Älterwerden ist ein Balanceakt

4. Februar 2011, 08:45
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Die Gefahr, sich bei einem Sturz zu verletzen, ist bei Kindern und Senoiren hoch - Experte setzt auf Gesundheitstraining

Was haben Kinder und Senioren gemeinsam? Mehr als es auf den ersten Blick vielleicht scheint. Denn viele Fähigkeiten, die man zu Beginn seines Lebens erst erlernen muss, verliert man mit zunehmendem Alter wieder. Beispielsweise die Fähigkeit, einfache Gleichgewichtsleistungen zu erbringen, die im Alltag benötigt werden. Die Folge: Die Gefahr, sich bei einem Sturz zu verletzen, ist in beiden Altersgruppen überdurchschnittlich hoch. „Und das mit allen Folgeerscheinungen", sagt Urs Granacher von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und verweist beispielsweise bei älteren Menschen auf langwierige Reha-Aufenthalte oder hohe Behandlungskosten. Deshalb untersucht der neu berufene Professor für Trainingswissenschaft und Spezielle Didaktik der Sportarten, wie sich diese Risiken durch Training verringern lassen.

Defizite in der Koordination

Ursache für die hohe Sturzanfälligkeit von Kindern und Senioren seien neben einem Mangel an Kraft und Gleichgewicht insbesondere die fehlende Fähigkeit, mehrere Dinge während des Gehens gleichzeitig zu tun, z. B. gehen und sprechen oder gehen und Einkaufstüten tragen. „Das Problem liegt in der Koordination von Gleichgewicht und kognitiven sowie motorischen Prozessen", weiß der 37-Jährige. Doch das lasse sich trainieren, so der Trainingswissenschaftler, der zu Jahresbeginn von der Uni Basel an die Friedrich-Schiller-Universität wechselte.

In einem aktuellen Forschungsprojekt lassen Granacher und sein Team Senioren und Schulkinder gemeinsam trainieren: In Zweierteams spielen sie Memory und balancieren gleichzeitig auf einem Wackelbrett; werfen sich - auf einem Bein stehend - Bälle zu, während sie zusätzlich Wortketten bilden. „Wir werten die Daten gerade aus, aber können bereits jetzt sagen, dass beide Gruppen von dem Training profitieren", so der Sportwissenschaftler. Sowohl die Kinder als auch die Senioren gewinnen durch das Trainingsprogramm an Sicherheit bei alltagsmotorischen Aufgaben und unvorhergesehenen Bewegungen. Der Schlüssel dafür sei die Kombination von kognitiven und motorischen Trainingselementen, erläutert Granacher.

Gesundheitstrainig für ältere Menschen

Seinen Schwerpunkt Gesundheitstraining plant der im badischen Waldshut geborene Sportwissenschaftler nun an der Jenaer Universität weiter auszubauen. Dabei hat er vor allem ältere Menschen im Blick. „Jena hat im Bereich Altersforschung einen ausgezeichneten Ruf", so Granacher. Hier finde er viele renommierte Partner, erste Kontakte für gemeinsame Projekte seien bereits geknüpft. Davon können auch die Jenaer Studierenden profitieren: Ab kommenden Sommersemester wird Granacher seine Schwerpunkte auch in die Lehre einbringen. (red)

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