Die französiche Filmschauspielerin ist in Paris gestorben
Paris - Rund fünfzig Filme hat sie gedreht, aber der, auf den sie sich als
19-Jährige eingelassen hat, legte einen langen Schatten über ihre Karriere: An
der Seite von Marlon Brando - und Jean-Pierre Léaud - stand Maria Schneider
Anfang der 1970er-Jahre für den italienischen Regisseur Bernardo Bertolucci vor
der Kamera: Der letzte Tango von Paris, der auf sehr explizite Weise von
der kurzen Affäre eines alternden Mannes mit einer sehr jungen Frau erzählte,
wurde ein Skandal und ein Welterfolg.
Die bis dahin unbekannte junge Hauptakteurin mit den wilden Locken und dem
trotzig-kämpferischen Ausdruck war damit allerdings als Sexsymbol abgestempelt,
das Interesse an ihrer schauspielerischen Leistung rangierte unter "ferner
liefen". Kein Wunder, dass sie selbst sich statt an den Letzten Tango zum
Beispiel lieber an Michelangelo Antonionis Beruf: Reporter (1975)
erinnerte - anlässlich einer Retrospektive des italienischen Regisseurs
begleitete sie diesen 1994 auch nach Wien.
Geboren wurde Maria Schneider am 27. März 1952 als Tochter einer
Buchhändlerin und des Schauspielers Daniel Gélin. Schneider ist der Familienname
ihrer Mutter, zum Vater bestand lange Zeit kein Kontakt. Noch als Teenager
machte Maria Schneider erste Schauspielerfahrungen am Theater und schließlich
vor der Kamera, unter anderem in Madly (1970) neben Alain Delon und
Mireille Darc. Bertoluccis Film markierte dann ihren internationalen Durchbruch,
in der Folge hatte Schneider jedoch auch mit psychischen Problemen und
Drogensucht zu kämpfen.
Die Schauspielerin stand zum letzten Mal 2008 für Josiane Balaskos
Cliente vor der Kamera. Sie war bis dahin immer wieder in französischen
Produktionen zu sehen - als später Schlüsselfilm gilt Bertrand Bliers Les
acteurs von 2000, Schneider arbeitete weiters mit Laetitia Masson, Cyril
Collard, Werner Schroeter oder Jacques Rivette; Otto Schenk besetzte sie schon
1973 in seiner Reigen-Verfilmung.
In den letzten Jahren hatte Maria Schneider außerdem eine Organisation für
alternde Schauspieler initiiert. Wie ihre Familie mitteilte, ist die
Schauspielerin am Donnerstag nach längerer schwerer Krankheit gestorben.
(irr/ DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2011)