Der lange Tanz in die Mitte der Gesellschaft

3. Februar 2011, 17:11
4 Postings

Schrill und bieder zugleich? Für den Regenbogenball-Veranstalter kein Widerspruch

Wien - VoyeurInnen, erklärt Christian Högl ohne eine Spur des Bedauerns, werden enttäuscht sein: "Vielleicht werden sie sich bei manchen Damen in großer Robe nicht sicher sein, ob sie eine Dame oder einen Herrn vor sich haben - aber die Schrillheit von Life Ball oder Regenbogenparade bieten wir nicht." Nachsatz: "Das wollen wir auch gar nicht."

Denn der von Högls "Hosi" (steht für "Homosexuellen-Initiative") am 12. Februar zum 14. Mal veranstaltete "Regenbogenball" versteht sich weniger als Szenefest denn als Fest, das auch Normalität demonstrieren soll und will: Die Tradition der Wiener Bälle fußt schließlich auf den Festen, die von Berufs- oder Interessengruppen veranstaltet wurden, um sich selbst nicht zuletzt als soliden Teil des bürgerlichen Establishments zu demonstrieren.

Bieder, betont Högl, dürfe man den Ball dennoch nicht nennen. "Es geht bei uns sehr bunt und fröhlich zu." Und von einer Gratwanderung zwischen aufgekratzter PR-Überdrehtheit und betonter Normalität will der Hosi-Obmann nichts wissen: "Dass wir offen und öffentlich tanzen dürfen, ist noch nicht lange selbstverständlich. Umso wichtiger ist es, diese Normalität zu feiern."

Erste Adresse

Besonders stolz, betont der "Ballpapa", sei er daher, dass der Ball heuer erstmals in der Hofburg stattfindet, der "ersten Balladresse Österreichs - die Oper vielleicht ausgenommen".

Bisher war man im Parkhotel Schönbrunn daheim. Doch das wird umgebaut - und wäre längst zu klein. Ein bisserl mulmig, gibt Högl zu, sei ihm aber schon: Allein die Miete der Hofburg - angeblich ein mittlerer fünfstelliger Betrag - macht "fast das Zehnfache des Parkhotels" aus. Andererseits könne man nun auch international Präsenz zeigen. "Interesse gab es schon früher - aber was bringt es, für eine ausverkaufte Veranstaltung international zu werben?"

Freilich hätte Högl auf die aktuellen Schlagzeilen für "schwules Tanzen" gern verzichtet. Obwohl, korrigiert er sich, Niki Laudas Entgleisungen über Alfons Haiders Plan, bei Dancing Stars mit einem Mann zu tanzen, wichtig gewesen seien: "Als Beweis, dass wir noch lange nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind."

Laudas später nachgereichte Beteuerungen, weder Vorurteile noch Berührungsängste zu haben, werden sich am Regenbogenball aber nicht beweisen lassen: Von mehreren Seiten ausgesprochene Ball-Einladungen schlug er nämlich aus. Aus familiären Gründen. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe 4.2.2011)

  • Lucy McEvil wird am 12. Februar durch den Abend führen.
    foto: hosi wien

    Lucy McEvil wird am 12. Februar durch den Abend führen.

Share if you care.