Sailer-Tribut als Startschuss für "ÖOC-Neu"

4. Februar 2011, 11:41
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Fast 60 Medaillengewinner feierten in Wien - Von Pröll bis Karl - Alle begeistert vom "Schwarzen Blitz"

Wien - An die 60 österreichische Olympia-Medaillengewinner haben am Donnerstagabend dank ÖBB-Sonderzügen den Weg nach Wien gefunden, um dort 55 Jahre nach Toni Sailers drei Goldenen von Cortina dem im Sommer 2009 verstorbenen Jahrhundertsportler zu gedenken. Das Treffen der Asse von Annemarie Moser-Pröll über Olga Pall, Emese Hunyday, Elisabeth Max-Theurer und Ernst Hinterseer bis Benjamin Karl war aber auch ein Startschuss für ein "ÖOC-Neu". Denn das Olympische Komitee will nach den jüngsten Skandalen nun frisch durchstarten.

"Der heutige Abend ist auch ein Neustart für das ÖOC. Und das dank Sailer mit einer Leitfigur, die den österreichischen Sport über viele Jahrzehnte dominant geprägt hat", erklärte ÖOC-Präsident Karl Stoss, warum man möglichst viele ehemalige Medaillengewinner zur Vorführung des Sailer-Filmes "Der schwarze Blitz" und danach zu einem gemütlichen Get-Together geladen hatte. Man werde ab nun verstärkt versuchen, ältere und kompetentere Sportler wieder stark in die Arbeit des ÖOC einzubinden, sagte Stoss, der Leo Wallner nach den Skandalen rund um die Salzburger Olympia-Bewerbung nachgefolgt war.

Gerade Sailer sei als Sportler und Mensch für Ehrlichkeit, Geradlinigkeit, Sauberkeit und Transparenz gestanden, betonte Stoß. "Er hat nicht nur immer gesagt, was er sich dachte, er hat es auch immer ehrlich gemeint. Dazu müssen wir wieder übergehen. Offen zu sagen, was uns nicht passt, aber auch wo wir gut sind und was wir verbessern können."

Einer der prominentesten Gäste im Kreise der olympischen Familie war mit Skilegende Karl Schranz freilich einer, der mit den fünf Ringen nicht die besten Erfahrungen gemacht hatte. Der 72-jährige Arlberger, der in Sapporo ausgeschlossen worden war, verriet dafür, dass er im Sailer-Film selbst als Slalom-Double mitgespielt hat.

"Wahrscheinlich hat mir der Film deshalb immer schon so gut gefallen", scherzte Schranz. Er sei gegen die größten Gegner im Skigeschehen gefahren, betonte der dreifache Weltmeister und zweifache Weltcup-Gesamtsieger. "Aber Sailer war der cleverste von allen. Er war ein Supertalent und Sportler durch und durch. Was er in kurzer Zeit geleistet hat, ist unwahrscheinlich."

Auch die sechsfache Weltcup-Gesamtsiegerin Annemarie Moser-Pröll (57) kannte den Film natürlich längst. "Aber es ist immer wieder ein Erlebnis", sagte die Salzburgerin, der Sailer vor allem als Mensch abgeht. "Weil er ein guter Freund des Hauses war."

Renate Götschl (35) sah den Schwarzen Blitz erstmals an einem Stück und war begeistert. "Amüsant und interessant zugleich", urteilte die zurückgetretene "Speed-Queen". "Sailer war die Legende schlechthin. Er war einer der besten Skifahrer der Welt und zugleich Schauspieler. Das unter einen Hut zu bringen, ist faszinierend."

Auch Snowboarder Benjamin Karl (25) war noch lange nicht auf der Welt, als Sailer seine großen Erfolge gefeiert hatte. "Er war vor allem für seine Zeit ein solcher Revolutionär, dass er sicher auch Snowboard gefahren wäre, hätte es das damals schon gegeben", war der frischgebackene Doppelweltmeister aus Niederösterreich überzeugt.

Als dreifacher Olympiasieger ist Sailer gerade für Karl, der selbst vierfacher Olympiasieger werden wollte, ein besonderes Vorbild. "Mit dem vierfachen wird's jetzt natürlich eng", gab Karl angesichts seiner Silbermedaille von Vancouver aber lachend zu.

Während die faszinierende russische Sandart-Künstlerin Natalja Netselja für einen der Höhepunkte im Marriott sorgte, wurde eine Dame mit deutlich mehr Lebenserfahrung ungeplant zum vielfotografierten Star des Abends. Friederike "Fritzi" Schwingl, 1948 in London Bronzemedaillengewinnerin im Kanu, beeindruckte trotz ihrer 89 Jahre mit guter Laune und Fitness. "Ich fahre nur heim, damit der arme Fahrer nicht so lange aufbleiben muss", scherzte Schwingl, als sie gegen 23.00 Uhr im Shuttle nach Klosterneuburg Platz nahm.(APA)

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    Auch Mario Reiter und Petra Kronberger waren zugegen.

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    ÖOC-Präsident Karl Stoss und Fritzi Schwing.

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