Prozess in Stammheim: Zeuge kann sich nach 30 Jahren nicht an alle Details erinnern
Stuttgart - Im Prozess um die Ermordung des
Generalbundesanwalts Siegfried Buback im Jahr 1977 hat der ehemalige
RAF-Linksextremist Peter-Jürgen Boock eine Beteiligung der Angeklagten Verena
Becker ausgeschlossen. "Sie war keine Beteiligte des Kommandos", sagte Boock am
Donnerstag vor dem Oberlandesgericht Stuttgart-Stammheim.
Er wisse nicht, ob sie bei Ausspähungen oder anderen Aktionen mitgemacht
habe, sagte Boock. Er könne auch nicht sagen, wer mitgewirkt habe. Er vermute
aber, dass Günter Sonnenberg das Motorrad gesteuert habe, weil der sich als
Karlsruher am besten auskenne. Becker wirft die Bundesanwaltschaft vor, als
Mittäterin an dem Buback-Attentat beteiligt gewesen zu sein. Buback und zwei
seiner Begleiter wurden am 7. April 1977 auf dem Weg zur Arbeit in Karlsruhe
erschossen. Die beiden Attentäter näherten sich dem Dienstwagen des obersten
Terrorfahnders auf einem Motorrad, die Person auf dem Soziussitz feuerte auf die
Insassen des Fahrzeuges.
"Der General muss weg"
Boock, der 1980 die RAF verlassen hatte, sagte, er könne sich nach 30 Jahren
nicht an alle Details erinnern. "Ich kann das nicht im Einzelnen sagen, wer was
wann gemacht hat." Kurz vor dem Attentat sei ihnen in Brüssel signalisiert
worden, dass der Anschlag auf Buback bevorstehe. Den habe der harte RAF-Kern um
Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Irmgard Möller, die im
Hochsicherheitstrakt in Stuttgart-Stammheim einsaßen, in einem Kassiber mit dem
Aufruf "Der General muss weg" in Auftrag gegeben. "Es war klar, dass es ein
Mordanschlag sein sollte, nicht eine Entführung", sagte Boock.
Im Vorfeld seien verschiedene Optionen überlegt worden - von einer Haftmine
bis zu einer Blockade mit einem Lastwagen. Danach sollten in der sogenannten
Offensive 77 unter anderem weitere Anschläge auf Bankiers in Frankfurt und
Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer folgen, um die inhaftierten
RAF-Mitglieder freizupressen. Dies endete im Herbst 1977 mit der Entführung und
Ermordung Schleyers. Parallel dazu wurde die Lufthansa-Maschine "Landshut" nach
Mogadischu in Somalia entführt, wo sie von der GSG9 befreit wurde. In derselben
Nacht nahmen sich Baader, Ensslin und Raspe das Leben. Möller überlebte knapp.
Becker hatte bis zu ihrer Begnadigung 1989 eine lebenslange Haftstrafe wegen
mehrfachen Mordversuches verbüßt. Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf Buback
war sie aber bis 2009 nicht belangt worden. Zuletzt waren jedoch neue Indizien
aufgetaucht. Die Wiederaufnahme des Prozesses hatte der Sohn des
Generalbundesanwalts, Michael Buback, angestrengt. (Reuters)