Stepic: Polbank passt "strategisch perfekt"

4. Februar 2011, 12:46
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RBI-Vorstandschef: Raiffeisen ist in Polen bei Firmenkunden stark, Polbank bringt Privatkunden

Wien - Der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisen Bank International (RBI), Herbert Stepic, hat den Kauf der polnischen Polbank von der griechischen Eurobank EFG am Freitag in einer Telefonkonferenz als "strategisch perfekt" bezeichnet. Damit gelang der RBI nach rund viereinhalb Jahren Durststrecke ein erster Zukauf in ihrer Zieldestination im mittel- und osteuropäischen Raum nach der Finanzkrise. Gemessen an der Bilanzsumme würde sich die Bank auf Basis der Zahlen vom 3. Quartal 2010 vom 12. auf den 6. Platz in Polen schieben.

Bares und Beteiligung

RBI zahlt per Closing des Deals, das für Ende 2011 bzw. Anfang 2012 erwartet wird, für 70 Prozent der polnischen Bank 490 Mio. Euro. Für die restlichen 30 Prozent erhalten die bisherigen griechischen Besitzer eine 13-prozentige Beteiligung an der neu fusionierten Bank aus Polbank und der Raiffeisen Bank Polska (RBPL). Für diesen Anteil könnten die Griechen jederzeit mindestens 175 Mio. Euro verlangen ("Put-Option"). Damit kostet RBI eine Komplettübernahme der Polbank mindestens 665 Mio. Euro.

Die RBI ist in Polen mit ihrer Raiffeisen Bank Polska vertreten, die sich vor allem auf das Firmengeschäft konzentriere, während die Polbank stark im Privatkundengeschäft sei. Aus Sicht von Raiffeisen also eine passende Ergänzung.

Details nach Übernahme

Stepic betonte, dass die Polbank derzeit nur eine Filiale der Eurobank EFG sei und daher zunächst eine eigenständige Rechtspersönlichkeit geschaffen werden müsse. In der künftigen kombinierten Bank dürften sich beide Namen wiederfinden. Details könnten aber erst nach der Übernahme der Polbank durch die RBI veröffentlicht werden.

Die jährlichen Synergieeffekte ab 2013 wurden von RBI-Finanzvorstand Martin Grüll mit rund 60 Mio. Euro beziffert, während die Integrationskosten 2012/13 auf 90 Mio. Euro geschätzt wurden.

Schließungen angekündigt

Die Polbank hat in den ersten neun Monaten 2010 einen Verlust von 26 Mio. Euro erlitten und wies eine Bilanzsumme von 5,5 Mrd. Euro auf. Die Kreditrisikovorsorgen betrugen 72 Mio. Euro. Bis Mitte 2010 habe es einen starken Anstieg des Kreditvolumens auf 5,1 Mrd. Euro gegeben. Allerdings wäre die Entwicklung der Non-performing Loans (NPL) mit 3,3 Prozent im September 2010 deutlich unter dem Marktschnitt von 8,6 Prozent gelegen. Dies führt die RBI auf den hohen Anteil an Hypothekarkrediten zurück.

Die Polbank hatte per Ende September 344 Geschäftsstellen und knapp 2.900 Mitarbeiter. Stepic ging in der Telefonkonferenz von Filialschließungen aus, ohne eine genaue Anzahl zu beziffern. Weitere Synergieeffekte sieht Stepic in den beiden Zentralen der RBPL und der Polbank sowie in der IT. (APA)

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