"Kryptische Diversität" bei Laternenhaien

3. Februar 2011, 15:35
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Ein deutsch-österreichisches Forschungsteam hat sich den bisher wenig erforschten Tiefseebewohnern gewidmet

Wien - Deutlich vielfältiger als angenommen ist die Familie der Laternenhaie (Etmopteridae). Untersuchungen dieser Tiefseebewohner durch Wissenschafter der Uni Wien haben nun gezeigt, dass eine Gruppe sehr ähnlicher Laternenhaie nicht wie bisher nur in zwei, "sondern in fünf bis zehn, vielleicht sogar mehr Arten einzuteilen ist", wie Jürgen Kriwet, Leiter des Instituts für Paläontologie der Uni Wien, am Donnerstag erklärt. Die Wissenschafter suchen nun auch nach äußerlichen Merkmalen zur Unterscheidung dieser Arten, um Daten zu Populationsgrößen und Vorkommen zu sammeln und Schutzmaßnahmen zu erarbeiten.

Laternenhaie leben üblicherweise in einer Tiefe von mehr als 200 Metern - und kommen auch in Tiefen von über 2.000 Metern noch vor. Entsprechend wenig erforscht sind diese Tiere, die selten eine Körperlänge von einem Meter überschreiten. Mit bisher 43 bekannten Arten zählen die Laternenhaie zu der diversesten Gruppe aller Tiefseehaie.

Hohe Artenvielfalt

Kriwet hat diese Fischgruppe gemeinsam mit Münchner Kollegen untersucht und die Ergebnisse nun im Fachjournal "Zoologica Scripta" veröffentlicht. Bei den molekulargenetischen Untersuchungen zeigte sich die hohe Artenvielfalt der untersuchten Hai-Gruppe, ein Phänomen, das die Wissenschafter "kryptische Diversität" nennen.

Ihren Namen haben die Laternenhaie von speziellen biolumineszenten Feldern auf der Körperoberfläche, vor allem auf der Bauchseite sowie auf der hinteren Körperseite. Die Form der seitlichen Felder ist bei den bisher bekannten Arten jeweils ganz spezifisch, betont Kriwet. Deshalb gehen die Wissenschafter davon aus, dass die in völliger Dunkelheit lebenden Fische diese Flecken zum Anlocken und Erkennen geeigneter Sexualpartner benötigen.

Fischerei: Laternenhaie als Beifang

Die Laternenhaie weisen sich zudem durch ihre Langlebigkeit, späte Geschlechtsreife und sehr langsame sowie geringe Reproduktionsraten aus - Eigenschaften, die sie besonders gefährden. "Unterschreitet eine Population eine gewisse Größe, kann sie sich aus eigener Kraft nicht mehr erholen und bricht letztendlich vollständig zusammen", erläutert der Paläobiologe. Die Tiere werden zwar nicht gezielt befischt, stellen aber nach Angaben der Forscher einen großen Anteil des Beifangs der Garnelen und Kaiserbarschfischerei dar. Als Beifang werden sie entweder nur zu Fischmehl verarbeitet oder wieder über Bord geworfen. Laternenhaie sind deshalb durch die immer mehr expandierende Tiefseefischerei vom Aussterben bedroht.

Bisher fehlen allerdings verlässliche Daten über die Verbreitungsmuster einzelner Arten und die Größe von Populationen. Die Wissenschafter arbeiten deshalb an einem Bestimmungsschlüssel, der den Fischern eine einfache Bestimmung der verschiedenen Arten ermöglichen soll. Damit sollen Daten über Diversität, geographische Verbreitung und Populationsstruktur gesammelt werden können. Nur so könnten sinnvolle Schutzmechanismen wie Schutzzonen während der Fortpflanzungsphasen, Beifang-Quoten, etc. für Laternenhaie erarbeitet werden. (APA/red)

  • Die Forschungsgruppe hat Laternenhaie (Etmopteridae), eine sehr artenreiche Gruppe biolumineszenter Tiefseehaie, untersucht.
    foto: jürgen kriwet/nicolas straube

    Die Forschungsgruppe hat Laternenhaie (Etmopteridae), eine sehr artenreiche Gruppe biolumineszenter Tiefseehaie, untersucht.

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