"Die Schiedsrichter-The­matik ist eine wiederkehrende"

4. Februar 2011, 11:02
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EBEL-Liga­manager Christian Feichtinger im Interview über Kri­tik an der Organisationsstruktur und das jährlich aufs Neue hoch­kochende Thema Schiedsrichter

Seit knapp sechs Jahren fungiert Christian Feichtinger als Ligamanager der EBEL, in seine Amtszeit als Geschäftsführer fällt die internationale Öffnung der Liga ebenso wie der richtungsweisende Free TV-Vertrag. Über die bisherige Entwicklung der Liga und gegenwärtige Herausforderungen spricht er im Interview mit Hannes Biedermann.

derStandard.at: Herr Feichtinger, seit die Erste Bank Eishockeyliga im Jahr 2005 als eigener Verein gegründet wurde, führen Sie deren Geschäfte. Wie ist es um Ihren Eishockey-Hintergrund bestellt?

Feichtinger: Zum Eishockey bin ich im Vorfeld der Weltmeisterschaft 1996 in Wien gekommen, habe das Turnier als Marketingverantwortlicher und Spielstättenleiter der Albert Schultz-Halle begleitet. Danach habe ich mit meinem Unternehmen für den CE Wien bzw. WEV gearbeitet, ab 1999 dann für die Liga, der wir zu einem Namenssponsor und einem neuen TV-Vertrag verholfen haben.

derStandard.at: Seit Mitte der 1990er-Jahre hat sich im österreichischen Eishockey viel verändert. Wie kann man sich heute das Management der Liga vorstellen?

Feichtinger: Wir organisieren den Betrieb der EBEL mit einer sehr schlanken Struktur. Unser Team besteht aus sechs Mitarbeitern: einem Ligasekretär für Marketing und Organisation, einem Medienkoordinator, zwei Redakteuren, einer Halbtagskraft für die Buchhaltung und mir als Geschäftsführer.

derStandard.at: Trotzdem beklagen sich einzelne Vereine immer wieder über die hohen Abgaben an Verband und Liga...

Feichtinger: Zu den Verbandsabgaben kann ich mich nicht äußern, das ist Angelegenheit des ÖEHV, der mit der Liga eine diesbezügliche vertragliche Vereinbarung getroffen hat. Die Höhe dieser Gebühren konnten wir in den letzten Jahren aber konstant halten, teilweise sogar etwas verringern. Was die Kostenstruktur der Ligaorganisation betrifft, so kann ich nur unterstreichen, dass wir sehr effizient und kostenschonend arbeiten. Der Vergleich mit anderen Sportarten in Österreich oder anderen Eishockeyligen in Europa spricht hier für sich bzw. unseren Ansatz, die Vereine wissen das auch.

derStandard.at: In welchen Bereichen wird die Arbeit der Liga, die ja teilweise im Hintergrund passiert, greifbar?

Feichtinger: Wir haben im Laufe der vergangenen Jahre immer mehr organisatorische Aufgaben übernommen, mit Ausnahme der Spieleranmeldungen und des Spielbetriebs arbeiten wir autark. Die EBEL ist auch die einzige Liga Europas, die zur Gänze bilingual funktioniert - jedes Protokoll, jedes Dokument, jede Aussendung erscheint zweisprachig. Das gilt auch für unsere Medienarbeit.

derStandard.at: Deren Umfang ja mancherorts stark kritisiert wird...

Feichtinger: Unsere obersten Prämissen sind Äquidistanz zu allen Vereinen und Gleichberechtigung. Nicht jeder Verein in der Liga kann sich ein eigenes Medienbüro mit Angestellten leisten, also halte ich den Umfang unserer Öffentlichkeitsarbeit im Sinne der Ausgeglichenheit für mehr als angebracht und betrachte ihn auch als einen der Erfolgsfaktoren der EBEL. Die von unabhängigen Agenturen erhobenen Zahlen geben uns in dieser Hinsicht auch recht, denn unser Media Output liegt in den Monaten während der Saison bereits im Bereich von jenem der Fußball-Bundesliga.

derStandard.at: Ein zentrales Problem der Liga besteht nach Auffassung der Vereine im Bereich der Schiedsrichter. Die diesbezüglichen Kompetenzen liegen beim Verband, die Unzufriedenheit herrscht jedoch bei den Klubs, also in der Liga. Über welche Konzepte zur Verbesserung der Situation, etwa durch Professionalisierung oder bessere Ausbildung der Schiedsrichter, verfügt die EBEL?

Feichtinger: Grundsätzlich ist es so, dass die Schiedsrichter-Thematik eine alljährlich wiederkehrende ist. Immer wenn sich der Kampf um die Play-Off-Plätze verschärft, brandet diese Kritik auf, das ist auch in jeder anderen Liga so. Wir haben vor zwei Jahren - im Übrigen gegen den Widerstand des Verbandes - Lance Roberts vom Schiedsrichter-Department der NHL nach Österreich geholt. Er hat die Situation beobachtet, analysiert und uns Vorschläge zur Optimierung gemacht, die wir seitdem umsetzen.

derStandard.at: Wie sahen diese Vorschläge aus?

