Hunderttausende bei Freitagsgebet auf Tahrir-Platz - Kleinere Zusammenstöße - USA, EU und UNO kritisieren Gewalt, fordern Reformen
Die Lage am Tahrir-Platz ist angespannt. Hunderttausende Menschen haben sich auch heute auf dem Tahrir-Platz versammelt, in den vergangenen Tagen waren bis zu zwei Millionen Menschen auf den Straßen. Ein Sternmarsch zum Tahrir-Platz, zum
Gebäude des staatlichen Fernsehens und zum Parlament ist geplant. Bei den Massenprotesten ist es
zu kleineren Zusammenstößen gekommen. Ein Augenzeuge in Kairo sagte,
Schlägertrupps versuchten, den Regimegegnern den Weg abzuschneiden.
Mubarak-Anhänger hätten Demonstranten mit Steinen beworfen, berichtete ein
Reporter des arabischen Senders Al-Arabiya. Vereinzelte Zusammenstöße wurden
auch aus den Städten Alexandria und Port Said gemeldet. Nahe dem Tahrir-Platz im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt griffen Anhänger
der alten Führung Regimegegner an. Die Gruppen hätten sich gegenseitig mit
Steinen beworfen, berichteten Augenzeugen. Mindestens acht Menschen seien
verletzt worden.
(Dieser Artikel wird ständig aktualisiert, hier finden Sie die neuesten Entwicklungen. Unsere gesamte Berichterstattung und Hintergrundinformationen zu den Protesten in Ägypten finden Sie unter derStandard.at/Ägypten.)
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15.40: Konten von Ex-Handelsminister eingefroren
Wie Reuters soeben meldet, hat Ägypten die Konten des ehemaligen Handelsministers Rachid During eingefroren und ihn mit einem Ausreiseverbot belegt, solange die Untersuchungen dauern.
15.26: Elf Kopten starben bei Massaker
Wie erst heute bekannt wurde, starben bei einem Massaker in einem Dorf 200 Kilometer südlich von Kairo zwei koptische Familien. Unter den Opfern war auch ein dreijähriges Mädchen. Aufgrund der Informationssperren kam das Massaker aber erst jetzt an die Öffentlichkeit. Mehr dazu gibt es hier.
15.16: Helikopter über Kairo
Seit einigen Stunden schweben auch Helikopter der Armee über dem Zentrum Kairos.
15.10: Imam rief Regierung auf, Vertreter zum Tahrir-Platz zu schicken
Beim Freitagsgebet rief der Imam Khalid al-Marakbi die Regierung
auf, Vertreter zu Verhandlungen auf den Platz zu schicken, der zum
Symbol des Protests geworden ist. Während des Gebets für die während
der Unruhen getöteten Demonstranten weinte der Geistliche. Am Ende
riefen zahlreiche Gläubige die an Mubarak gerichtete Aufforderung
"Verschwinde, verschwinde!".
15.08: Büro von Al Jazeera in Kairo attackiert
Das Büro des arabischen TV-Nachrichtensenders
Al-Jazeera in Kairo ist nach eigenen Angaben angegriffen worden.
Unbekannte seien in das Büro eingedrungen und hätten die Ausrüstung
zerstört, erklärte die Direktion von Al-Jazeera am Freitag an ihrem
zentralen Sitz in Doha, der Hauptstadt des Emirats Katar.
15.06: Unterstützer Mubaraks blockieren Autobahn
Augenzeugen berichten, Unterstützer Mubaraks hätten die Autobahn von Alexandria nach Kairo blockiert, um Regimegegner zu behindern. Umgekehrt kontrollierten Gegner Mubaraks Taschen und Ausweise der Menschen, die auf den Tahrir-Platz wollten. Damit sollten Anhänger des Präsidenten ferngehalten werden, sagte ein Augenzeuge. Am Mittwoch, dem vorläufigen Höhepunkt der Kämpfe, hatten Mubarak-Anhänger versucht, Oppositionelle gewaltsam von dem symbolträchtigen Platz zu vertreiben. Dabei gab es mindestens zehn Tote und über tausend Verletzte.
