Spaßig-gehässiges Mitarbeiterfeuern

4. Februar 2011, 13:47
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Schwangere und Menschen mit Behinderung feuern ist Aufgabe in einem Kartenspiel

Wer am meisten Gewerkschafter, Schwangere oder Menschen mit Handicap entlässt, gewinnt. Das ist zumindest die Realität eines Kartenspiels der französischen Firma Arplay, das im Moment in verschiedenen französisch- und deutsch-sprachigen Medien für Aufmerksamkeit sorgt. Der Big Boss lächelt selbstgefällig in Gestalt eines Zigarre rauchenden Schnurrbartträgers von der Verpackung von "Plan Social". Angesichts des Spielziels - ein irreführender Name. Jede Karte stellt einen Mitarbeiter dar, wer als Manager die meisten davon feuert, kriegt die meisten Punkte.

Das Argument, das Spiel erfülle pädagogischen Charakter in Zeiten von Firmenpleiten und Missmanagement scheint schwach, denn die Menschenverachtung, die damit transportiert wird, steht in keinerlei Verhältnis dazu. Freilich, bierernst muss man die Idee ja nicht nehmen, ist ja "nur" ein Spiel. Allerdings hilft auch ein Schuss Ironie - und es müsste schon sehr viel davon sein - wenig, angesichts des Spotts gegenüber den schwächsten Mitarbeitern in Unternehmen.

Bewusste Provokation könnte auch anders aussehen und sollte nicht auf Kosten jener gehen, die es am Jobmarkt sowieso schon unverhältnismäßig schwer haben: behinderte Menschen und (werdende) Mütter. Warum nicht von der anderen Seite ansetzen - mit dem erzieherischen Credo im Hinterkopf - und spekulierende Manager "absägen" oder undurchsichtige Wirtschaftstreibende zur Rechenschaft ziehen? Ist auch eine Spielidee. (Marietta Türk, derStandard.at, 4.2.2011)

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