Millionen Ägypter protestieren am "Tag des Abgangs"

4. Februar 2011, 15:48
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Hunderttausende bei Freitagsgebet auf Tahrir-Platz - Kleinere Zusammenstöße - USA, EU und UNO kritisieren Gewalt, fordern Reformen

Die Lage am Tahrir-Platz ist angespannt. Hunderttausende Menschen haben sich auch heute auf dem Tahrir-Platz versammelt, in den vergangenen Tagen waren bis zu zwei Millionen Menschen auf den Straßen. Ein Sternmarsch zum Tahrir-Platz, zum Gebäude des staatlichen Fernsehens und zum Parlament ist geplant. Bei den Massenprotesten ist es zu kleineren Zusammenstößen gekommen. Ein Augenzeuge in Kairo sagte, Schlägertrupps versuchten, den Regimegegnern den Weg abzuschneiden. Mubarak-Anhänger hätten Demonstranten mit Steinen beworfen, berichtete ein Reporter des arabischen Senders Al-Arabiya. Vereinzelte Zusammenstöße wurden auch aus den Städten Alexandria und Port Said gemeldet. Nahe dem Tahrir-Platz im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt griffen Anhänger der alten Führung Regimegegner an. Die Gruppen hätten sich gegenseitig mit Steinen beworfen, berichteten Augenzeugen. Mindestens acht Menschen seien verletzt worden.

 

(Dieser Artikel wird ständig aktualisiert, hier finden Sie die neuesten Entwicklungen. Unsere gesamte Berichterstattung und Hintergrundinformationen zu den Protesten in Ägypten finden Sie unter derStandard.at/Ägypten.)

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15.40: Konten von Ex-Handelsminister eingefroren

Wie Reuters soeben meldet, hat Ägypten die Konten des ehemaligen Handelsministers Rachid During eingefroren und ihn mit einem Ausreiseverbot belegt, solange die Untersuchungen dauern.

15.26: Elf Kopten starben bei Massaker

Wie erst heute bekannt wurde, starben bei einem Massaker in einem Dorf 200 Kilometer südlich von Kairo zwei koptische Familien. Unter den Opfern war auch ein dreijähriges Mädchen. Aufgrund der Informationssperren kam das Massaker aber erst jetzt an die Öffentlichkeit. Mehr dazu gibt es hier.

15.16: Helikopter über Kairo

Seit einigen Stunden schweben auch Helikopter der Armee über dem Zentrum Kairos.

15.10: Imam rief Regierung auf, Vertreter zum Tahrir-Platz zu schicken

Beim Freitagsgebet rief der Imam Khalid al-Marakbi die Regierung auf, Vertreter zu Verhandlungen auf den Platz zu schicken, der zum Symbol des Protests geworden ist. Während des Gebets für die während der Unruhen getöteten Demonstranten weinte der Geistliche. Am Ende riefen zahlreiche Gläubige die an Mubarak gerichtete Aufforderung "Verschwinde, verschwinde!".

15.08: Büro von Al Jazeera in Kairo attackiert

Das Büro des arabischen TV-Nachrichtensenders Al-Jazeera in Kairo ist nach eigenen Angaben angegriffen worden. Unbekannte seien in das Büro eingedrungen und hätten die Ausrüstung zerstört, erklärte die Direktion von Al-Jazeera am Freitag an ihrem zentralen Sitz in Doha, der Hauptstadt des Emirats Katar.

15.06: Unterstützer Mubaraks blockieren Autobahn

Augenzeugen berichten, Unterstützer Mubaraks hätten die Autobahn von Alexandria nach Kairo blockiert, um Regimegegner zu behindern. Umgekehrt kontrollierten Gegner Mubaraks Taschen und Ausweise der Menschen, die auf den Tahrir-Platz wollten. Damit sollten Anhänger des Präsidenten ferngehalten werden, sagte ein Augenzeuge. Am Mittwoch, dem vorläufigen Höhepunkt der Kämpfe, hatten Mubarak-Anhänger versucht, Oppositionelle gewaltsam von dem symbolträchtigen Platz zu vertreiben. Dabei gab es mindestens zehn Tote und über tausend Verletzte.

14.55: Jerzy Buzek, der Präsident des EU-Parlaments ...

