Oliver Stern 1959-2011

  • Oliver Stern 1999 in Wien
    foto: standard / fischer

    Oliver Stern 1999 in Wien

Der Wiener Bühnen- und TV-Schauspieler starb an einem Herzinfarkt

Berlin - Als Wiener Burgtheater-Mime unter den Direktoren Achim Benning und Claus Peymann war der Wiener Schauspieler Oliver Stern ein ebenso moderner wie moderater, rotgelockter Charakterriese: Er gab Lords und Höflinge mit böse schmeckender Intrigantenzunge. Er konnte wunderbar kindlich erscheinen, um im nächsten Moment bedrohlich überwältigend zu wirken - und dies nicht nur seiner imposanten Physis wegen.

Sein berufliches Glück hat Stern dann doch als TV- und Filmschauspieler gemacht, wiewohl er am Berliner Schillertheater engagiert, später als Gast des Berliner Ensembles gerne gesehen war.

Unvergesslich sein Hamlet, den er 2000 in der Regie des inszenierenden Bildermalers und Stückentschleunigers Achim Freyer am Berliner Schiffbauerdamm zum Besten gab. Ein bedrohliches, nervenschwaches, dabei aufbrausendes Kind schien schockerstarrt im Albtraumland gestrandet - Stern, der Undurchdringliche, Geheimnisvolle, gab aus diesem Anlass den weißgeschminkten Existenzialclown. In Sterns Bühnenspielkunst schienen noch einmal die Gegensätze zwischen ost- und westdeutscher Theatertradition auf wundersame Weise aufgehoben. Sein Ingenium hätte noch größere, exponiertere Theateraufgaben verdient gehabt.

In Heinrich Breloers TV-Doku-Drama Speer und er (2004) gab er den NS-Gauleiter Fritz Sauckel. Als TV-Kommissar Ralf Schilling schmückte er die ARD-Serie Adelheid und ihre Mörder an der Seite von Evelyn Hamann. Markant auch sein Auftritt in Wolfgang Murnbergers Wolf-Haas-Verfilmung Der Knochenmann (2009) als Polizist.

Wie erst jetzt bekannt wurde, starb Stern bereits am 1. Februar in Berlin an einem Herzinfarkt. Zuletzt konnte man diesen stillen, hochsensiblen Künstler im Berliner Schlossparktheater bewundern, wo er in Unter der Treppe zu sehen war. (poh/ DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2011)

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10 Postings
roller-die-roller-die-roller, die kugel fällt: 17!

an diesem alten, etwas doofen witz hat mir oliver gezeigt, dass so ein Witz fertig, poliert sein muss, die Pointe gut getimt kommen muss, und das auch ein blöder Witz (und diejenigen, denen man ihn erzählt) Respekt verdienen und wie etwas Kostbares gepflegt werden müssen. Sonst, besser schweigen als einen Witz zerhargenen.

...

scheisse. ich hab ende der 90er viele gute abende mit ihm an einem kleinen tisch in einer großartig engen bar verbracht verbracht und genossen weil er einfach wirklich g'scheit und witzig war ohne ständig den schauspieler raushängen zu lassen. gerade die fähigkeit, privat nicht laut durch die gegend zu utrieren wie viele seiner kollegen hat ihn für mich abseits der bühne besonders ausgezeichnet.
Der Mann hatte nicht nur an dem kleinen Tisch Größe.
Verdammt...Du warst zu jing um zu gehen und ich hätte Dich wirklich gern nochmal wiedergesehen Oliver.

ja, gar nicht utrinös!

Ich kannte ihn nur aus "Adelheid"

Aber darin war er großartig, sehr schade um ihn, er musste viel zu früh gehen. Nun sind schon Gisela May, Evelyn Hamann und er aus der Crew verstorben, während der alte Heinz Baumann noch lebt, wenigstens er...

langes Leben

Die May lebt noch. Brecht sei dank.

Sie haben recht - Glück für die May

Keine Ahnung, wie ich darauf kam, aber ich hätte schwören können.

KARL May

ist schon verstorben...

Eine traurige Nachricht

Für mich war Oliver Stern einer der besten und markantesten Schauspieler unseres Land. Ich werde ihn schmerzlich vermissen!

Was waren das für Zeiten ...

... im Grazer Rechbauer Stüberl, Haring, Theatercafè.
Wie traurig und wie sinnlos alles wieder einmal erscheint. Was hatten wir gesagt? "Egal, wenn wir sterben müssen, wir lassen uns sicher was einfallen!" Hoffentlich!

Meine Güte, das ist viel, viel zu früh!

Ich erinnere mich sehr gut an einige seiner Wiener Rollen. Er war, was nicht viele schaffen, sowohl im Charakterfach wie als Komödiant herausragend talentiert. Durch seinen Weggang nach Berlin verlor ich ihn ein wenig aus den Augen - leider! Komisch, dass er nicht, wie z. B. Rois oder Minichmayr, in beiden Städten jeweils ein Standbein besaß und parallel tätig war. Ich hätte ihn gerne an der Burg behalten. Seine Stimme war markant und sehr persönlich. Jetzt sehe ich ihn da auf dem Foto im Café Griensteidl sitzen, aber wenn ich auf den Michaelerplatz gehe, ist er schon wieder weitergegangen.

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