Löwen-Nummer im Zirkus der Begehrlichkeit

3. Februar 2011, 16:56
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Verbrauch herunter, Ansprüche an Komfort und Luxus hinauf - das wollen alle Hersteller. Aber wie der Peugeot 508 das angeht, verdient Beachtung

Bei den größeren Autos halten's die Österreicher eher mit den Deutschen. Da scheint ein altes, hartnäckiges Misstrauen zu herrschen, das bei einem Peugeot 207 oder 308, einem Citroën C3 oder all den kleinen oder kompakten Renaults bedenkenlos über Bord geworfen wird. Aber bevor man sich einen 407 oder C5 kauft, schaut man doch lieber noch einmal bei VW oder Opel vorbei.

Könnte sich ändern, wenn sich nur rumsprechen würde, was für ein feines Auto der Peugeot 508 geworden ist. Der hat nicht nur das Großmaul des 407, diesen ungeheuren Kühlerschlund, zurückgenommen, sondern zeigt sich überhaupt von einer vornehm distinguierten optischen Geschlossenheit, die keine Protuberanzen wie enorme Scheinwerfer oder andere Übertreibungen mehr zulässt. Er ist zur Ruhe gekommen, und das darf man optisch wie akustisch verstehen, schließlich soll der 508 nicht nur in der Mittelklasse bestehen, sondern auch - noch mehr als sein Vorgänger - den Platz des glücklosen 607 in der Oberklasse einnehmen.

Nach Ansicht seiner Schöpfer markiert der 508 den Beginn einer Qualitätsoffensive bei Peugeot, die sich bei Gestalt, Material, Verarbeitung und Technik zu einem Niveau aufschwingt, wo selbst verwöhnte Genießer applaudieren. Ein weichstraffes Fahrwerk mit neuen Aufhängungen federt perfekt über jeden Bodenbelag und durch geschwind durcheilte Kurven, die man umso lieber fährt, als die Lenkung genau den richtigen Widerstand selbst in gefühlskalte Hände spielt.

In Watte gepackt

Obwohl alles, Geräusche, Lastwechsel, Fliehkräfte, wie bei den ganz Teuren in Watte gepackt wurde, stellt sich eine innige Verbindung zum Geschehen ein, die dann nach noch stärkeren Motoren verlangt, als sie verabreicht werden. Bei den Dieseln, die jetzt wieder stärkeren Marktgrip finden, stechen zwei am oberen und unteren Ende der Leistungskraft heraus: Einmal der verhalten schluckende e-HDi mit 112 PS, Start/Stopp-System und automatisiertem 6-Gang-Getriebe, zum Zweiten der stärkende 2,2 HDi mit 204 PS und 6-Gang-Automatik.

Während der "Kleine" an Ampeln und anderen Stillständen unermüdlich und schnell aus- und einschaltet und so den Normverbrauch auf 4,4 Liter drückt, wobei das automatisierte Getriebe die Insassen dazu nicken lässt, glänzt der andere durch souveräne Gelassenheit, die mit ihrer latenten Antriebsbereitschaft schon fast ans Arrogante grenzt.

Dazwischen machen sich zwei weitere Diesel zu 140 und 163 PS breit, wohl die Massenträger des neuen 508, daneben drei Benziner, die alle (bis auf Tiptronic) weniger als 150 g CO2/km ausstoßen.

Dabei hilft auch die Gewichtsreduktion im Vergleich zum Vorgänger, was sowohl Limousine als auch Kombi schaffen, obwohl beide an Länge (ca. 10 cm) und technischem Aufwand zugenommen haben. 2012 wird ein Diesel-Hybrid den 508 unter 100 g CO2/km schrauben, dabei geht sich ein Allradantrieb durch den E-Motor an der Hinterachse auch noch aus.

In dem schön und elegant zurückhaltend gestalteten Innenraum finden fünf Personen bequem Platz, und zwar alle fünf. Das Plus an Radstand wurde in den Fond investiert und in die Ladekapazitäten. Limo und Kombi übertreffen ihre Vorgänger um Welten. Der SW-Kombi erfreut durch ein durchdachtes Laderaumkonzept und schließt darüber die Heckklappe auf Wunsch elektrisch. Und schließt auch hier, neben vielen anderen Gimmicks, fühlbar an die Oberklasse an.

Die einstige Reserveradmulde wird zum schlauen Staufach, sonst gibt es im Interieur wenig Stauraum. Der Kombi setzt übrigens eher auf Lifestyle denn auf Lademeister. (Andreas Hochstöger/DER STANDARD/Automobil/04.02.2011)

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  • Peugeot will endlich wieder gute Figur machen und führt mit dem Flaggschiff 508 auch gleich die neue Desinglinie ein. Wirkt auch in natura recht überzeugend.
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    Peugeot will endlich wieder gute Figur machen und führt mit dem Flaggschiff 508 auch gleich die neue Desinglinie ein. Wirkt auch in natura recht überzeugend.

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  • Das Fahrwerk ist weichstraff.
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    Das Fahrwerk ist weichstraff.

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  • Geräusche, Lastwechsel, Fliehkräfte, wurden - wie bei den ganz Teuren - in Watte gepackt.
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    Geräusche, Lastwechsel, Fliehkräfte, wurden - wie bei den ganz Teuren - in Watte gepackt.

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