... twittert: "Stability matters, but a stable neighbourhood is less important than a stable democratic neighbourhood. #Tunisia #Egypt"

14.52: US-Generalstabschef warnt vor Einfrieren von Militärhilfe

US-Generalstabschef Admiral Michael Mullen hat vor einem voreiligen Einfrieren der Militärhilfe seines Landes für Ägypten gewarnt. Er warne vor jeder Maßnahme, solange keine Klarheit herrsche, was geschehe, sagte Mullen in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC am Freitag. Zwar sei es nicht an ihm, über die Aussetzung der Militärhilfe zu entscheiden, doch würde er gerne die Ereignisse besser verstehen, bevor er eine solche Entscheidung treffe.

Der Admiral betonte, dass die US-Militärhilfe in Höhe von jährlich 1,3 Milliarden Dollar eine "lohnende Investition" gewesen sei. Die Hilfszahlungen hätten den USA erlaubt, eine "sehr starke Beziehung" mit der ägyptischen Armee aufzubauen. Am Donnerstag hatte Mullen gesagt, die ägyptische Armeeführung habe ihm erneut versichert, dass die Streitkräfte nicht auf die Demonstranten schießen würden. In dem Interview am Freitag betonte er, der ägyptische Generalstab wolle "eindeutig", dass der Übergang friedlich verlaufe.

14.29: 100.000 auch in Zagazig auf den Straßen

Dabei hat Zagazig - ähnlich wie Damanhur - nur 400.000 Einwohner.

14.28: Meldungen über Zusammenstöße häufen sich

Mehrere Medien berichten jetzt über erste kleinere Zusammenstöße in Seitenstraßen, die zum Tahrir-Platz führen. Innerhalb der Absperrungen ist es aber ruhig, wird friedlich demonstriert. Auch die Absperrungen selbst sollen nicht attackiert werden.

14.24: Erste Korruptionsprozesse sind in Vorbereitung

In Ägypten sollen angeblich demnächst mehrere Funktionäre des Regimes von Staatschef Hosni Mubarak vor Gericht gestellt werden, denen man Korruption nachsagt. Das meldete die ägyptische Nachrichtenwebsite "Youm7" am Freitag unter Berufung auf Kairoer Justizkreise. Namentlich wurden in dem Bericht folgende Politiker genannt, die das Land nicht mehr verlassen dürfen: Der entlassene Innenminister Habib al-Adli, Der Politiker der Regimepartei NDP und Stahlmagnat Ahmed Ezz, Tourismusminister Zouheir Garana und Wohnungsbauminister Ahmed al-Maghrabi. Die Ermittlungen gegen diese Männer würden eröffnet, "sobald sich die Lage wieder beruhigt hat", hieß es.

14.19: 100.000 demonstrieren in Damanhur

Laut Al Jazeera haben sich auch in Damanhur, einer Stadt im Nildelta, 100.000 Anti-Mubarak-Demonstranten eingefunden.

14.17: Hohe finanzielle Verluste für Ägypten

Der ägyptische Finanzminister sagte am Freitag, dass das Land "schwere wirtschaftliche Verluste" einfahren musste. "Es ist aber zu Früh, um den Verlust auf Pfund und Penny genau anzugeben."

14.15: UNO-Menschenrechtskommissarin fordert Untersuchung

Die Menschenrechts-Hochkommissarin der Vereinten Nationen, Navanethem (Navi) Pillay, hat eine Untersuchung der blutigen Zusammenstöße zwischen Anhängern und Gegnern des ägyptischen Staatschefs Hosni Mubarak gefordert. Bei den Unruhen am Mittwoch habe es "schockierende Szenen" gegeben mit verfeindeten Gruppen, die mit Molotow-Cocktails und Steinen ausgerüstet gewesen seien, sagte die Südafrikanerin Pillay am Freitag in Genf. Einmal mehr sei die Abwesenheit der Polizei aufgefallen, und die Armee habe dabei versagt, die Lager auseinanderzuhalten - "mit tragischen Folgen". Die Unruhen, bei denen es Tote und Verletzte in der Hauptstadt Kairo gegeben hatte, müssten "transparent und unparteiisch" untersucht werden, forderte Pillay.

