"Der erste Eindruck hat keine zweite Chance"

4. Februar 2011, 16:56
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Nuancierte Spielregeln, feine Reglements von Stil und Etikette entscheiden - Ratgeber von Maria Prinzessin von Sachsen-Altenburg

Gute Manieren zählen heute zu den wichtigsten Faktoren; im Geschäftsleben wie auch privat. Tagtäglich kommunizieren wir mit anderen Menschen, oft unterschiedlichen Kulturkreisen entstammend. Man begegnet Nachbarn im Stiegenhaus, Bekannten auf der Straße, Geschäftspartnern, Kunden und Lieferanten auf Veranstaltungen, im Büro. Vorgesetzte und Kollegen absolvieren oft gemeinsame Termine, die über das rein Geschäftliche hinausgehen.

All diese Begegnungen hinterlassen Eindrücke. Ein Mensch mit guten Umgangsformen ragt dabei aus der Menge heraus, fällt positiv auf. Er geht auf sein Gegenüber ein, hört genau zu, nimmt Rücksicht. Sowohl der Habitus als auch das soziale Verhalten eines Menschen können Türen öffnen oder verschließen. Gerade deshalb messen zunehmend mehr Personalchefs bei der Auswahl von Mitarbeitern diesen Attributen erhöhte Bedeutung bei. Die exzellente fachliche Kompetenz eines Bewerbers wird ohnehin vorausgesetzt.

Welt der Manieren zwischen Sein und Schein

Anhand selbst erlebter Geschichten und Anekdoten entschlüsselt Maria Prinzessin von Sachsen-Altenburg, diplomierte Betriebswirtin und Personalberaterin, unseren Verhaltenskodex und verdeutlicht die Welt der Manieren zwischen Sein und Schein, im Hier und Jetzt. Dabei gibt sie ein schier unerschöpfliches Wissen zu Stil und Etikette in jeder Lebenslage preis: Auftreten und Kleiderfragen, Salonfähigkeit und Tischkultur, Smalltalk und Kommunikation im digitalen Zeitalter, Fehltritte in der Öffentlichkeit oder im Konferenzzimmer. Wie kann man Unsicherheiten galant überspielen, schwierige Situationen souverän meistern? Wie schafft man den Spagat zwischen menschlicher Nähe und vornehmer Distanz, Korrektheit und gesundem Menschenverstand? Woran erkennt man eine sogenannte "gute Kinderstube" ?

Ohne erhobenen Zeigefinger, in charmantem Plauderton, weist die sowohl als Personalberaterin als auch als Trainerin für "stilsicheres Verhalten" Tätige auf den Umstand hin, dass in Zeiten wachsender Anforderungen, global egalisierter Ausbildung und steigenden Leistungsdrucks Faktoren wie Benimm und Auftreten sowohl für den Karriereweg als auch im privaten Umfeld entscheidend sind.

Emotionale, soziale Kompetenz

Als wesentlich erachtet die Autorin, die sich nebst ihrer Profession auch für sozial benachteiligte Kinder engagiert, ebenso Zivilcourage und emotionale, soziale Kompetenz. "Für mich hat die Vornehmheit eines Menschen mit Herzensgüte, Verständnis, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft zu tun, mit der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und die Werte, von denen man überzeugt ist, zu leben. Stil hat, wer in schwierigen Situationen Courage beweist, zu seinen Werten und Aufgaben steht, einen Schwächeren beschützt und Menschen mit Achtung und Respekt begegnet."

Auf der Suche nach dem Warum des allgemein zu konstatierenden Verfalls der Etikette sinniert sie: "durch den materiellen Überfluss oder das sich immer schneller drehende Rad der Globalisierung der Märkte? (...) durch die Übersättigung der Gesellschaft und die damit einhergehende Gleichgültigkeit dem Nächsten gegenüber (...) aus der auch ein Mangel an Mitgefühl und Rücksicht resultiert? (...) Stress am Arbeitsplatz oder der immer breiter werdende Spalt zwischen Arm und Reich (...)"

Code

Jede Kultur, jede Gesellschaft hat eigene Richtlinien, mit denen sie bestimmte Erwartungen stellt. Manchmal wirken sie wie ein Code, eine Geheimsprache. Es gelingt daher nicht immer, dieses komplizierte Regelwerk zu durchschauen und sich angemessen zu verhalten. Oft sind es die beinahe unsichtbaren Feinheiten, die den Unterschied zwischen guten Umgangsformen und auswendig gelernten Vorschriften ausmachen.

Wesentliche Conclusio: Über Manieren verfügt nicht derjenige, der zwar mit dem Essbesteck umzugehen weiß, gleichzeitig aber das Servicepersonal schikaniert, nicht jener, der eine Konversation virtuos zu führen vermag, aber einen Untergebenen von oben herab behandelt. Wesentlich sei für den "feinen Unterschied" Etikette als Selbstverständlichkeit und Bedürfnis; beim interaktiven Umgang im Alltag, bei familiärem Speisen am Küchentisch gleichermaßen wie bei Geschäftsessen und Galadiners, unabhängig von sozialer Abstammung oder finanziellen Verhältnissen. Sachsen-Altenburg apostrophiert dies als "Adel der Seele". (Gregor Auenhammer/DER STANDARD; Printausgabe, 5./6.2.2011)

Buch

Maria Prinzessin von Sachsen-Altenburg: "Der feine Unterschied: Erfolg durch sicheres Benehmen in allen Lebenslagen" . € 19,30 / 316 Seiten. Goldegg Verlag, Wien 2010

  • Wer einmal falsch abbiegt, kommt schwer wieder auf den richtigen Weg.
    foto: photodisc

    Wer einmal falsch abbiegt, kommt schwer wieder auf den richtigen Weg.

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