Warum das rechte Nasenloch nie verstopft sein sollte

4. Februar 2011, 17:01
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Forscher führten Experiment zum Orientierungsvermögen von Vögeln durch

Radolfzell - In den letzten Jahren gab es zahlreiche Forschungsprojekte zum Magnetsinn von Vögeln, der ihnen beim Navigieren auf langen Strecken hilft. Ebenfalls von entscheidender Bedeutung und auf kürzeren Strecken sogar wichtiger ist jedoch der Geruchssinn. Brieftauben etwa sind in der Lage, sich Düfte der Umgebung, die der Wind in ihren Taubenschlag trägt, in der Jugend einzuprägen und sich eine Art Duftlandkarte der Umgebung anzulegen.

Allerdings können Tauben offenbar nicht gleichermaßen gut über beide Nasenöffnungen Gerüche wahrnehmen: Genau wie wir Menschen riechen sie besser mit dem rechten Nasenloch. Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell hat gemeinsam mit Anna Gagliardo von der Universität Pisa an 31 Brieftauben untersucht, welchen Einfluss es auf die Orientierung von Tauben hat, wenn die Vögel nicht mehr mit dem rechten Nasenloch riechen können. Dazu verschlossen die Forscher einer Gruppe in der Nähe von Pisa Hand-aufgezogener Tauben das linke Nasenloch, einer weiteren Gruppe das rechte. Nachdem sie auf dem Rücken der Tauben kleine GPS-Sender befestigt hatten, wurden die Vögel etwa 40 Kilometer vom Heimatort entfernt in der Nähe des toskanischen Städtchens Cigoli freigelassen.

Die Wissenschafter beobachteten anhand der gewonnenen GPS-Daten, dass die Tauben mit einem verstopften rechten Nasenloch verschlungenere Wege flogen. Sie rasteten häufiger und verbrachten mehr Zeit damit, die Umgebung ihrer Rastplätze zu untersuchen als die Vögel, die durch das rechte Nasenloch atmen konnten. "Wir nehmen an, dass sie pausieren mussten, um zusätzliche Informationen über ihre Umgebung zu gewinnen, da sie sich nicht am Geruch orientieren konnten", sagt Anna Gagliardo. "Dieses Verhalten bestätigt nicht nur, dass in der Wahrnehmung und Verarbeitung von Gerüchen ein Ungleichgewicht zwischen linker und rechter Seite besteht. Anscheinend spielen Gerüche, die auf das rechte Nasenloch treffen und die in der linken Gehirnhälfte verarbeitet werden, eine besondere Rolle bei der Navigation." Wie das Vogelhirn bestimmte Sinneswahrnehmungen verarbeitet und worin die Ursache für dieses Ungleichgewicht in der Geruchswahrnehmung liegt, wissen die Forscher dagegen noch nicht. (red)

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    Freie Atemwege für freien Flug! Auf dem Schnabel dieser Taube sitzt übrigens kein Pfropf, es handelt sich um durch Zuchtwahl verstärkte Warzenbildung auf der Wachshaut.

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