14.09: BBC-Interview mit Mohamed ElBaradei

ElBaradei kritisiert im Interview abermals Präsident Husni Mubarak. Der Oppositionelle versteht nicht, warum es weniger Chaos anrichte, wenn Mubarak erst in einem halben Jahr (Anm.: Bei der Wahl im September) sein Amt aufgibt. Mubarak solle "in Würde" abtreten.

14.02: Belgien kritisiert fünf große EU-Länder

Belgien hat indirekt die gemeinsame Erklärung der fünf großen EU-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien vom Donnerstag missbilligt und demonstrativ die Vollmachten der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton verteidigt. "Europa muss mit einer Stimme sprechen, mit der Stimme von Frau Ashton", sagte der belgische Ministerpräsident Yves Leterme am Freitag in Brüssel am Rande des EU-Gipfels laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Belga. Die EU-"Schwergewichte" waren einer Stellungnahme von Ashton zuvorgekommen. Als Reaktion darauf forderte der belgische Premier: "Man muss Frau Ashton politischen Raum geben." Die EU-Außenbeauftragte soll nach Angaben von Diplomaten nach Ägypten reisen. Sie hat einen Zeitplan gefordert, um den Menschen Vertrauen in einen geordneten friedlichen Übergang zu geben.

13.59: Hand in Hand, die Zweite

Ein berührendes, viel beachtetes Bild vom Donnerstag - Christen beschützen Muslime während des Gebets: http://imgur.com/NhC4m

13.53: Katholische und muslimische Geistliche, Hand in Hand

Der Guardian zitiert einen Augenzeugenbericht, wonach mitten auf dem Tahrir-Platzes ein katholischer gemeinsam mit einem muslimischen Geistlichen demonstrieren würde - Hand in Hand, beide in religiösem Dress.

13.45: "Minister sind nicht legitimiert"

Die Demonstranten rufen immer wieder im Chor Namen von Ministern des Mubarak-Regimes. Mit dem Nachsatz: "Nicht legitimiert!" Für die Korrespondentin von Al Jazeera ist damit klar, dass die Menschenmassen sich nicht mit Konzessionen zufrieden geben würden. Das ganze Regime müsse also gehen.

13.41: ARD und ZDF ziehen Korrespondenten nicht ab

Die deutschen Fernsehanstalten ARD und ZDF ziehen ihre Korrespondenten vorerst nicht aus Ägypten ab. ARD-Korrespondent Jörg Armbruster, sein Kollege Alexander Stenzel, ein Kameramann und ein kleines lokales Team hätten die Nacht in einem Hotel in Kairo verbracht. Sie seien am Freitag auf die Suche nach einem Quartier in einer sicheren Gegend in der ägyptischen Hauptstadt gegangen, sagte ein Sprecher des zuständigen Südwestrundfunks (SWR) am Freitag. Ähnliches gilt für das ZDF-Team um Reporter Dietmar Ossenberg.

13.40: arte-Reporterin festgenommen

Eine Reporterin des französisch-deutschen Kulturkanals "arte" ist am Freitag nach Angaben des Senders in Ägypten von Geheimpolizisten festgenommen worden. Die Französin, die seit drei Jahren für "arte" aus der Region berichtet, habe sich auf dem Weg von einem Hotel in ein anderes befunden und sei dabei in die Fänge der Miliz geraten, hieß es.

13.39: Armee soll Reportern helfen

Das ägyptische Kabinett weist die Armee nach eigenen Angaben an, ausländische Journalisten bei deren Arbeit zu unterstützen. Mehrere Reporter in Kairo waren attackiert worden.

13.37: Ägypten in Österreich

Genauer gesagt, im österreichischen Parlament: Die Anti-Regierungsproteste in Ägypten sind am Freitag in der Sitzung des außenpolitischen Ausschusses thematisiert worden. Außenminister Michael Spindelegger lobte den bisherigen Einsatz für die heimischen Touristen. Der außenpolitische Sprecher der ÖVP, Wolfgang Schüssel, betonte die Möglichkeiten der internationalen Staatengemeinschaft, Stabilität in Ägypten und dem Nahen Osten herzustellen, ohne sich in die inneren Angelegenheiten der Länder einmischen zu müssen. Alev Korun, die grüne Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses, forderte indes erneut von der österreichischen Regierung, sich für den "raschen Rücktritt" des Präsidenten Hosni Mubaraks einzusetzen.