14.55: Jerzy Buzek, der Präsident des EU-Parlaments ...
... twittert: "Stability matters, but a stable neighbourhood is less important than a stable democratic neighbourhood. #Tunisia #Egypt"
14.52: US-Generalstabschef warnt vor Einfrieren von Militärhilfe
US-Generalstabschef Admiral Michael Mullen
hat vor einem voreiligen Einfrieren der Militärhilfe seines Landes
für Ägypten gewarnt. Er warne vor jeder Maßnahme, solange keine
Klarheit herrsche, was geschehe, sagte Mullen in einem Interview mit
dem US-Fernsehsender ABC am Freitag. Zwar sei es nicht an ihm, über
die Aussetzung der Militärhilfe zu entscheiden, doch würde er gerne
die Ereignisse besser verstehen, bevor er eine solche Entscheidung
treffe.
Der Admiral betonte, dass die US-Militärhilfe in Höhe von jährlich
1,3 Milliarden Dollar eine "lohnende Investition" gewesen sei. Die
Hilfszahlungen hätten den USA erlaubt, eine "sehr starke Beziehung"
mit der ägyptischen Armee aufzubauen. Am Donnerstag hatte Mullen
gesagt, die ägyptische Armeeführung habe ihm erneut versichert, dass
die Streitkräfte nicht auf die Demonstranten schießen würden. In dem
Interview am Freitag betonte er, der ägyptische Generalstab wolle
"eindeutig", dass der Übergang friedlich verlaufe.
14.29: 100.000 auch in Zagazig auf den Straßen
Dabei hat Zagazig - ähnlich wie Damanhur - nur 400.000 Einwohner.
14.28: Meldungen über Zusammenstöße häufen sich
Mehrere Medien berichten jetzt über erste kleinere Zusammenstöße in Seitenstraßen, die zum Tahrir-Platz führen. Innerhalb der Absperrungen ist es aber ruhig, wird friedlich demonstriert. Auch die Absperrungen selbst sollen nicht attackiert werden.
14.24: Erste Korruptionsprozesse sind in Vorbereitung
In Ägypten sollen angeblich demnächst mehrere Funktionäre des Regimes von Staatschef Hosni Mubarak vor Gericht gestellt werden, denen man Korruption nachsagt. Das meldete die ägyptische Nachrichtenwebsite "Youm7" am Freitag unter Berufung auf Kairoer Justizkreise. Namentlich wurden in dem Bericht folgende Politiker genannt, die das Land nicht mehr verlassen dürfen: Der entlassene Innenminister Habib al-Adli, Der Politiker der Regimepartei NDP und Stahlmagnat Ahmed Ezz, Tourismusminister Zouheir Garana und Wohnungsbauminister Ahmed al-Maghrabi. Die Ermittlungen gegen diese Männer würden eröffnet, "sobald sich die Lage wieder beruhigt hat", hieß es.
14.19: 100.000 demonstrieren in Damanhur
Laut Al Jazeera haben sich auch in Damanhur, einer Stadt im Nildelta, 100.000 Anti-Mubarak-Demonstranten eingefunden.
14.17: Hohe finanzielle Verluste für Ägypten
Der ägyptische Finanzminister sagte am Freitag, dass das Land "schwere wirtschaftliche Verluste" einfahren musste. "Es ist aber zu Früh, um den Verlust auf Pfund und Penny genau anzugeben."
