Gender World

3. Februar 2011, 21:53
20 Postings

Frauen sind wahrscheinlich flexibler, umsichtiger, mehr bei der Sache. Hat Araksya Melkonyan festgestellt, als ich sie kürzlich bei einer Konferenz des türkischen Unternehmerinnenverbands Kagider in Istanbul getroffen habe. Melkonyan hat eine Consulting-Firma in Eriwan, und in Trainingskursen, die sie anbietet, so sagt sie, sitzen mehrheitlich junge Frauen, die auch bereit sind, für die Ausbildung zu zahlen. Die Männer, nun ja.

Kagider hatte Unternehmerinnen aus Nachbarländern zu der Tagung eingeladen - aus Armenien, Aserbaidschan und aus der nur von Ankara anerkannten Türkischen Republik Nordzypern. Unterhalb dieser kleinen Managerinnen-Ebene sieht die Welt natürlich noch einmal anders aus. Wie düster die Situation der Frauen in der Türkei selbst ist, zeigen Zahlen für 2010, die eine Behörde des Premierministers diese Woche veröffentlicht hat. „Die türkische Frau sitzt zu Hause", titelte das Boulevardblatt Vatan nach dem Studium der Statistik.

Die Zahlen: Vier Millionen Frauen in der Türkei können weder Lesen noch Schreiben, die Mehrheit - 2,5 Millionen - ist dabei über 50 Jahre alt; der Anteil der erwerbsfähigen Frauen am türkischen Arbeitsmarkt liegt bei nur einem Viertel und stagniert (1990: 34,1 %, 2002: 26,9 %; 2004: 25,4 %; 2009: 26 %); von den Frauen, die in der Landwirtschaft beschäftigt sind - das sind 41,7 % aller türkischen Arbeitnehmerinnen -, arbeiten 77 % ohne Lohn in Familienbetrieben; in den Städten ist statistisch gesehen von fünf Frauen mit Gymnasialabschluss eine arbeitslos gemeldet (20,8 %), bei den Männern sind es 12,6 %; von 100 Frauen haben nur 13 ein eigenes Bankkonto; an den Universitäten unterrichten vergleichsweise viele Lehrerinnen (41,5 % des Lehrerpersonals), 27,4 % der Professorenstellen sind mit Frauen besetzt und nur knapp 5 % der Rektorenposten; zwei Frauen sind Bürgermeister einer türkischen Stadt; und 217 Frauen sind im vergangenen Jahr von ihren Ehemännern, Ex-Ehemännern, Vätern, Brüdern, Freunden umgebracht worden. Das wiederum hat die Bürgerrechtsgruppe bianet zusammengezählt.

 

  • Eierfabrik in der nordanatolischen Provinzstadt Corum: Ein großer Teil der Türkinnen arbeitet in der Landwirtschaft - sofern die Frauen überhaupt einen Job haben.
    foto: markus bey

    Eierfabrik in der nordanatolischen Provinzstadt Corum: Ein großer Teil der Türkinnen arbeitet in der Landwirtschaft - sofern die Frauen überhaupt einen Job haben.

Share if you care.