13.34: Keine Gewalt am Tahrir-Platz

"Keine Anzeichen von Gewalt" gibt es in Kairo am Tahrir-Platz, weiterhin ist von Mubarak-Anhängern nichts zu sehen. Dies könnte mit dem höheren Armee-Aufkommen an den Checkpoints zu tun haben.

13.23: Achtung, Spekulation: Mubarak nach Montenegro?

Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak könnte laut Spekulationen lokaler Medien in Montenegro Aufnahme finden. Die Spekulationen stützen sich derzeit freilich nur auf die Geschäftskontakte Montenegros mit der ägyptischen "Orascom Holding". Das Unternehmen, an welchem der Sohn Mubaraks, Gamal, beteiligt ist, hatte im Vorjahr mit den montenegrinischen Behörden einen Vertrag über den Bau einer exklusiven Feriensiedlung an der Halbinsel Lustica an der Bucht von Kotor abgeschlossen.

13.17: Oppositionelle wurden festgenommen

Die ägyptische Jugendbewegung "6. April", die von Anfang an zum harten Kern der pro-demokratischen Protestbewegung gehörte, gab am Freitag bekannt, sechs ihrer Mitglieder seien festgenommen worden. Engi Hamdi, eine Sprecherin der Bewegung, sagte: "Soll das etwa der Dialog mit der Opposition sein, den Vizepräsident Omar Suleiman gemeint hat." Nach ihren Angaben wurden die Aktivisten in einem Café im Kairoer Stadtteil Faisal festgenommen, kurz nachdem sie sich zu einem Gedankenaustausch mit Friedensnobelpreisträger Ex-IAEO-Chef Mohamed ElBaradei getroffen hatten.

13.14: 3.000 Mubarak-Anhänger in Gizeh auf der Straße

In Gizeh, nach Kairo und Alexandria die drittgrößte Stadt Ägyptens, sollen sich bis zu 3.000 Pro-Mubarak eingestellte Demonstranten eingefunden haben, wie verschiedene Quellen melden. Dafür waren in Kairo nach Angaben unterschiedlicher BBC-Journalisten praktisch keine Mubarak-Anhänger unterwegs.

13.11: Amr Moussa demonstriert mit

Nach Informationen von Al Jazeera hat sich auch der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Moussa, am Tahrir-Platz eingefunden, um gegen das Regime zu protestieren. Es wird immer wieder spekuliert, ob Moussa - ein ehemaliger Außenminister Ägyptens - bei den Präsidentschaftswahlen im September antreten wird.


13.01: Cameron warnt ägyptisches Regime

Nachtragen wollen wir einen Kommentar vom britischen Premierminister David Cameron vom Vormittag: Er hatte vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel das ägyptische Regime gewarnt, nichts gegen weitere Gewalttätigkeiten bei Demonstrationen zu unternehmen. "Die Botschaft ist, wenn wir auf den Straßen Kairos sehen, dass es zu Gewaltakten kommt, dann verliert das ägyptische Regime den letzten Rest von Glaubwürdigkeit, auch von Großbritannien". Cameron sagte, konkret auf Präsident Hosni Mubarak angesprochen, die Ägypter müssten die nächsten Schritte setzen. Es gehe um einen glaubwürdigen friedlichen Übergang zur Demokratie.

12.48: Spindelegger verurteilt Gewalt gegen Journalisten

Seit wenigen Tagen benutzt auch das österreichische Außenministerium einen Twitteraccount, unter @Minoritenplatz8 wird getwittert. Heute hieß es dort: "Außenminister Spindelegger entsetzt über zunehmende Gewalt gegen Journalisten in Ägypten. Fordert sofortiges Ende der Repressalien."

12.48: Deutschland setzt die Rüstungsexporte nach Ägypten aus

Die deutsche Regierung setzt angesichts der Unruhen in Ägypten die Rüstungsexporte in das Land vorerst aus. Das sagte die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Freitag in Berlin. Laut dem Rüstungsbericht der Regierung pendelten die deutschen Rüstungsexporte nach Ägypten in den letzten Jahren zwischen rund 10 und 40 Millionen Euro pro Jahr.