14.15: UNO-Menschenrechtskommissarin fordert Untersuchung
Die Menschenrechts-Hochkommissarin der Vereinten
Nationen, Navanethem (Navi) Pillay, hat eine Untersuchung der
blutigen Zusammenstöße zwischen Anhängern und Gegnern des ägyptischen
Staatschefs Hosni Mubarak gefordert. Bei den Unruhen am Mittwoch habe
es "schockierende Szenen" gegeben mit verfeindeten Gruppen, die mit
Molotow-Cocktails und Steinen ausgerüstet gewesen seien, sagte die
Südafrikanerin Pillay am Freitag in Genf. Einmal mehr sei die
Abwesenheit der Polizei aufgefallen, und die Armee habe dabei
versagt, die Lager auseinanderzuhalten - "mit tragischen Folgen".
Die Unruhen, bei denen es Tote und Verletzte in der Hauptstadt
Kairo gegeben hatte, müssten "transparent und unparteiisch"
untersucht werden, forderte Pillay.
14.09: BBC-Interview mit Mohamed ElBaradei
ElBaradei kritisiert im Interview abermals Präsident Husni Mubarak. Der Oppositionelle versteht nicht, warum es weniger Chaos anrichte, wenn Mubarak erst in einem halben Jahr (Anm.: Bei der Wahl im September) sein Amt aufgibt. Mubarak solle "in Würde" abtreten.
14.02: Belgien kritisiert fünf große EU-Länder
Belgien hat indirekt die gemeinsame Erklärung der fünf großen EU-Länder
Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien vom
Donnerstag missbilligt und demonstrativ die Vollmachten der
EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton verteidigt. "Europa muss mit
einer Stimme sprechen, mit der Stimme von Frau Ashton", sagte der
belgische Ministerpräsident Yves Leterme am Freitag in Brüssel am
Rande des EU-Gipfels laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Belga. Die EU-"Schwergewichte" waren einer Stellungnahme von Ashton
zuvorgekommen. Als Reaktion darauf forderte der belgische Premier:
"Man muss Frau Ashton politischen Raum geben." Die
EU-Außenbeauftragte soll nach Angaben von Diplomaten nach Ägypten
reisen. Sie hat einen Zeitplan gefordert, um den Menschen Vertrauen
in einen geordneten friedlichen Übergang zu geben.
13.59: Hand in Hand, die Zweite
Ein berührendes, viel beachtetes Bild vom Donnerstag - Christen beschützen Muslime während des Gebets: http://imgur.com/NhC4m
13.53: Katholische und muslimische Geistliche, Hand in Hand
Der Guardian zitiert einen Augenzeugenbericht, wonach mitten auf dem Tahrir-Platzes ein katholischer gemeinsam mit einem muslimischen Geistlichen demonstrieren würde - Hand in Hand, beide in religiösem Dress.
13.45: "Minister sind nicht legitimiert"
Die Demonstranten rufen immer wieder im Chor Namen von Ministern des Mubarak-Regimes. Mit dem Nachsatz: "Nicht legitimiert!" Für die Korrespondentin von Al Jazeera ist damit klar, dass die Menschenmassen sich nicht mit Konzessionen zufrieden geben würden. Das ganze Regime müsse also gehen.
13.41: ARD und ZDF ziehen Korrespondenten nicht ab
Die deutschen Fernsehanstalten ARD und ZDF ziehen ihre
Korrespondenten vorerst nicht aus Ägypten ab. ARD-Korrespondent Jörg
Armbruster, sein Kollege Alexander Stenzel, ein Kameramann und ein
kleines lokales Team hätten die Nacht in einem Hotel in Kairo
verbracht. Sie seien am Freitag auf die Suche nach einem Quartier in
einer sicheren Gegend in der ägyptischen Hauptstadt gegangen, sagte
ein Sprecher des zuständigen Südwestrundfunks (SWR) am Freitag.
Ähnliches gilt für das ZDF-Team um Reporter Dietmar Ossenberg.
13.40: arte-Reporterin festgenommen
Eine Reporterin des
französisch-deutschen Kulturkanals "arte" ist am Freitag nach Angaben
des Senders in Ägypten von Geheimpolizisten festgenommen worden. Die
Französin, die seit drei Jahren für "arte" aus der Region berichtet,
habe sich auf dem Weg von einem Hotel in ein anderes befunden und sei
dabei in die Fänge der Miliz geraten, hieß es.
