Notfallzulassungen bedenk­licher Pestizide rasant gestiegen

3. Februar 2011, 16:31
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Anzahl der Notfallerlässe in den letzten Jahren um 400 Prozent gestiegen. Landwirtschaft nutzt Hintertür eines EU-Gesetzes

Mit Hilfe so genannter Notfallerlässe kommen immer öfter bedenkliche Substanzen zum Einsatz. In den letzten vier Jahren ist die Anzahl der Erlässe um 400 Prozent gestiegen. Das belegt die aktuelle Studie des Europäischen Pesticide Action Networks (PAN), dem GLOBAL2000 angehört.

Landwirte greifen vermehrt auf Sonderregel zurück

Landwirte nutzen diese Sonderregel nun beispielsweise während der Anbausaison. Per Notfallerlass können sie bewirken, Pestizide, die auf Grund ihrer Gefährlichkeit nicht zugelassen sind, bis zu 120 Tage lang einzusetzen. Das Chemie-Gesetz der EU wurde eigentlich für besondere Anlässe konzipiert, um etwa gefährliche Pflanzenkrankheiten schnell einzudämmen.

Ausnahmegenehmigungen auch in Österreich

In Österreich gab es beispielsweise in den letzten vier Jahren immer wieder Ausnahmegenehmigungen für das Antibiotikum Streptomycin. Es wird im Obstbau zur Bekämpfung des Feuerbranderregers eingesetzt. GLOBAL2000 kritisiert, dass das über Jahre wiederholte Auftreten von Pflanzenkrankheiten kein Notfall und keine Ausnahmesituation sei, sondern ein vorhersehbares Ereignis. "Es bestehe die Gefahr, dass der Notfall zum Regelfall wird und dann Antibiotika, wie Streptomycin, ihre Wirksamkeit in der Humanmedizin verlieren, weil die Krankheitserreger Resistenzen bilden", so Daniela Hoffmann, Pestizidexpertin von GLOBAL2000. (boes, derStandard.at, 3.2.2011)

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