12.46: Vorsitzender der Sicherheitskonferenz: "Übergang muss jetzt anfangen"

Kurz vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz hat deren Vorsitzender Wolfgang Ischinger den Westen in der Ägypten-Krise zum Handeln aufgerufen. "Ich glaube, es ist richtig, wenn von der europäischen wie auch von der amerikanischen Politik gesagt wird: Der Übergang ins Neue darf nicht noch einmal um ein halbes Jahr verschoben werden. Der muss jetzt anfangen, sonst geht das mit dem Blutvergießen weiter", sagte der frühere deutschen Außen-Staatssekretär und EU-Kosovo-Unterhändler am Freitag in der ARD.

12.45: Französische Journalisten wurden 15 Stunden lang verhört

Drei Journalisten des französischen Privatsenders TF1 sind in Ägypten 15 Stunden lang festgehalten und verhört worden, meist mit verbundenen Augen. Nach ihrer Freilassung in der Nacht auf Freitag gehe es ihnen aber gut, sagte TF1-Informationschefin Catherine Nayl. TF1 werde seine acht Journalisten trotz des Zwischenfalls nicht aus Ägypten abziehen, aber vorsichtiger in der Berichterstattung über die Proteste gegen Präsident Hosni Mubarak sein, kündigte Nayl an.

12.38: Die Freitagsgebete ...

... sind nun auch am Tahrir-Platz beendet. Auch das ägyptische Staatsfernsehen zeigt nun Bilder von den Protesten, freilich mit einem anderen Spin. Viele Menschen wollen weiterhin zu den Massen auf dem Tahrir-Platz, doch die Schlangen vor den Checkpoints werden länger und länger.

12.35: ElBaradei fordert Mubarak auf, "in Würde zurückzutreten"

Spiegel Online zitiert im Liveticker den Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei, den Friedensnobelpreisträger und früheren Chef der IAEA. Mubarak solle "auf die deutliche Stimme des Volkes zu hören und in Würde zurücktreten." Es sei eine "Frage des Vertrauens, und das Vertrauen ist weg", sagte er in Kairo.

12.32: Bis Sonntag sollen alle österreichischen Urlauber heimkommen

Noch 500 Österreicher urlauben nach Angaben des Außenministeriums in Ägypten. Sie sollen bis Sonntag mit regulären Flügen in die Heimat zurückgebracht werden, berichtete Ministeriumssprecher Peter Launsky-Tieffenthal am Freitag. Dieser Plan sei aber auch von äußeren Umständen abhängig, vor allem, ob die Urlauber trotz der Ausgangssperre rechtzeitig den Flughafen erreichen. Österreicher, die "unmittelbar" ausreisen wollen, gebe es jedoch "kaum mehr", so Launsky-Tieffenthal. Ein erneuter Einsatz der Bundesheermaschine ist deshalb derzeit nicht geplant. Mit "ganz wenigen Ausnahmen" gebe es derzeit "keinen spezifischen Wunsch, auszureisen", sagte Launsky-Tieffenthal.

12.28: "Armee und Volk sind vereint"

Am Rande des Platzes wandte sich Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantaui an die Armee, die am Donnerstag erstmals einen Puffer zwischen Mubarak-Gegnern und -Anhängern gebildet hatte, aber die Straßenschlachten nicht stoppen konnte. "Die Armee und das Volk sind vereint", riefen Demonstranten, als sich die Nachricht über Tantawis Ankunft verbreitete. Was Tantaui den Soldaten sagte, wurde nicht bekannt.

12.26: Immer mehr Menschen strömen zum Tahrir-Platz ...

... er füllt sich immer weiter. Die Demonstranten warten in Schlangen, um weiter vorrücken zu können. Die Armee umstellte den Platz mit Panzern, gepanzerten Fahrzeugen und errichtete Barrieren aus Stacheldraht. Die Demonstranten mussten ihre Ausweise und Taschen vorzeigen. Die Atmosphäre wirkte zunächst entspannt. Viele Demonstranten hatten auch über Nacht auf dem Platz ausgeharrt, obwohl die Armee und der Vizepräsident sie zum Abzug aufgefordert hatten.

12.22: Sandmonkeys Blog ist wieder online

Der Blog von Sandmonkey, der während der Proteste zu einer Art Symbolfigur aufstieg, ist wieder online. Gestern wurde er von der Polizei festgenommen und verprügelt, sein Blog war für einige Zeit offline.