13.39: Armee soll Reportern helfen
Das ägyptische Kabinett weist die Armee nach
eigenen Angaben an, ausländische Journalisten bei deren Arbeit
zu unterstützen. Mehrere Reporter in Kairo waren attackiert
worden.
13.37: Ägypten in Österreich
Genauer gesagt, im österreichischen Parlament: Die Anti-Regierungsproteste in Ägypten
sind am Freitag in der Sitzung des außenpolitischen Ausschusses
thematisiert worden. Außenminister Michael Spindelegger lobte den
bisherigen Einsatz für die heimischen Touristen. Der außenpolitische
Sprecher der ÖVP, Wolfgang Schüssel, betonte die Möglichkeiten der
internationalen Staatengemeinschaft, Stabilität in Ägypten und dem
Nahen Osten herzustellen, ohne sich in die inneren Angelegenheiten
der Länder einmischen zu müssen. Alev Korun, die grüne Vorsitzende
des Menschenrechtsausschusses, forderte indes erneut von der
österreichischen Regierung, sich für den "raschen Rücktritt" des
Präsidenten Hosni Mubaraks einzusetzen.
13.34: Keine Gewalt am Tahrir-Platz
"Keine Anzeichen von Gewalt" gibt es in Kairo am Tahrir-Platz, weiterhin ist von Mubarak-Anhängern nichts zu sehen. Dies könnte mit dem höheren Armee-Aufkommen an den Checkpoints zu tun haben.
13.23: Achtung, Spekulation: Mubarak nach Montenegro?
Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak könnte
laut Spekulationen lokaler Medien in Montenegro Aufnahme finden. Die
Spekulationen stützen sich derzeit freilich nur auf die
Geschäftskontakte Montenegros mit der ägyptischen "Orascom Holding".
Das Unternehmen, an welchem der Sohn Mubaraks, Gamal, beteiligt ist,
hatte im Vorjahr mit den montenegrinischen Behörden einen Vertrag
über den Bau einer exklusiven Feriensiedlung an der Halbinsel Lustica
an der Bucht von Kotor abgeschlossen.
13.17: Oppositionelle wurden festgenommen
Die ägyptische Jugendbewegung "6. April", die
von Anfang an zum harten Kern der pro-demokratischen Protestbewegung
gehörte, gab am Freitag bekannt, sechs ihrer Mitglieder seien
festgenommen worden. Engi Hamdi, eine Sprecherin der Bewegung, sagte:
"Soll das etwa der Dialog mit der Opposition sein, den Vizepräsident
Omar Suleiman gemeint hat." Nach ihren Angaben wurden die Aktivisten
in einem Café im Kairoer Stadtteil Faisal festgenommen, kurz nachdem
sie sich zu einem Gedankenaustausch mit Friedensnobelpreisträger
Ex-IAEO-Chef Mohamed ElBaradei getroffen hatten.
13.14: 3.000 Mubarak-Anhänger in Gizeh auf der Straße
In Gizeh, nach Kairo und Alexandria die drittgrößte Stadt Ägyptens, sollen sich bis zu 3.000 Pro-Mubarak eingestellte Demonstranten eingefunden haben, wie verschiedene Quellen melden. Dafür waren in Kairo nach Angaben unterschiedlicher BBC-Journalisten praktisch keine Mubarak-Anhänger unterwegs.
13.11: Amr Moussa demonstriert mit
Nach Informationen von Al Jazeera hat sich auch der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Moussa, am Tahrir-Platz eingefunden, um gegen das Regime zu protestieren. Es wird immer wieder spekuliert, ob Moussa - ein ehemaliger Außenminister Ägyptens - bei den Präsidentschaftswahlen im September antreten wird.