US-Notenbank ist größter Gläubiger von Uncle Sam

3. Februar 2011, 18:02
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Die Fed hält mehr Staatsanleihen als das kapitalstarke China. Bis August wird sie aber noch mehr Papiere ankaufen

Frankfurt/Washington - Die US-Notenbank Federal Reserve ist nach dem Start des Staatsanleihen-Ankaufprogramms im November zum größten Gläubiger der US-Regierung geworden. Obwohl das Programm des "Quantitative Easing" (QE) erst halb abgeschlossen ist, hält die Fed heute bereits 1,1 Billionen Dollar (806 Milliarden Euro) an ausstehenden US-Staatsanleihen. Das ist deutlich mehr, als etwa China hält, das derzeit auf knapp 900 Milliarden Dollar kommt.

Am Ende von QE wird die Fed laut aktuellen Plänen rund 1,6 Billionen Dollar an Staatspapieren auf den Büchern haben. Damit soll die Treasury unter Minister Timothy Geithner entlastet werden. Denn Uncle Sam steht tief in der Kreide. 2011 wird die Neuverschuldung laut Daten des Congressional Budget Office (CBO) bei knapp 1,5 Billionen Dollar liegen, knapp zehn Prozent der US-Wirtschaftsleistung. Das Ziel der Fed ist, mit den Ankäufen die Zinsen auf Staatspapiere stabil niedrig zu halten. Doch in den vergangenen drei Monaten ist die Verzinsung auf zehnjährige US-Staatsanleihen von knapp 2,5 auf 3,5 Prozent gestiegen. Bis Ende Juni wird die Fed dennoch das QE2 fortsetzen, bekräftigte sie in den vergangenen geldpolitischen Sitzungen. Am Montag betonte Dennis Lockhart, Chef der Notenbank in Atlanta: "Es ist noch zu früh, um schon den Erfolg zu feiern." Tatsächlich könnte die US-Regierung gerade in den kommenden Monaten Unterstützung gebrauchen. So wird die Regierung laut CBO-Schätzungen das offizielle verankerte Schuldenlimit im April oder Mai erreichen.

EZB belässt Leitzins

In Europa indes hat die Europäische Zentralbank an ihrer aktuellen Geldpolitik nichts geändert (siehe dazu: EZB bleibt in Sachen Teuerung auf der Hut). Sie belässt die Leitzinsen bei 1,0 Prozent. EZB-Gouverneur Jean-Claude Trichet nahm in einer Rede jenen Investoren etwas Luft aus den Segeln, die mit einer deutlich schärferen Anti-Inflations-Rhetorik gerechnet hatten. Das aktuelle Zinsniveau sei angemessen, so Trichet. Zwar würde die Inflation dieses Jahr länger über dem EZB-Ziel von "unter aber nahe zwei Prozent" liegen, und die EZB sei daher "permanent alarmiert". Doch für die Notenbank sei nicht die kurzfristige Inflation ausschlaggebend, sondern die Teuerung in der "politisch relevanten mittleren Frist". Der Euro hat daraufhin stark gegen den US-Dollar nachgegeben, im Tagesvergleich etwas mehr als ein Prozent auf zwischenzeitlich unter 1,365.

Trichet betonte, dass die EZB in der aktuellen Schuldenkrise das Ankaufprogramm für Staatsanleihen peripherer Eurostaaten noch nicht beendet. Vergangene Woche hat die EZB angesichts der Entspannung am Kapitalmarkt keine Bonds gekauft. (Lukas Sustala, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 4.2.2011)

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    Immer an seiner Seite. Ben Bernanke (links) hält Wirtschaftsminister Timothy Geithner mit Anleihenkäufen den Rücken frei.

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