12.12: Berlusconi nennt Mubarak einen "weisen Mann"

Der italienische Premierminister Silvio Berlusconi bezeichnete heute Husni Mubarak als "weisen Mann", der "während des geordneten Übergangs seinen Platz behalten soll." Berlusconi hofft auch auf "Kontinuität in der Regierung", wenn möglich soll der Übergang zu einem "demokratischeren System ohne Bruch mit Präsident Mubarak" erfolgen.

12.05: Der Protest geht weiter

Zumindest in Alexandria sind die Freitagsgebete jetzt beendet, die Massen werden lauter, werden unruhig. Aus Solidarität mit den Betenden haben sich auch Gläubige anderer Religionen eingefunden, heißt es bei Al Jazeera.

11.50: Eine Million demonstriert

Die Straßen Kairos füllen sich immer weiter. In unterschiedlichen Medien wird bereits von einer Million Demonstranten gesprochen.

11.47: Syrische Opposition ruft zu "Tag des Zorns auf"

Nach Tunesien, Ägypten und anderen arabischen Ländern ruft nun auch in Syrien die Opposition zu massiven Demonstrationen gegen das Regime auf. Syrische Aktivisten teilten mit, die Oppositionsbewegung bereite einen "Tag des Zorns" vor. Im Anschluss an die islamischen Freitagsgebete seien Protestaktionen in der Hauptstadt Damaskus und anderen Städten des Landes geplant. Am Vormittag beobachteten Augenzeugen in Damaskus, wie Sicherheitskräfte in der Nähe des Parlamentsgebäudes aufzogen. Die Demonstrationen sollen nach Angaben der Aktivisten am Samstag fortgesetzt werden.

11.45: Polnisches Fernsehen zieht Mitarbeiter aus Ägypten ab

Der öffentliche polnische Fernsehsender TVP zieht seine Mitarbeiter aus Ägypten ab. "Es ist dort zu gefährlich, wir wollen nicht ihr Leben riskieren", erklärte der TVP-Pressesprecher Andrzej Siwek der Zeitung "Gazeta Wyborcza". Das Fernsehen werde bei der Berichterstattung in Zukunft auf den internationalen Programmaustausch zurückgreifen. Zwei Kamerateams mit Journalisten von TVP wurden in den vergangenen Tagen mehrmals festgehalten, darunter vom ägyptischen Militär und Zivilisten, die sich nicht auswiesen. Die Mitarbeiter wurden jedoch jeweils nach mehreren Stunden wieder freigelassen.

11.43: Freitagsgebet

Auf Twitter kursieren unzählige Fotos vom Tahrir-Platz. Eines zeigt die Demonstranten beim Freitagsgebet: http://yfrog.com/h8we4czj


11.35: Swoboda fordert rasches Handeln der EU und nimmt Catherine Ashton in die Pflicht

Die Zeit des Zögern und Zauderns angesichts der Vorgänge in Ägypten sei für die EU vorbei, erklärte der stellvertretende Fraktionschef der Sozialdemokraten und Sozialisten im Europaparlament, Hannes Swoboda. "Der Einsatz der Schlägertruppen durch (Staatschef Hosni) Mubarak und seine Gefolgsleute macht klar, dass das Regime Mubarak jegliche Legitimität verloren hat", betonte Swoboda, der dem außenpolitischen Ausschuss des EU-Parlaments angehört. "Dabei müssen wir als Europa unsere Eigenständigkeit, was die zukünftige Regierung in Ägypten betrifft, bewahren und rasch mit allen demokratischen Kräften Kontakt aufnehmen. Das erfordert auch die Präsenz von Catherine Ashton."

11.33: Al Jazeera im Livestream ...

... gibt es wie immer hier: http://english.aljazeera.net/watch_now/

11.22: Improvisierte Helme

Wie unser User eknaD postete, haben die Kollegen vom Guardian eine schöne Diashow zu den improvisierten Kopfbedeckungen, mit denen sich die Demonstranten vor Wurfgeschossen schützen. In diesem Zusammenhang verweisen wir auch gern auf unsere eigene "Ansichtssache in Progress" zu den Demonstrationen in Ägypten.

