Würdige Clique

4. Februar 2011, 18:10
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Die Clique Alter Meister lieferte in New York eine würdige Bilanz: rund 150 Millionen Dollar nach zwei Auktionstagen

Exakt 12,58 Millionen Dollar (netto) hatte das Getty Museum (Los Angeles) über Londoner Kunsthändler im Dezember 1991 für Tizians Venus und Adonis bei Christie's springen lassen. Knapp 20 Jahre hielt dieser Zuschlagsrekord für den Künstler, und dann war er bei Sotheby's in New York am 27. Jänner nach wenigen Minuten Geschichte. Der Grund misst rund 128 mal 170 cm, datiert in das Jahr 1560, heißt Sacra Conversazione und zeigt die Madonna mit dem Jesuknaben in würdiger Gesellschaft des heiligen Lukas und Katharinas von Alexandrien.

Mehrfigurige Tizians zählen zu Raritäten, weshalb Experten ihre Erwartungen mit bis zu 20 Millionen Dollar bezifferten. Am Ende fiel der Hammer bereits bei 15 Millionen Dollar (brutto 16,88 Mio. Dollar), die ein europäischer Privatsammler spendierte. Zuvor gehörte das Werk zur Sammlung des deutschen Industriellen Heinz Kister, dessen Sohn den Erlös nun in ein Kunstzentrum investiert.

Neue Rekordmarken

Vergleichsweise besser lief es für eine Küstenansicht von Claude-Joseph Vernet, für die Kunstberaterin Carol Strone wohl das Budget ihres Kunden ausreizte und entgegen der angesetzten Taxe (1,5-2 Mio. Dollar) etwas mehr als sieben Millionen Dollar bewilligte. Allein in der Liste der zehn höchsten Zuschläge des Abends durfte Sotheby's sieben neue Rekordmarken notieren (insgesamt 16), etwa für Joachim Wtewaels Adam und Eva, das mit 6,24 Millionen Dollar mehr als das Siebenfache der Erwartungen erzielte, oder auch für eine Volksfestszene Pieter Brueghels des Jüngeren (4,56 Millionen Dollar). Die erste Zwischenbilanz belief sich auf 90,62 Millionen Dollar. Anderntags verteilte man Themenverwandtes in drei kleineren Sitzungen - darunter Perino del Vagas Jupiter und Juno, das Coverlot aus der Sektion Altmeisterzeichnungen, das für 782.500 Dollar in die Sammlung des Metropolitan Museum wechselte - und stockte das Wochentotal auf eindrucksvolle 112,5 Millionen Dollar auf.

Einen Bruchteil dessen hatte Kontrahent Christie's am 26. Jänner in zwei Sitzungen eingesammelt. Entgegen den stets exklusive Aufgelds kalkulierten Mindesterwartungen von 39,5 Millionen Dollar addierten sich exakt 210 Zuschläge nur auf 36,67 Millionen inklusive. Etwaigen Mangel an Arbeiten Alter Meister kompensiert man hier seit einigen Monaten mit Protagonisten des 19. Jahrhunderts, eine Zusammenlegung, die Kenner des Marktes monieren.

Den höchsten Wert bewilligte ein anonymer Bieter mit etwas mehr als vier Millionen Dollar für Luca Carlevarijs Ansicht des Hafens von Venedig. Immerhin waren die siegreichen 962.500 Dollar für ein von Joseph Wright of Derby gemaltes Repräsentationsporträt einen Eintrag in die Christie's-Chronik wert - der zweithöchste jemals von einem Online-Bieter deponierte Betrag. (kron, DER STANDARD - Printausgabe, 5./6. Februar 2011)

 

  • Ambrosius Bosschaerts Blumenstillleben erzielte 1,42 Mio. Dollar.
    foto: christie's

    Ambrosius Bosschaerts Blumenstillleben erzielte 1,42 Mio. Dollar.

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