Deutscher Goldman Sachs-Chef fordert Umschuldung Athens

4. Februar 2011, 13:00
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"Zu viele unterschiedliche Konzepte"

Berlin - Der Deutschland-Chef der US-Großbank Goldman Sachs hat sich eindringlich für eine Umschuldung Griechenlands ausgesprochen. "Zu einer Insolvenz Griechenlands darf es nicht kommen. Deshalb wird es eine Umschuldung oder eine Sanierung der griechischen Schuldenlast geben müssen. Daran wird wahrscheinlich kein Weg vorbei führen", sagte Alexander Dibelius der "Bild"-Zeitung. Das Land erwirtschafte zwar nur zwei Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung, trotzdem sei Griechenland zum Symbol für die Euro-Krise geworden. "Es darf nicht dazu führen, dass ein großes Währungssystem scheitert", sagte Dibelius, der für Goldman Sachs auch die Märkte Österreich, Russland, Zentral- und Osteuropa leitet.

Der Investmentbanker schreibe Deutschland eine große Verantwortung bei der Rettung von Griechenland zu. "Wir dürfen nicht vergessen, dass Deutschland vom Euro bis heute immer noch weit mehr profitiert als das, was die Euro-Krise kostet. Die Vorteile sind so gewaltig, dass Deutschland heute so stark dasteht, dass es sich eine Umschuldung Griechenlands theoretisch fast allein leisten könnte." Das wolle natürlich niemand und dazu werde es auch nicht kommen. Für ein gemeinsames Rettungskonzept fordere Dibelius eine "Mischung aus Hilfen, Disziplin und Druck", damit Athen auf den "Pfad der Tugend" zurückfinde.

Kritisch sehe Dibelius die zahlreichen Stabilisierungsvorschläge aus der Politik für den Euro. "Es gibt in den Euro-Ländern und in Brüssel zu viele unterschiedliche Konzepte zur Rettung des Euro. Die Diskussionen und immer neuen Nachrichten verunsichern Kapitalmärkte sowie Investoren und sorgen für Unsicherheit. Das trägt nicht zur Stabilität des Euro bei", der Manager.

Die deutsche Wirtschaft warnte Dibelius vor zu großer Euphorie über den Aufschwung. "Deutschland hat alles richtig gemacht, ist hervorragend durch die Krise gekommen und steht heute so stark da wie schon lange nicht mehr. Ich warne aber vor zu viel Euphorie. Die größte Gefahr für Deutschland ist, dass wir uns selbstzufrieden zurücklehnen." Deutschland stehe im Wettbewerb mit extrem starken Ländern wie China, Indien und Brasilien. Deshalb dürfe das Land nicht nachlassen, sich ständig zu fragen: Wie bleibe die deutsche Wirtschaft weiter stark und was ist zu tun, um weiter besser als die Anderen zu sein. (APA)

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