-aufruhr

Die US Army

würde dann aber wahrscheilich nur die Ölfelder und Ölverladehäfen besetzen. Die Städte sind uninteressant.

Kommentar aus dem link Aron Sperber weiter unten
http://www.achgut.com/dadgdx/in... nt/0019851
Meister des Doppelsprech :
http://de.wikipedia.org/wiki/Taqiyya

DIE TODESSTRAFE GEHÖRT W E L T W E I T ABGESCHAFFT !

Falls es die in Ägypten noch gibt, sollten die Architekten einer neuen Verfassung auch gleich die Todesstrafe abschaffen.

Wo ist AMNESTY INTERNATIONAL?

sehr interessantes video, eines freigelassenen häftlings, army steht auch neben ihm
http://www.youtube.com/watch?v=r... r_embedded

auf "cc" klicken um englische untertitel zu bekommen

Kleiner Scherz

Baradei ist eins schlauer Fuchs. Erst lässt er sich einfliegen und arrestieren und macht sich bei den Ägyptern beleibter und bekannter als er bisher war. Dann schlägt er immer forschere Töne an und bietet sich als Interimspräsident an. Schließlich wird er das Militär hinter sich bringen und zum neuen Pharao des Nils werden

Ich denke,

nicht jedem Menschen wohnt ein kleiner diktator inne, der nur daruf wartet, losgelassen zu werde. Mubarak gehörte zur Generalität, ist also Soldat, Baradei ist Diplomat, Golfspieler, Opernliebhaber...ich denke, er wäre auf jedem Fall einem Militär vorzuziehen.

alja

Our correspondent in Alexandria says the mood there is reminiscent of "some kind of hangover" today with quiet streets a day after hundreds of thousands took to the streets, calling on President Mubarak to step down.

Some people are scratching their heads, wondering what more they need to do to make it clear to the president that they don't want him.

meine freunde in aegypten meinten, sie koennten baradei oder wie der typ heisst (kommentar wortwoertlich uebernommen) nicht mehr hoeren - wer gab ihm die berechtigung fuer das ganze volk zu sprechen? es sei seine meinung aber nicht die meinung der aegypter. hat dort keinen leichten stand - sowas wie der "prophet zaehlt nichts im eigenen land" oder so - aber als prophet wuerde ich elbaradei auch nicht bezeichnen....

kann das vielleicht auch am propaganda-tv in ägypten liegen. ich hab gehört, dass er im fernsehen "vorgestellt" wurde, mit natürlich ganz tollen bilder. bei einigen meiner bekannte hat es auf alle fälle ganz wurderbar geklappt. die möchten auch nicht mehr al jazeera anmachen. weil ihnen gesagt wurde, dass die ausländischen sender alles falsch darstellen, weil sie dem land schaden möchten. die leute am tahreer platz wurden im ägyptschen tv auch gezeigt, und als extremisten präsentiert. die opposition wird versucht ganz falsch dar zu stellen. muslim brüder=extremisten. el baradei mit wein vor ihm usw.

ist doch schön "Demokratische Meinungsfreiheit" erleben zu dürfen ...

... ich bewundere den Fleiß der Standard-Zensoren - ihre Finger schmerzen sicher schon vom oftmaligen betätigen der Delete-Taste

schöne grüße an das Wahrheitsministerium .........

Habens schon wieder was gepostet was dem Meinungsdiktat widerspricht?
Geringe Abweichungen und unglaubwuerdige Verschwoerungstheorien sind erwuenscht um den Anschein zu waren.

Orwells 1984 lässt grüßen

Sehr gut, dass das auch jemanden anderen auffällt.

unglaublich, dass es noch immer leute gibt die den begriff "meinungsfreiheit" nicht verstanden haben.

herrlich, wenn das nicht so todesernst wäre!

http://www.spiegel.de/fotostrec... 16-11.html

Vorübergehend kann es für die Muslimbruderschaft praktisch sein, Mohammed ElBaradei als zivilisiertes Gesicht für eine islamistische Machtübernahme zu nützen.

Sobald sie ihre Macht gefestigt haben, werden die Islamisten den Demokraten ElBaradei bald wieder entsorgen.

http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/01/3... derschaft/

Denn Ziel der Muslimbruderschaft ist es nicht, eine Demokratie zu errichten, sondern einen islamistischen Gottesstaat.

und nochwas, die kommende generation braucht auch keine parteipolitischen ideologen wie sie.

menschen wie sie, menschen wie die mullahs, menschen wie mubarak, menschen wie bush....., wie faymann, wie pröll.......

alle müssen auf der müllhaufen der geschichte, damit die welt eine bessere wird..

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