Technisch gesehen ist es einfach, .at größtenteils vom Netz zu nehmen

4. Februar 2011, 10:29
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Mobilfunker und Internetprovider müssen kooperieren - Wie in Ägypten

Eine Woche lang blieb es in Ägypten finster: Nicht am Himmel, aber auf den Bildschirmen, die heute die Welt bedeuten. Handys und Computer, die Menschen verbinden - auch und gerade bei Protestaktionen. Auf drei bis vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts, 90 Millionen Dollar insgesamt, schätzt die OECD den Schaden durch die Abschaltung.

Provider müssen abschalten

Technisch gesehen ist es relativ einfach, ein Land vom Netz zu nehmen, wie ein Rundruf bei heimischen Mobilfunkern und Internetprovidern ergab - vorausgesetzt, die Betreiber kooperieren, für autoritäre Regimes leichter durchsetzbar als in Demokratien.

Zwar sind Internet und Mobilfunk dezentrale Strukturen mit der Fähigkeit, blockierte Teile zu umgehen. Der sprichwörtliche Schaufelbagger, der vitale Stränge kappt, kann meist durch Umleitung umgangen werden (weitgehend automatisch) oder durch Ausweichen auf Mobilfunk. Aber sowohl Mobilfunk als auch Internet haben zentrale Funktionen: Jene Computer, die Verkehr lenken, Teilnehmer identifizieren und an andere Teilnehmer oder an Internetadressen weiterleiten.

"Home Location Registry"

Setzt man diese Router (beim Mobilfunk "Home Location Registry") außer Betrieb, wird das gesamte Netz unbenutzbar - "bei guter Vorbereitung kann das in fünf bis zehn Minuten geschehen", sagt ein Techniker, der aus Gründen der Betriebssicherheit anonym bleiben will. Eine halbe bis zu einer Stunde dauert es, bis alle Handys im Land nur noch "Netzsuche" anzeigen, so die übereinstimmende Schätzung. Die einzelnen Funkzellen bleiben dabei in Betrieb, aber die Handys können sie nicht mehr erkennen.

Ähnlich ist es bei Internetprovidern, mit dem Unterschied, dass es sehr viel mehr Betreiber als beim Mobilfunk gibt. Ein völlige Blockade würde darum die Kooperation aller Provider voraussetzen. Was in den "Urzeiten" des heimischen Netzes schon passierte: 1997 ging Österreich offline - eine Stunde lang, aus Protest gegen die Beschlagnahme von Servern eines Providers unter dem Verdacht der Kinderpornografie.

"Vienna Internet Exchange"

Eine Alternative wäre es, die zentralen Vermittlungsknoten des Netzes außer Betrieb zu nehmen, in Wien der "Vienna Internet Exchange" der Universität und ein weiteres privates Rechenzentrum. Nur das gute alte Festnetz müsste Stück um Stück abgeschaltet werden, rund 1400 Vermittlungsstellen in ganz Österreich, die als Insel auch weiterhin funktionieren würden, wenn die Nachbarregion offline geht.

Einen "Kill Switch", einen zentralen Ausschaltknopf, gebe es jedoch nicht und soll es auch nicht geben

Seit den über Mobilfunk gezündeten Bomben in der Madrider U-Bahn und Internetattacken gegen Server in Estland arbeitet das Bundeskanzleramt an der Einrichtung einer Krisenkoordination, die bei Gefahren rasch Abschaltungen ermöglichen soll. Einen "Kill Switch", einen zentralen Ausschaltknopf, gebe es jedoch nicht und soll es auch nicht geben, erklärte Leo Szemeliker, ein Sprecher des Bundeskanzlers: "Die Entscheidung muss ein Krisenstab in Kooperation mit den Betreibern treffen und nicht durch einen Knopfdruck." Kurzfristig, schätzt ein Techniker eines Mobilfunkers, wäre so etwas auch nicht einzurichten, "dazu fehlt es an den Schnittstellen". (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe 4. Februar 2011)

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