Mysteriöses Auf und Ab beim Kurs der Telekom

3. Februar 2011, 18:20
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Spuren zum mysteriösen Kurs­sprung 2004: Die Euro-Invest-Bank brauchte für die Order einen Kredit bei einer Frankfurter Bank

Wien - Die Ermittlungen in der Causa Telekom Austria (TA) rund um Provisionszahlungen an den Lobbyisten Peter Hochegger bewirken nun ein Revival diverser Geschäftsfälle. Die TA versprach, den Zahlungen auf den Grund zu gehen; in Summe dürfte es um 25 Mio. Euro gehen, die zwischen 2000 und 2009 geflossen sind.

Im vorigen Herbst und in den vergangenen Tagen wurde ein brisanter Deal mit TA-Aktien aus dem Jahr 2004 in die Gegenwart gespült, der rund hundert damaligen TA-Managern zu Boni von neun Mio. Euro verholfen hat. Damals kaufte die Wiener Euro Invest Bank AG unmittelbar vor Börsenschluss 900.000 Aktien, was jenen Kurssprung bewirkte, der den TA-Managern ihre Boni rettete. Die FMA hat ermittelt, aber keine Kursmanipulation festgestellt.

Verbindung zu Hochegger

Der Kurier hat nun eine Verbindung zu Hochegger gefunden: Bei ihm sei eine Rechnung der Euro Invest Bank gefunden worden. Im November 2008 stellte die Bank Hochegger 170.000 Euro in Rechnung - für eine Studie über "Investitionsmöglichkeiten in erneuerbare Energie". Die Vermutung: Hochegger habe damit die Bank bezahlt, die den TA-Managern 2004 ihren Bonus gerettet hat.

"Mitnichten", sagt Euro-Invest- Beteiligung-Gesellschafter Johann Wanovits, der damals zuständig war. Er habe Hochegger "erst 2007 oder 2008" kennengelernt und tatsächlich eine Energie-Studie für ihn erstellt. "Ich beschäftige mich seit 20 Jahren mit dem Thema."

Auch das Gerücht, Investor Martin Schlaff, mit dem die TA im Herbst 2004 Exklusivgespräche über den Erwerb der bulgarischen Mobiltel begann (brachte Schlaff und Co ein Vermögen) könnte den Deal quasi als Stimmungsaufheller für die Verhandler beauftragt haben, zerstreut der Euro-Invest-Manager. "Von ihm habe ich keinen Auftrag bekommen", was Schlaff-Sprecher Michael Fink so ergänzt: "Herr Schlaff hat mit dem Geschäft nichts zu tun gehabt."

Wer der Auftraggeber für den Aktienkauf an diesem 26. Februar 2004 war bzw. ob es einen gab, will Wanovits nicht verraten. Er gibt viel mehr ein weiteres Rätsel auf, indem er erwähnt, dass in den Tagen vor dem Deal (es ging darum, dass die TA-Aktie eine Woche lang im Schnitt über 11,70 Euro liegen musste, damit die Aktienoptionen ausbezahlt werden konnten) "eine ausländische Bank den Schlusskurs regelmäßig durch Verkäufe gedrückt hat. Wäre das nicht geschehen, wäre der Kurs automatisch über dem nötigen Preis gelegen."

Archäologische Spurensuche

Die archäologische Spurensuche ergibt jedenfalls, dass der Euro-Invest-Manager vor der Aufsicht aussagte, keinen Auftraggeber gehabt zu haben; aus den Telefonprotkollen der Händler ergab sich allerdings anderes; nachweisen konnte man aber nichts. Und: Um die 10,7 Mio. Euro für die Aktien stemmen zu können, musste sie bei einer Frankfurter Bank einen Kredit aufnehmen. Angebliche Begründung im Antrag: Auftrag für einen großen Kunden.

Marktmanipulation (galt damals nur für das Verbreiten falscher Gerüchte und In-sich-Geschäfte) konnte die FMA der Bank nicht nachweisen; gemäß neuer Rechtslage ab 2005 wäre "das mit großer Wahrscheinlichkeit anders gewesen", so die Aufsicht damals. So fasste Wanovits eine Strafe wegen "Schädigung des Ansehens der Wiener Börse aus", die der Verwaltungsgerichtshof wieder aufhob. Warum? Wanovits: "Weil wir nichts geschädigt haben." (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 4.2.2010)

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    Die Geschäfte Peter Hocheggers mit der Telekom Austria führen in die Vergangenheit, zu Deals, die schon früher auffielen.

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