Ein K-&-D-Burger für friedhofsblonde Party-Tiger

3. Februar 2011, 17:06
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Kruder und Dorfmeister gastierten im Burgtheater

Wien - Große Söhne Österreichs haben einmal gesagt: Live is life. Zwei nicht weniger bedeutende Kinder unseres Landes bemühten sich am Mittwoch im Burgtheater um die Erfüllung dieser Behauptung: Peter Kruder und Richard Dorfmeister.

Damit hatten sie ihre Schwierigkeiten. Dancefloor an einem zweckentfremdeten Ort aufzuführen ist okay und nicht neu. Aber enge Sitzreihen sowie ein der zu erhaltenden Altehrwürdigkeit geschuldetes Verbot, sich zu laben, ergab eine Situation, die der Trademark K&D widersprach. Denn auch wenn ihrer Musik das Vorurteil seichter Beschallung anhaftet, geht es doch um die Party. Trockengelegt und zusammengepfercht ist das schwierig.

Richard Dorfmeister, dessen Physiognomie an jene Thomas Bernhards erinnert und der deshalb gut an die Burg passt, hat einmal im Standard-Interview gesagt, mit Fritz Fitzke stünde und fiele die Show von Kruder und Dorfmeister. Fitzke ist der Visualist der beiden und zeigte sich angesichts dieses Lorbeers geschmeichelt. Er erwiderte, es sei schön, dass er die beiden so abhängig machen konnte.

Nach ihrem Auftritt im Burgtheater wusste man, wie sehr die Show von Fitzke lebt. Denn Peter Kruder und Richard Dorfmeister stehen bloß hinter Manualen, wo sie ihre Tracks abrufen, die sie live modifizieren. Dorfmeister wiegt sich dazu impressionistisch, Kruder ist der Expressionist.

Das verströmte im zur Sitzdisco umgewidmeten Auditorium vor friedhofsblonden Party-Tigern zarte Fadesse; da konnten Tracks wie der Depeche-Mode-Remix von Useless noch so süße Erinnerungen an die Grasernte von 1997 heraufdämmern lassen.

Useless war einer jener sexy Schleicher, der den Weltruhm der beiden Wiener Produzenten verantwortete und sie zum bedeutendsten heimischen Popexport des letzten Vierteljahrhunderts machte. K&D standen in schwarzen Anzügen auf der Bühne, umrahmt von Videoscreens, auf denen Fitzkes Kunst die tiefen Bässe, die funky Hi-Hats und die pumpenden Beats in bunte Bilder übersetzte.

Schlummer und Tortung

Dann und wann schauten die beiden MCs Earl Zinger (Rob Gallagher) und Ras T-Weed (Kevin Tweed) auf ein paar Tanzschritte vor die beiden, rappten, toasteten und schafften es nach einer Stunde harter Animation, das Publikum aus den Sesseln zu holen.

Zeit war's. Immerhin sah man Mitglieder der G-Stone-Familie, also Freunde von K&D, wie sie sich vor der Saalerhebung widerstandslos dem Schlummer ergaben - wie die Biene dem Zucker.

Unterteilt war die zweistündige Werkschau in "Past, Present and Future". Bei Aikon, einem Stück aus der Gegenwart, zeigte Fitzke jene Tortenschlacht, die sich die Künstler des Labels für die Kompilation Sixteen F**king Years Of G-Stone aus dem Vorjahr lieferten. Nett. Dokumentiert wurde auch der Burg-Auftritt von Kruder und Dorfmeister - in welcher Form er erscheint, ist noch offen. Als Titel böte sich K-&-D-Burger an. (Karl Fluch/ DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2011)

  • Disco zwischen den Stühlen: Kruder und Dorfmeister bei ihrer Show im 
Burgtheater.
    foto: phil samhaber

    Disco zwischen den Stühlen: Kruder und Dorfmeister bei ihrer Show im Burgtheater.

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