Tablets haben das Potenzial, uns wieder ein wenig Ruhe beim Lesen zurückzugeben

4. Februar 2011, 11:00
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Surfen hat unsere Lesegewohnheiten verändert

Surfen hat unsere Lesegewohnheiten verändert. Während unsere Information dank unzähliger Quellen in die Breite geht, bringt Internet auch die Gefahr der Verflachung. Das ist jetzt keine Einleitung, um den Verlust von Qualität online zu beklagen. Schrott lässt sich im Netz mindestens so leicht ignorieren wie am Zeitungskiosk, dafür ist uns heute eine Unmenge an erstklassigen Informationen zugänglich.

Eisberg unter dem Bildschirmrand

Nein, die Verflachung ist durchaus bildlich zu verstehen und meint den unsichtbaren Eisberg unter dem Bildschirmrand, oft ein Vielfaches des am Display sichtbaren Angebots. Aber in der Hetze von einer Seite zur nächsten neigen wir zum Ignorieren, irgendwie muss ja die Informationsüberlastung bewältigt werden. Wenn dann bei einem Kaffee, im Zug oder Flieger oder beim Frühstück Zeit zum Lesen wäre, haben wir vergessen oder finden nicht mehr, was davor unser Interesse weckte.

Ruhe

Das iPad und die heuer in großer Zahl folgenden Tablets anderer Bauart, haben das Potenzial, uns wieder ein wenig Ruhe beim Lesen zurückzugeben. Dazu gibt es Webdienste und Apps, die interessante Artikel in einer Art Ablage zur späteren Lektüre sammeln. Meine Lieblingsapp dafür ist Instapaper, eigentlich ein Webdienst: Es stattet den Browser, den man für seine Surftouren verwendet, mit einem Button in der Lesezeichenleiste aus. Stößt man auf eine Seite, die man später in Ruhe lesen will, wird dieses Bookmark angeklickt, die betreffende Seite von Instapaper archiviert. Dabei vollbringt es eine kleine Wundertat: Es beseitigt die zahlreichen Hinweise, Werbung und andere optische "Unruhestifter" von der jeweiligen Webseite und formatiert die Artikel zu gut lesbarem, reinem Text um.

Daraus entsteht auf einer persönlichen Instapaper-Seite eine persönliche Lesemappe, die Lektüre für den passenden Zeitpunkt bereithält. Die zum Webdienst gehörende App (Instapaper auf dem iPad, Instafetch oder Hard Copy auf Android) ist wie ein Magazin zu lesen, Geschichte um Geschichte, die man in Ruhe wie in einem Heft durchblättern kann - ohne Unterbrechungen durch ständig neue Verlockungen.

Lesemappe

Instapaper kann nicht nur als Lesemappe genutzt werden, sondern auch als persönliches Archiv, um interessante Unterlagen länger aufzubewahren - ideal beispielsweise, wenn man umfangreiche Online-Recherchen macht.

Eine praktische Idee des Dienstes ist es, den Zugang nicht zwangsläufig mittels Passwort zu schützen (da das gesammelte Material ohnehin meist öffentlich ist - es sei denn man archiviert damit auch E-Mails, eine weitere Funktion von Instapaper). Das erlaubt es, dass mehrere User ein gemeinsames Archiv aufbauen und nutzen. Aber auch Passwortschutz ist möglich.

Eine Reihe anderer Dienste und Apps bieten ähnliche Möglichkeiten wie Instapaper: Read it Later, oder Readability, das Seiten im Browser leichter lesbar macht, indem es störende Elemente entfernt. Letztlich alles Schritte, die uns das Lesen längerer Texte auf unseren Gadgets erleichtern - und uns dem lange beschworenen "papierlosen Büro" doch noch ein wenig näher bringen. (helmut.spudich@derStandard.a, DER STANDARD Printausgabe, 4.2 2011)

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