11.16: Omar Suleiman: Keine Gewalt gegen Demonstranten

Was bereits in der Nacht auf Freitag von mehreren politischen Akteuren gefordert wurde, wird von Ägyptens Vizepräsident Omar Suleiman bestätigt: Die Armee hat die Anweisung, keine Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden. "Die Armee soll die Demonstranten auffordern, nachhause zu gehen. Gewalt wird sie keine anwenden."

11.11: Kreative Gesänge

Der britische Guardian greift in seinem Live-Ticker die Chöre der Demonstranten auf: "Condoleezza, Condoleezza, go get Mubarak a visa." Oder: "Hillary, Hillary, take Mubarak to the distillery."

11.05: Irans Führer: Ägyptische Armee soll sich auf den "zionistischen Feind" konzentrieren

Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei bezeichnet bei den Freitagsgebeten in Teheran den Aufstand in Ägypten als "Islamische Befreiungsbewegung". Die Armee solle sich auf den "zionistischen Feind" konzentrieren, nicht auf die ägyptischen Demonstranten.

11.02: EU-Gipfel verurteilt Anwendung von Gewalt

Der EU-Gipfel verurteilt "auf das Schärfste die Anwendung von Gewalt" bei den Demonstrationen gegen das Regime von Hosni Mubarak in Ägypten und unterstützt den friedlichen Übergang zu einer "demokratischen Regierungsführung". Der Name Mubarak selbst wird in dem der APA vorliegenden Entwurf für die Schlussfolgerungen des Gipfels nicht erwähnt.

10.55: Um elf Uhr beginnt das Freitagsgebet

Augenzeugen berichteten, in der Innenstadt hätten insgesamt rund tausend Soldaten Stellung bezogen. Die Armee rollte erstmals Stacheldraht an den Zugängen zum Platz aus, um Ausweiskontrollen sicherzustellen. An einer Brücke beim Tahrir-Platz standen die Menschen Schlange. Nach dem Mittagsgebet werden mehrere Hunderttausend Demonstranten erwartet. Am heutigen Freitag läuft das Rücktrittsultimatum der Protestbewegung an den Machthaber ab.

10.45: "Erstmals keine Pro-Mubarak-Demonstranten"

Wie die BBC meldet, sollen erstmals keine Anhänger von Husni Mubarak am Tahrir-Platz demonstrieren.

10.41: Faymann: EU-Gipfel wird Mubarak nicht zum Rücktritt auffordern

Der EU-Gipfel in Brüssel wird nach Einschätzung von Bundeskanzler Werner Faymann keine Rücktrittsaufforderung an den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak richten. Faymann sagte vor Beginn des Gipfels am Freitag in Brüssel: "Unsere Stellungnahme wird weniger personenorientiert sein und mehr die Wertehaltung unterstreichen."

10.35: Irans geistlicher Führer: "Irreparabler Schaden für die USA im Nahen Osten"

Irans Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Khamenei äußerte sich zu den Aufständen in Tunesien und Ägypten. Die USA würden "irreparablen Schäden im Nahen Osten" gegenüberstehen. "Wenn die Revolutionen erfolgreich sind, ist die US-Politik im Nahen Osten gescheitert", sagte er bei den Freitagsgebeten in Teheran.

10.20: Muslimbrüder wollen keinen Präsidentschaftskandidaten stellen

Ägyptens Muslimbruderschaft, die als stärkste Oppositionskraft des Landes gilt, will nach den Worten eines führenden Vertreters keinen Kandidaten für die nächste Präsidentenwahl aufstellen. "Wir haben deutlich gesagt, dass wir keine Ambitionen auf eine Kandidatur für das Präsidentenamt oder Posten in einer Regierungskoalition haben", sagte Mohammed al-Beltagi am Freitag dem Fernsehsender Al-Jazeera.

10.13: Zehntausend am Tahrir-Platz

Mittlerweile haben sich rund zehntausend Demonstranten am Tahrir-Platz versammelt, ihnen stehen etwa tausend Soldaten gegenüber. Polizisten sind nicht zu sehen, hieß es. Nachdem Mittagsgebet werden Hunderttausende Demonstranten erwartet. Es wird wieder befürchtet, dass gewalttätige Anhänger von Husni Mubarak die Aktion stören.