Feichtinger: Zunächst haben wir mit Tony Haas einen Supervisor installiert, der auch als Bindeglied zwischen den Vereinen bzw. deren Coaches und den Schiedsrichtern fungiert. Seine Tätigkeit ist mittlerweile fast zu einem Fulltimejob geworden, was dokumentiert, dass hier dringender Handlungsbedarf gegeben war. Heuer gibt es außerdem erstmals ein internes Schiedsrichter-Ranking: Die Referees werden bei ihren Einsätzen beobachtet und bewertet, darauf basiert dann der Schiedsrichterkader für die Play-Offs. Dazu kommt ein internationaler Schiedsrichteraustausch mit Deutschland. Mittelfristig arbeiten wir im Rahmen von Hockey Europe außerdem an einem weiter reichenden Austausch von Spielleitern innerhalb der stärksten europäischen Ligen, den wir ab der Saison 2012/13 realisieren wollen.

derStandard.at: In diesem Zusammenhang werden immer wieder hauptberufliche Schiedsrichter gefordert. Verfolgt die EBEL diesen Ansatz?

Feichtinger: Ich denke, dass es überall dort, wo Profis mit Profis arbeiten, leichter ist, ein Produkt nach vorne zu bringen. Wir dürfen nicht vergessen: In einem EBEL-Spiel stehen 44 Profispieler am Eis und Profitrainer an den Banden, die Schiedsrichter sind die einzigen beteiligten Akteure mit Amateurstatus, sie führen ihre Arbeit nebenberuflich aus. Gerade darum erachte ich es als wichtig, dass unser Slogan „Fairplay und Respekt" auch für die Behandlung der Schiedsrichter gilt. Mittelfristig werden wir natürlich über eine Professionalisierung des Refereewesens nachdenken müssen, aber ich gebe auch zu bedenken, dass in anderen europäischen Ligen, die bereits auf hauptberufliche Spielleiter zurückgreifen können, gerade diese nicht immer zu den besten im jeweiligen internen Ranking gehören.

derStandard.at: So stark wie nie zuvor kommt die Kritik heuer von den ausländischen Teams in der Liga, die sich sowohl in Schiedsrichter- als auch Strafsenatsentscheidungen benachteiligt sehen.

Feichtinger: Was die Referees betrifft, so streben wir danach, dass sich der Anteil an 40% nicht-österreichischen Teams in der Liga auch im gleichen Verhältnis in den Schiedsrichterbesetzungen widerspiegelt. Beispielsweise haben wir das regionale Embargo aufgehoben, Schiedsrichter aus einem bestimmten Bundesland oder einer bestimmten Nation können nun auch für Spiele unter Beteiligung von Vereinen aus ihrem Bundesland oder ihrer Nation eingeteilt werden. Damit haben wir die Flexibilität der möglichen Besetzungen erhöht. Slowenische und ungarische Schiedsrichter pfeifen bereits in der Liga, quantitativ wollen wir hier zukünftig aber noch zulegen. In Kroatien arbeiten wir in der Ausbildung der Spielleiter mit, im Rahmen von Nationalligaeinsätzen sollen die entsprechenden Kandidaten an das EBEL-Level herangeführt werden.

derStandard.at: Die Kritik der - vor allem slowenischen - Vereine geht aber auch gegen den Strafsenat der Liga...

Feichtinger: ...den wir heuer neu besetzt haben, damit auch die Zusammensetzung dieses Gremiums dem internationalen Charakter der Liga entspricht. Darüber hinaus sind wir auch in dieser Hinsicht über die Grenzen der Liga hinaus vernetzt. Nehmen wir beispielsweise die Strafe gegen Olimpijas Andrej Hebar: Zu diesem Fall wurden auch Expertisen vom Weltverband und sogar der NHL eingeholt, beide stimmten der Entscheidung unseres Strafsenats zu.

derStandard.at: Bleiben wir bei der Causa Hebar. Hier wurde einem Spieler für fünf Monate die Möglichkeit entzogen, seinem Beruf nachzugehen, wir haben es also mit einer sehr schwerwiegenden Entscheidung zu tun. Wäre in solchen Fällen nicht die Etablierung ordentlicher Verfahren mit persönlicher Anwesenheit und Einvernahmen der Beteiligten wünschenswert?

Feichtinger: Das schließe ich nicht aus. Man muss aber auch bedenken, das ist ein großer Unterschied etwa zum Fußball, dass wir manchmal drei Spieltage pro Woche absolvieren, die Terminlücken also kleine sind. Aufgrund der internationalen Zusammensetzung der Kommission ist es auch nicht möglich, dass der Senat kurzfristig zusammentritt und im Bedarfsfall persönlich tagt. Dazu kommt, dass auch dieses Gremium mit ehrenamtlichen Funktionären besetzt ist. Klar, wir wollen uns weiterentwickeln und aus Vorkommnissen lernen, darum schließe ich eine solche Entwicklung auch nicht aus, derzeit ist das aber noch Zukunftsmusik. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 4.Feber 2011)

 

In der Fortsetzung des Interviews spricht Christian Feichtinger über Stärken und Schwächen der Liga, ihre Expansionspläne und die Rolle der EBEL in einem sich verändernden Eishockey-Europa.

 

 

  • "Während der Saison liegt unser Media Output bereits im Bereich von jenem der Fußball-Bundesliga."
    foto: der standard

    "Während der Saison liegt unser Media Output bereits im Bereich von jenem der Fußball-Bundesliga."

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