Keine verbindlichen Energieeffizienzziele

4. Februar 2011, 16:57
4 Postings

2015 soll es innerhalb der EU keine Energie-Inseln mehr geben. Die Märkte müssen grenzüberschreitend verbunden werden

Brüssel - Die Weichen für Energiesicherheit sind innerhalb der EU bis 2015 gestellt. Ein lückenloses Gas- und Stromnetz soll entstehen. Im Jahr 2015 sollte kein EU-Land mehr von der Energieversorgung abgekoppelt sein.

Faymann gegen Atomenergie

Differenzen gab es auf dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am Freitag in Brüssel bei der Bewertung der Atomenergie. Während Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) betonte, es dürfe sich im Rahmen der Förderung erneuerbarerer Energien "nicht die Atomenergie hineinschmuggeln", waren Deutschland und Tschechien anderer Meinung.

Der tschechische Ministerpräsident Petr Necas ist für eine Renaissance der Nuklearenergie. Die EU solle zwar weiter in erneuerbare Energiequellen investieren, aber auch CO2-arme Technologien fördern. Faymann verwies darauf, dass nur erneuerbare Energien wie Wasser, Wind oder Solarkraft nachhaltig und sicher seien, nicht aber die Atomenergie. Necas hält es für unumgänglich, Nuklearenergie zu nutzen, um die Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren, das dürfe man im Kampf gegen den Klimawandel nicht ignorieren.

Energieeffizienzziele unverbindlich

Beim Ziel der Energieeffizienz, wo es die 20-Prozent-Ziffer bis 2020 gibt, scheint sich derzeit eine Größenordnung von maximal 14 Prozent abzuzeichnen. Auf verbindliche Energieeffizienzziele einigten sich die Staats- und Regierungschefs nicht.

Weitere Zielsetzungen

Bis 2014 will die EU einen gemeinsamen Binnenmarkt im Bereich Energie haben. Bis dahin sollen einheitliche Netzwerk-Codes geschaffen werden und alle technischen Hürden abgebaut sein, "um Gas und Elektrizität frei innerhalb der EU fließen zu lassen". Bis Ende 2011 sollen technische Standards für Ladesysteme für Elektrofahrzeuge und bis Ende 2012 einheitliche technische Standards für "intelligente Netze" ("smart grids") und Zähler geschaffen werden.

Die Energieinfrastruktur für diese Vorhaben zu modernisieren und zu erweitern dürfte schwierig werden. Es fehlen Pipelines, Übertragungsleitungen und Speicher, außerdem müssen Märkte grenzüberschreitend verbunden werden. "Kein EU-Mitgliedsland soll nach 2015 von den europäischen Gas- und Stromnetzen abgekoppelt oder mit dem Problem konfrontiert sein, dass seine Energieversorgungssicherheit durch einen Mangel an geeigneter Vernetzung gefährdet ist". Einige EU-Staaten dürften es aber nicht rechtzeitig schaffen, die notwendigen Leitungen für die Energiesicherheit nach 2015 rechtzeitig zu bauen.

Finanzierung durch Verbraucher

Der Großteil der Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen müsse vom Markt aufgebracht werden. Die Verbraucher müssen sich also auf höhere Tarife einstellen. Eine europaweit einheitliche Förderung für den Ausbau von Energie aus Sonne, Wind und Strom ist in der EU aber kein Thema mehr. Bis 2011 soll die Kommission den EU-Staaten den tatsächlichen Investitionsbedarf präsentieren. Die EU-Kommission schätzt den gesamten Investitionsbedarf in Energienetze auf etwa 200 Milliarden Euro bis 2020 und auf rund 1.000 Milliarden Euro im gesamten Energiebereich. (APA/red)

Share if you care.