10.06: Ägyptische Militärspitze am Tahrir-Platz

Der ägyptische Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi und mehrere Armee-Generäle haben sich am Freitag nach Berichten des TV-Senders Al-Arabiya auf den Kairoer Tahrir-Platz begeben. Beim ägyptischen Staatsfernsehen hieß es dazu: "Verteidigungsminister Tantawi inspiziert die Lage am Tahrir-Platz".

10.01: Merkel fordert Sicherheitskräfte auf, friedliche Demonstrationen zu ermöglichen

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor Beginn des EU-Gipfels am Freitag in Brüssel die ägyptischen Sicherheitskräfte aufgefordert, "dafür zu sorgen, dass an diesem entscheidenden Freitag friedliche Demonstrationen für die Menschen möglich sind". Beim EU-Gipfel werde es auch darum gehen, wie die Europäische Union ein "Partner für den geordneten friedlichen und demokratischen Übergang in Ägypten, aber auch in Tunesien, sein kann". Dabei sollen Elemente für die Möglichkeiten solcher Partnerschaften festgelegt werden, sagte Merkel.

9.16: Regimegegner bereiten sich auf Demo vor

Auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt bereiteten sich Regimegegner am elften Protesttag auf eine Großdemonstration nach dem islamischen Freitagsgebet vor. Zu Tagesanbruch waren Rufe wie "Lasst uns Mubarak stürzen!" zu hören. Die geplante Kundgebung stand unter dem Motto "Tag des Abschieds".

Angriff auf Zentrale der Geheimpolizei in El Arish

Eine Gruppe von bewaffneten Männern hat am Freitagmorgen in der ägyptischen Stadt El Arish die Zentrale der Geheimpolizei mit Panzerfäusten angegriffen. Nach Angaben von Augenzeugen brach ein Feuer in dem Neubau aus, der neben mehreren Verwaltungsgebäuden liegt. In der Stadt im Norden der Sinai-Halbinsel hatte es in den vergangenen Tagen ebenso wie in Kairo, Alexandria und Suez Protestaktionen gegen die Staatsmacht gegeben.

USA arbeiten an Rückzugsszenario für Mubarak

Die USA dringen mit ganzer Kraft auf eine politische Wende in Ägypten. Während Präsident Hosni Mubarak an seinem Amt festhalten will, laufen hinter seinem Rücken Verhandlungen über eine Übergangslösung unter Beteiligung des Militärs. Nach einem Bericht der "New York Times" (NYT) diskutieren die Regierung von Präsident Barack Obama mit ägyptischen Regierungsbeamten einen Vorschlag für einen sofortigen Rücktritt Mubaraks. Seitens der US-Regierung hieß es, es würden mehrere Varianten für einen Machtwechsel mit den Ägyptern diskutiert. Mehr dazu hier. (red/APA/Reuters)

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    Eine Rauchsäule über Kairo.

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    Tausende strömen zum Freitagsgebet auf den Tahrir-Platz.

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    Der Tahrir-Platz ist voller Menschen, die den Rücktritt Mubaraks fordern.

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    Ägyptischer Humor.

  • Armee auf den Straßen, die zum Tahrir-Platz in Kairo führen.

    Armee auf den Straßen, die zum Tahrir-Platz in Kairo führen.

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    Warteschlangen vor einem Zugang zum Tharir-Platz.

  • Anti-Regierungsdemonstranten in der Nähe des Tahrir-Platz.
    foto: epa/hannibal hanschke

    Anti-Regierungsdemonstranten in der Nähe des Tahrir-Platz.

  • Die Armee vor der US-Botschaft in Kairo.
    foto: epa/hannibal hanschke

    Die Armee vor der US-Botschaft in Kairo.

  • Die Demonstranten sammeln sich nahe dem Tahrir-Platz zum "Day of Departure"
    foto: epa/hannibal hanschke

    Die Demonstranten sammeln sich nahe dem Tahrir-Platz zum "Day of Departure"

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    Im August 2009 haben sich die beiden noch verstanden.

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    Vize-Präsident Omar Suleiman wird auf diesem Bild des staatlichen Fernsehens vom 29. Jänner von Präsident Husni Mubarak ins Amt eingeführt.

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    Auch in der Nacht auf den Freitag wurde am Tahrir-Platz in Kairo wieder demonstriert.

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